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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Die Kuh des kleinen Mannes

31.07.2018

Hurrel /Schoost /Bremen „Die Nachfrage nach Ziegenprodukten ist wirklich gestiegen“, erklärt Christa Haverkamp aus Hurrel. Bis vor zehn Jahren verkaufte Haverkamps Hofkäserei nur Schaf- und Kuhmilchprodukte. Zwischenzeitlich konnte die Familie einen kleinen Bestand an Ziegenprodukten von einer Freundin auf dem hofeigenen Wagen auf Wochenmärkten verkaufen. Als das wegfiel, begannen die Kunden danach zu fragen. „Wir haben festgestellt, dass es ohne nicht mehr geht“, sagt Christa Haverkamp.

Morgens und abends werden die zwölf Ziegen auf dem Hof von Familie Haverkamp in Hurrel gemolken. Die weißen deutschen Edelziegen geben im Schnitt zwei bis drei Liter Milch am Tag. Die Rasse gilt als Milchziege, erklärt die Hurrelerin. Sie gebärt mehr Lämmer und gibt somit mehr Milch.

120 000 Ziegen

Produkte aus Ziegenmilch sind „en vogue“ – Käse, Milch, Butter, Ziegenmilch-Feta, Joghurt. Früher galt die Ziege als „Kuh des kleinen Mannes“. In vielen Gärten und Hinterhöfen, bei Weitem nicht nur auf dem Land, war das Gemecker zu hören. Schätzungsweise 2,5 Millionen Ziegen gab es vor rund 110 Jahren in Deutschland. Heute sind es vielleicht um die 120 000. Im Agrarland Niedersachsen listet die Tierseuchenkasse rund 22 000 Ziegen auf. Im Vergleich dazu: 2,7 Millionen Rinder, 10,7 Millionen Schweine und 233 000 Schafe. Exakte Ziegenzahlen sind schwer zu ermitteln, denn seit 1977 werden sie nicht mehr gezählt, sondern geschätzt. Klar ist: Die Haltung der kleinen Tiere ist ein Randbereich der deutschen Landwirtschaft.

Niedrigerer Fettgehalt

Anke Rosenhagen hält im Bremer Werderland auf dem „Zeegenhoff“ knapp 30 Ziegen. Damit liegt sie im Schnitt. Dabei handelt es sich jedoch um Thüringer Waldziegen. „80 Prozent der Bestände haben weniger als 30 Tiere“, schätzt Stefan Völl, Geschäftsführer des Deutschen Ziegenzuchtverbandes. Der Name der Verbandshomepage spricht für sich: „www.ziegen-sind.toll.de“. Ziegen haben drei Nutzungsarten: Milch, Fleisch und Wolle. Völl schätzt den Selbstversorgungsgrad bei Ziegenprodukten in Deutschland auf etwa 20 Prozent. „Da ist noch erheblich Luft nach oben.“

Oft geht die Vermarktung nur über Direktvermarktung. Milch vom Hof und kleine Stände am Markt sind die Regel. Wer Ziegen hält, der muss mit viel Arbeit rechnen – nicht nur in der Vermarktung der Produkte. Morgens sollte die Herde auf die Weide, abends oder bei Regen in den Stall. Zweimal am Tag melken. Sieben Tage die Woche.

„Die gesamte Arbeit auf dem Hof ist sehr zeitaufwendig“, sagt auch Cornelia Hoepfner aus Erfahrung. Bei ihren Kunden in Schoost, Schortens, ist Ziegenmilch sehr beliebt. Die Nachfrage auf ihrem Ziegenhof „Meckerland“ sei „gewaltig“. Sie hält 18 Ziegen, wovon sie sechs Tiere zweimal am Tag per Hand melkt. „Ich weiß daher immer wie es den Ziegen geht.“ Ihre Produkte – Milch, Fleisch, Feta, Frischkäse und Weichkäse – verkauft sie über ihren Hofladen und auf gewissen Veranstaltungen.

Kunden mit Allergien

Massentierhaltung wie bei Schweinen, Geflügel oder Rindern ist mit Ziegen schwierig bis unmöglich. Es gibt zwar Bestände mit über 1000 Ziegen. „Aber mit Blick auf das Verhaltensspektrum ist eigentlich kein Tier weniger geeignet für eine Haltung in Großbeständen als die Ziege“, sagt Diplom-Agraringenieurin Kathrin Kofent vom Verein „Provieh“, der sich um die artgemäße Haltung von Nutztieren kümmert. „Agil, neugierig, intelligent“, so beschreibt sie Ziegen.

Doch was macht Ziegenprodukte so beliebt? Christa Haverkamp bedient auf den Wochenmärkten viele Kunden mit Allergien. Ziegenprodukte seien für manche Menschen leichter bekömmlich, sagt sie. Frischkäse, Milch, Joghurt und Schnittkäse nach Goudaart stellt Haverkampfs Hofkäserei her. Ziegenmilchprodukte zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen niedrigeren Fettgehalt haben. Das spricht auch Kunden an, die weniger Fett zu sich nehmen wollen. „Wenn sie den Fettgehalt der Milchsorten vergleichen, greifen sie öfter zur Ziegenmilch.“ Ab und zu gibt es auch mal Ziegensalami im Verkauf. „Die ist dann schnell vergriffen“, weiß Christa Haverkamp. Im Mai und Juni vertreiben sie ebenfalls Zickleinfleisch – auch hier ist die Nachfrage groß.

Thüringer Waldziegen

Doch das Geschäft ist für viele Ziegenhalter weiter mühsam. Meist reicht es nur für den Nebenerwerb. Insgesamt zeigt sich eine Branche, die durch viel Individualismus, Idealismus und Engagement geprägt sei, resümiert eine Ende Januar 2017 fertiggestellte Zweieinhalbjahres-Studie der Bioland Beratung GmbH, des Vereins BAT Beratung Artgerechte Tierhaltung und dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau.

Die Beschreibung passt auch auf den „Zeegenhoff“ von Anke Rosenhagen. Sie weiß noch nicht, ob sie dieses Jahr Käse macht. Von Massentierhaltung hält sie wenig. Sie kennt all ihre Thüringer Waldziegen mit Namen, weiß, welche Tiere sich vertragen und welche nicht. Sie ermahnt die Zickigen, ermuntert die Gemächlichen und nimmt den Nachwuchs schon mal auf den Arm. Doch auch sie muss immer wieder entscheiden, welche Ziege den kleinen „Zeegenhoff“ verlassen und möglicherweise zum Schlachten verkauft werden muss. „Danach schläft man nachts nicht besonders gut.“

Anna-Lena Sachs
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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