• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Statt Zwang eine helfende Hand

07.01.2019
Frage: Die von Ihnen ins Leben gerufene Online-Petition wurde bisher von rund 39 000 Menschen unterzeichnet. Sind Sie zufrieden mit der Resonanz?
Cornelius: Unsere Erwartungen waren eher verhalten, da Pflegepersonal oft schwierig zu mobilisieren ist. Wir haben wohl mit einer gewissen Resonanz gerechnet, doch nicht mit solch einer großen Aufmerksamkeit.
Frage: Was hat Sie beziehungsweise die Initiative dazu bewogen, die Online-Petition zu starten?
Cornelius: Unser Ausarbeitungsteam hat sich bedingt durch den Ablauf der Wahlen zur ersten Kammerversammlung der Pflegekammer Niedersachsen, bei denen nur 46 700 Pflegekräfte von 80 000 bis 95 000 in Niedersachsen wahlberechtigt waren, und nach der Zwangsverkammerung, bei der Daten der Mitarbeiter bei den Arbeitgebern auch zum Teil ohne Genehmigung der Arbeitnehmer erhoben wurden, arge Gedanken um den demokratischen Aspekt an der Sache gemacht. Dazu der Beitragsbescheid, der eine Selbstauskunft der Finanzen verlangt, da man sonst den Höchstbetrag zahlt, welcher an 70 000 Euro Verdienst bemessen wurde.
Frage: Die Beitragsbemessung ist einer Ihrer zentralen Kritikpunkte. Wie haben Sie denn den Moment erlebt, als Sie kurz vor Weihnachten den besagten Bescheid für den Mitgliedsbeitrag von der Pflegekammer erhalten haben?

Zur Person und zum Hintergrund der Petition

Stefan Cornelius ist Mitinitiator der Online-Petition „Nein zur Pflegekammer 2018 Niedersachsen“. Der 33-jährige examinierte Krankenpfleger kommt aus Berge (Kreis Osnabrück) und arbeitet in Teilzeit als stellvertretender Pflegedienstleiter in einer Tagespflegeeinrichtung in Quakenbrück und zusätzlich in der ambulanten Intensivpflege.

Die Online-Petition wurde am 23. Dezember 2018 von der gleichnamigen Initiative ins Leben gerufen. Sie läuft am 22. März 2019 aus. Das derzeitige Sammelziel liegt bei 40 000 Unterzeichnern. Die Petition richtet sich an das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Die niedersächsische Pflegekammer hatte sich im August konstituiert. Sie vertritt 80 000 bis 95 000 Pflegefachkräfte mit Abschlüssen in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege.

Kritisiert wird die Zwangsmitgliedschaft der Pflegekräfte in der Pflegekammer Niedersachsen. Sie müssen einen Beitrag zahlen, der nach dem Einkommen bemessen wird. Alle Mitglieder der Pflegekammer hatten kurz vor Weihnachten einen Beitragsbescheid über den Höchstbeitrag von 140 Euro für 2018 erhalten (280 Euro für ein ganzes Jahr). Zugrunde gelegt wurde ein Jahreseinkommen von 70 000 Euro – was kaum eine Pflegekraft verdient. Um einen geringeren Beitrag zu zahlen, müssen die Mitglieder ihr steuerpflichtiges Jahresbruttoeinkommen angeben. Erst dann wird ein neuer Bescheid über 0,4 Prozent der Jahreseinkünfte erstellt. Die Initiative „Nein zur Pflegekammer 2018 Niedersachsen“ plant derzeit eine Demonstration in Hannover. Diese soll noch in diesem Januar stattfinden.

Cornelius: Mir hat da schlicht die Empathie seitens der Pflegekammer gefehlt, dadurch sind bei vielen die Emotionen auch hochgekocht. Die Bemessung des Beitrags ist meiner Meinung nach falsch angegangen worden und von der Höhe her nicht realistisch, darum soll dieser jetzt auch wohl neu ausgelotet werden.
Frage: Was stört Sie darüber hinaus an der neuen Pflegekammer in Niedersachsen? Wie müsste Ihrer Meinung nach die Alternative zum derzeitigen Modell der Interessenvertretung für die Pflegebranche aussehen?
Cornelius: Uns stört vor allem der Zwang und der Umgang mit den persönlichen Daten der Betroffenen. Es wurden ja auch Bescheide an Personal verschickt, die keine Fachkräfte sind und sich nun der Pflegekammer gegenüber darlegen müssen. Des Weiteren fehlt die Transparenz und viele Dinge werden seitens der Pflegekammer schwammig wiedergegeben, obwohl die Satzung dort eine klare und bedenkliche Linie zeigt. Eine gute Alternative könnte ein Verein sein, Bayern zeigt wie dies funktionieren kann –ohne Zwang und ohne Druck, auch Hochschulen können ein Sprachrohr für die Pflege sein, gerade dort wird doch hochprofessionell gearbeitet. Wichtig wäre auch, dass man sich für die Pflege einsetzt und sie nicht noch weiter unter Druck setzt und der ganze Beruf dann noch unattraktiver wird.
Frage: Warum haben Sie sich denn für einen Beruf in der Pflegebranche entschieden?
Cornelius: Ich war schon immer ein hilfsbereiter Mensch, zumindest sagt man mir dies nach. Personen in Not oder bei Hilflosigkeit beiseite zu stehen ist doch die schönste Aufgabe der Welt.
Frage: Das merkt man Ihrem Engagement an. Wie sehen denn nun eigentlich die nächsten Schritte im Anschluss an die Online-Petition aus?
Cornelius: Nach Übergabe der Petition hoffen wir, dass sich viele Parteien erneut mit dem Thema beschäftigen oder es als Thema für die Landtagswahlen nehmen. Als Team werden wir auch die genauen Schritte der Pflegekammer in Niedersachsen beobachten und auch Forderungen an diese stellen. Da sich gerade durch die Hintertür auch eine Bundeskammer bildet, werden wir gerade hier eine aufklärende Funktion haben.

Die Online-Petition ist zu finden unter der Internetadresse   bit.ly/petition-pflegekammer 
Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2083
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.