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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Was Kliniken in der Region im Notfall leisten müssen

28.08.2018

Im Nordwesten Eine Notaufnahme in einem Krankenhaus. Überquellende Wartebereiche. Genervte Patienten. Ärzte und Krankenschwestern, die versuchen, den Überblick zu behalten.

Solche Situationen kennt fast jeder. Wenn nicht aus eigener Erfahrung, dann aus Erzählungen.

Im kommenden Jahr soll es nun bei der stationären Notfallversorgung in Krankenhäusern eine Gesetzesänderung geben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat dabei ein dreigestuftes System entwickelt. Das Ziel: Die stationäre Notfallversorgung soll gesichert, ihre Qualität verbessert und die Finanzierung zielgenauer steuerbar werden.

die neuen Strukturen im Überblick

Laut der Regelung des Ausschusses wird es künftig vier Stufen geben: die Nichtteilnahme einer Klinik, die Basisnotfallversorgung (Stufe 1), die erweiterte Notfallversorgung (Stufe 2) sowie die umfassende Notfallversorgung (Stufe 3). Krankenhäuser erhalten künftig der Höhe nach gestaffelte finanzielle Zuschläge.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Die Regelung des GBA geht zurück auf einen gesetzlichen Auftrag, mit dem die bisherige defizitäre Notfallversorgung durch Vergütungszuschläge auf einem qualitativ hohen Niveau gewährleistet werden soll.

Doch wie genau sehen die Änderungen aus? Welche der Krankenhäuser im Oldenburger Land können sie in welchem Umfang leisten? Und welche Konsequenzen könnte das geänderte Gesetz mit sich bringen? Wir haben uns bei einem Experten und sechs Kliniken im Oldenburger Land umgehört.

System in drei Stufen

Generell hätten alle Katholischen Krankenhäuser signalisiert, dass sie die Basisnotfallversorgung sicherstellen wollen, sagt Prof. Martin Pohlmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhäuser im Bereich des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg. Doch: „Dazu sind meiner Einschätzung nach personelle, bauliche und auch ablauforganisatorische Veränderungen nötig“, sagt Pohlmann. Und ergänzt: „Es ist nicht klar, ob die Veränderungen dann auch ausreichend sind.“

So sehe beispielsweise bereits die Stufe 1 vor, dass ein Arzt weisungsunabhängig agieren könne und nicht – wie üblich – einer anderen Station untergeordnet ist. Zudem muss der Arzt die Weiterbildung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ absolvieren. Pohlmann: „Diese speziellen Qualifikationen gibt es in Niedersachsen noch gar nicht.“

Sechs Intensivbetten – drei davon mit Beatmungsgeräten – müssten ständig vorgehalten werden. „Die Zahl ist beliebig“, sagt der Experte. „Die Vorgaben lesen sich gut, doch es wird immer bürokratischer.“ Die Finanzierung sei noch nicht geregelt.

Auch die Anforderungen der Stufe 2 sieht er kritisch: „Die Krankenhäuser brauchen eine bestimmte Anzahl an Fachabteilungen – das wird sehr formal und ist auch unsinnig.“ Denn: Sogar große Krankenhäuser stießen hier an ihre Grenzen, da es oft Leistungsabsprachen mit anderen Häusern gebe. Zudem müssten Patienten innerhalb von zehn Minuten in bestimmte Schweregrade eingeteilt sein – im Alltag nicht immer möglich.

Die Stufe-3-Häuser müssten noch mehr Fachabteilungen vorhalten. „Das wird noch problematischer und selbst in Oldenburg schwer umsetzbar“, sagt der Experte. Dabei gebe es im Oldenburger Land aktuell insgesamt 19 Krankenhäuser – zehn katholische, ein evangelisches, sechs kommunale und zwei private.

Josef Hospital in Delmenhorst

„Langfristig wollen wir das Level 2 anstreben und gehen auch davon aus, dass wir das hinbekommen werden“, sagt Aline Becker, Pressesprecherin des Josef Hospitals Delmenhorst. Momentan seien noch nicht alle Anforderungen erfüllt. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Erste Voraussetzungen seien bereits umgesetzt. Becker: „Wir sind in der Umstrukturierung.“

Evangelisches Krankenhaus in Oldenburg

Die Führungsetage des Evangelischen Krankenhauses in Oldenburg hält die Gesetzesänderung für sinnvoll: „Der Beschluss lässt an Klarheit nichts vermissen“, sagt Thomas Henke, Leitender Arzt am Zentrum für Notfallmedizin. „Wir halten das System für gut, weil es unheimlich viele direktive Strukturen in die Stationen bringt.“ Laut des Papiers sei die zweite Stufe, eine erweiterte Notfallversorgung, sofort möglich.

Und: „Vom Know-how her könnten wir auch die umfassende Notfallversorgung abbilden“, sagt Henke. Doch dabei müsste geklärt werden, inwieweit weiterhin mit den Kooperationspartnern zusammengearbeitet werden könne. Offen sei, was genau die Definitionen einer Fachabteilung oder eines Standortes seien. Aktuell arbeite man unter anderem mit dem Pius-Hospital zusammen. „Wir wollen alles dafür tun, dass wir die umfassende Notfallversorgung abbilden können, doch das können wir noch nicht sagen.“ Generell sei wohl gewollt, die Kapazitäten zu zentralisieren.

Pius-Hospital in Oldenburg

Auch das Pius-Hospital in Oldenburg hält das Gesetz für sinnvoll. „Bislang erhalten Krankenhäuser, die Tag und Nacht für aufwendige und komplexe Untersuchungen und Eingriffe gerüstet sind und das entsprechende Fachpersonal bereitstellen, dieselbe Vergütung pro Patient wie Krankenhäuser mit begrenzten Kapazitäten und damit auch geringeren Kosten“, sagt Dr. Regina Prenzel, Direktorin der Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Gastroenterologie. Durch die Änderungen sollen nun komplexe medizinische Behandlungen dort durchgeführt werden, wo man über besonders viel Erfahrung in diesen verfügt. Prinzipiell sei dieser Weg also begrüßenswert, sagt Prenzel. „Das Pius-Hospital würde wie die anderen Oldenburger Krankenhäuser in die Stufe 2 fallen.“

Klinikum Oldenburg

Das Klinikum Oldenburg begrüßt grundsätzlich die Absicht, die Versorgung von Notfallpatienten zu verbessern, sagt auch Bernd Christoph Ulrich, Ärztlicher Leiter Notfallzentrum. Das Klinikum nehme alle Aufgaben eines Maximalversorgers nicht nur in der Notfallversorgung wahr, so Ulrich. Personell und strukturell, aber auch prozessual erfülle es sämtliche Anforderungen für die „umfassende“, die höchste Stufe. Doch: „Obwohl von 18 im Beschlusstext genannten Fachabteilungen 14 vorhanden sind, genügt das Klinikum nicht den formalen Anforderungen bezüglich der Zusammensetzung von Fachabteilungen für die Stufe der umfassenden Notfallversorgung“, so Ulrich.

Die Landesregierung werde in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern festlegen müssen, welchen Kliniken für die Stadt Oldenburg und die Region die Funktion des umfassenden Notfallversorgers zuerkannt werde. „Hier sind sowohl die Benennung mehrerer einzelner Krankenhäuser als auch einer Kooperationslösung denkbar“, sagt Ulrich.

Kliniken im Ammerland und in Wilhelmshaven

Anders sieht es beim Klinikum Wilhelmshaven aus, das über eine Zentrale Notaufnahme verfügt. „Der Abgleich mit den Einstufungskriterien für Notfallstrukturen in Krankenhäusern hat ergeben, dass wir bereits jetzt ein Krankenhaus mit einer Notaufnahme der Stufe 3 – umfassende Notfallversorgung – sind“, so Sprecherin Marlies Ahlswede.

Und auch die Ammerland Klinik strebt die dritte Stufe an: „Wir haben eine relativ große Notaufnahme gemeinsam mit dem Bundeswehrkrankenhaus“, sagt Dr. Matthias Haut, Leitung Interdisziplinäre Notaufnahme. „Von den Kriterien her erreichen wir die höchste Stufe – durch das Klinikzentrum haben wir alle Fachabteilungen an einem Standort.“ Deswegen seien auch keine Änderungen notwendig, so Haut. „Wir lehnen uns quasi entspannt zurück, wobei der Alltag immer auch eine logistische Herausforderung ist.“

Auch das Stufenmodell sehe er im Prinzip als richtige Lösung an. „Die Frage ist nur, wie das ökonomisch bewertet wird“, sagt Haut. Schließlich gehe es auch um finanzielle Aspekte: „Wer mehr Vorhaltungen hat, hat auch andere Kosten.“ Das sollte berücksichtigt werden. Doch: „Wie die Abstufung nachher aussieht, wissen wir noch nicht.“

Folgen nicht absehbar

Könnten nach der Änderung Krankenhäuser im Oldenburger Land geschlossen werden?

„Diese Sorge ist nicht unbegründet“, sagt Pohlmann. „Die Folgen sind schlecht abzuschätzen. Es ist offensichtlich, dass nicht ausschließlich die Qualitätsverbesserung im Mittelpunkt steht, sondern es zu einer Konzentration der Leistung kommen soll“, betont er, geht jedoch nicht von kurzfristigen Schließungen oder akuten Problemen aus, sobald das Gesetz in Kraft trete. Die Leistung könne sich künftig auf wenige Zentren konzentrieren, was ein Problem in der Fläche bedeute. „Wir haben im Oldenburger Land viel Fläche und viele kleine Häuser.“

Ellen Kranz
Redakteurin
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2051

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