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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Die Frage nach einem gesunden Baby

12.09.2019
Frage: Herr Eiben, wie funktioniert die pränatale Diagnostik ganz praktisch?
Eiben: Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen gibt es zum Beispiel die invasive Fruchtwasseruntersuchung, bei der unter Ultraschallsicht mithilfe einer Hohlnadel einige Milliliter Fruchtwasser abgesaugt werden können. Im Fruchtwasser befinden sich einige abgeschilferte kindliche Zellen, die in einer Zellkultur vermehrt werden müssen. Das ist eine relativ zeit- und arbeitsintensive Laboruntersuchung, die etwa zehn Tage dauert. Ein weiterer Nachteil dabei ist, dass es sich um einen Eingriff handelt, der in einzelnen Fällen zu Fehlgeburten führen kann. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,1 bis 0,25 Prozent.
Frage: Welche Möglichkeit gibt es noch?
Eiben: Die neuere Methode ist ein nichtinvasiver pränataler Bluttest, kurz NIPT. Dabei wird der Schwangeren Blut abgenommen. Das Verfahren beruht darauf, dass sich im Blutkreislauf einer Schwangeren zellfreie DNA-Fragmente der fetalen Plazenta befinden. Diese können dann über modernste molekularbiologische Methoden in ihrer DNA-Basenabfolge analysiert, den jeweiligen Chromosomen zugeordnet und statistisch ausgewertet werden. Die Methode hat einen recht hohen Aussagewert – und es gibt keine Gefährdung.
Frage: Die Zahl dieser Diagnostik-Methode steigt stetig an. Wie viele Frauen nehmen sie in Anspruch?
Eiben: Aktuell haben wir in Deutschland rund 750 000 Schwangerschaften pro Jahr. Waren früher circa sechs Prozent der Frauen über 35 Jahre, sind es heute über 27,5 Prozent. Mittlerweile beanspruchen schätzungsweise rund 70 000 bis 80 000 Schwangere die Blutuntersuchung.
Frage: Dabei sind nur die Fruchtwasseruntersuchungen eine Kassenleistung – der NIPT nicht. Warum?
Eiben: Im Moment wird in vielen Gremien diskutiert, ob der Bluttest nicht bald Kassenleistung wird. Dazu gab es eine große Diskussion im Bundestag und auch im Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen, Kassenärzten, medizinischen Leistungserbringern und Krankenhäusern.
Frage: Was spricht dafür?
Eiben: Dafür spricht, dass es ein risikofreies Verfahren ist, was sich in der Praxis seit einigen Jahren bewährt hat. In Deutschland gibt es den Test seit 2012. Außerdem gibt es eine Gerechtigkeitsdiskussion. Momentan kostet der Test rund 270 Euro. Kritiker meinen, dass das eher etwas für Wohlhabende sei.
Frage: Und was sind Argumente gegen den Test als Kassenleistung...?
Eiben: Kritiker befürchten, dass es zu einem Massenscreening führen könnte. Dabei ist die pränatale Diagnostik ein sehr reglementiertes Verfahren, dass ohne genetische Beratung gar nicht angewandt werden darf. Große Studien bestätigen das auch, dass wer generell ein moralisches oder ethisches Problem mit diesem Test hat, macht ihn nicht, denn im deutschen Gen-Diagnostikgesetz ist das Recht auf Nichtwissen verbrieft. Schließlich ist es ein freiwilliges Angebot der Schwangerschaftsvorsorge. Auch die Kritik, dass es vermehrt zu Schwangerschaftsabbrüchen kommen könnte, ist nicht berechtigt. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass diese eher rückläufig sind.
Frage: Dennoch haben einige Menschen Angst, das beispielsweise die Stigmatisierung größer wird. Ist das berechtigt?
Eiben: Diese Gefahr sehe ich eher nicht. Die Ärzte sind dazu verpflichtet, ergebnisneutral zu beraten und keinen Menschen in eine Richtung zu drängen – das ist eine individuelle Entscheidung.
Frage: Wo sehen Sie die ethischen Grenzen der pränatalen Diagnostik?
Eiben: Meine Arbeitsgruppe im amedes Laborverbund bietet bestimmte Analysen beim NIPT nicht an. Dabei geht es um Analysen auf das Triple-X-Syndrom oder das Klinefelter-Syndrom. Solche Ergebnisse stürzen die Beteiligten nur in eine ernsthafte Krise, haben aber keine Konsequenzen. Es gibt keinen medizinischen Grund, diese Analysen vorzunehmen, da sie die Schwangerschaft nicht gefährden und auch für die Neugeborenen keine bis nur geringe Konsequenzen haben.
Frage: Also ziehen auch Sie persönlich Grenzen?
Eiben: Natürlich. Die medizinischen diagnostischen Techniken erweitern sich ständig. Nicht alles, was machbar ist, ist sinnvoll. Ich bin hier sehr strikt. Wenn eine Diagnose keine Auswirkungen für die Schwangerschaft hat und die Menschen nur verunsichert, möchte ich das nicht anbieten. Die Medizin muss immer im Sinne des einzelnen Menschen da sein. So versteht sich auch besonders die moderne Humangenetik.
Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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