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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Rasteder Schlossherrin gewährt Blick in Privaträume

23.12.2016

Rastede Der gute Rat kommt drei Tage vor dem Termin per Handy-Textnachricht: „Bitte ziehen Sie sich warme Kleidung an“, schreibt Caroline Herzogin von Oldenburg. Dem freundlichen Tipp folgend, trage ich am nebelgrauen Tag der Verabredung dicke Socken und einen ebensolchen Pulli. Notfalls, denke ich, bleibt der Mantel an.

Die Herzogin schenkt NWZ-Fotograf Torsten von Reeken und mir, der Redakteurin, ein sonniges Lächeln zur Begrüßung. „Es gibt bessere Jahreszeiten, um sich im Rasteder Schloss umzusehen. Im Frühjahr und Sommer ist es hier viel schöner und vor allem wärmer“, sagt die 54-Jährige und bittet ihre Besucher herein. Tatsächlich schlägt uns in der Eingangshalle kühle Luft entgegen. Mantel und Tuch lege ich also erst einmal nicht ab. Die Schlossherrin trägt zum violetten Gehrock ja auch einen kuscheligen Schal.

„In diesem Teil des Gebäudes gibt es keine Heizung“, erklärt sie zu Beginn des Rundgangs. Wir durchschreiten die Repräsentationsräume – vorbei an einer riesigen Tafel, an der Dutzende Essensgäste Platz finden, und vorbei an überlebensgroßen Porträts einstiger Oldenburger Herrscher.

Einer von ihnen, Graf Anton Günther, ließ Mitte des 17. Jahrhunderts sein Jagdschloss in Rastede errichten. Knapp 130 Jahre später erwarb Peter Friedrich Ludwig die Sommerresidenz und machte aus ihr im Laufe vieler Jahre einen der bedeutendsten klassizistischen Profanbauten im Nordwesten. Solche und weitere geschichtliche Fakten präsentiert die Hausherrin einmal im Jahr bei einer öffentlichen Führung. Auch wenn das Schloss Privatbesitz ist, empfinde sie als wichtig und richtig, es hin und wieder Fremden zugänglich zu machen, sagt Caroline Herzogin von Oldenburg.

2013/14 wurde das Gebäude für rund 400.000 Euro saniert. Ein Drittel der Kosten übernahmen öffentliche Geldgeber (darunter das Land Niedersachsen, der Landkreis Ammerland und die Gemeinde Rastede). Bald nach der Renovierung fand die erste Führung statt. Bis zu diesem Zeitpunkt durften nur geladene Gäste – beispielsweise während des Landesreitturniers – hinter die schmucke Fassade schauen.

„Ich kann mir vorstellen, dass in Zukunft auch Konzerte oder Hochzeitsfeiern im Schloss stattfinden. Meine Idee ist es, dass wir durch solche Veranstaltungen irgendwann die laufenden Kosten decken können“, sagt die Herzogin. „Außerdem: Ein solches Haus muss leben. Und wir sind ja nicht immer hier.“ Immer da ist aber das Hausmeisterehepaar. „Die beiden haben eine Wohnung im Gebäude und schauen in unseren Räumen mehrmals am Tag nach dem Rechten. Der Mann ist übrigens Polizist.“

Seit ihrer Heirat mit Herzog Christian im Herbst 1987 gehört die als Gräfin zu Rantzau geborene Caroline zum Geschlecht derer von Oldenburg. Das Paar hat vier inzwischen erwachsene Kinder und lebt die meiste Zeit des Jahres auf Gut Güldenstein im östlichen Schleswig-Holstein. Neben Forst- und Landwirtschaft gehört eine Ferienhausvermietung zum Familienbetrieb. Herzogin Caroline ist da pragmatisch: „Wenn man die Tradition erhalten will, darf man nicht stehen bleiben. Man muss sich modernisieren.“ Nachdenklich fügt sie hinzu: „Wer ein Schloss oder Ähnliches erbt, muss sich klar darüber sein, dass es nur eine Leihgabe ist und für spätere Generationen erhalten werden sollte.“

Inzwischen sind wir im ganz privaten Bereich des Schlosses. Hier gibt es eine Heizung, in warmem Orange gestrichene Wände und in Rotorange changierende Gardinen vor der Bleiverglasung. Die Gastgeberin bittet in der Fensternische zu Tisch. Den Mantel hänge ich über eine Stuhllehne.

Bei Kaffee, Tee und Weihnachtskeksen schweift mein Blick durch den Raum. Ich entdecke ein aus der Technikmode gekommenes Röhrenfernsehgerät. „Wir gucken höchstens mal Nachrichten. Dafür reicht der Apparat völlig.“ Die 54-Jährige lächelt. Alt und Neu mischen sich in der Einrichtung des Salons auf spannende Weise. Die historischen Sessel und Sofas sind mit Stoffen im angesagten Ethno-Stil bezogen worden. Eine kastige Ledercouch ergänzt das Sitzmöbelensemble.

„Nach und nach gestalten wir die Zimmer nach unserem Geschmack um. Die nächste Generation kann es dann ja nach ihrem Geschmack machen“, sagt die Herzogin und begleitet uns zur Tür. Die kühle Luft in der Eingangshalle bereitet auf das vor, was draußen auf uns wartet an diesem nebelgrauen Nachmittag.

Kerstin Buttkus Redakteurin / Redaktion Westerstede
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