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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

„Jeder Dritte leidet Qualen“

21.07.2006

Man sollte sich outen und dem Flugpersonal von seiner Angst berichten. Alkohol ist ein schlechter Ratgeber zur Bekämpfung der Phobie.

Von Hans Drunkenmölle

Frage: Herr Eisenberg, viele Menschen besteigen in diesen Tagen mit einem eher mulmigen Gefühl im Bauch das Flugzeug zum Ferienziel – gibt es Erkenntnisse, wie viel Prozent der Passagiere unter Flugangst leiden?

Eisenberg: Rund 33 Prozent – das haben Meinungsforscher ermittelt. Diese Leute leiden beispielsweise unter Herzrasen und Schweißausbrüchen und erleben Fliegen als Bedrohung und Gefahr.

Frage: Inwieweit ist Angst vorm Fliegen eine völlig natürliche Reaktion, weil Menschen nun mal nicht zum Fliegen geboren und von der Natur dafür ausgestattet worden sind?

Eisenberg: Angst ist in der Tat vor dem Hintergrund der Evolution eine völlig normale Reaktion. Allerdings wird die Angst vor dem Fliegen von vielen Menschen völlig überbewertet.

Frage: Auf dem Schiff, im Zug oder im Auto sieht das völlig anders aus – warum?

Eisenberg: Der Verlauf von Straßen und Schienen ist für uns sozusagen greifbar. Es sind Situationen auf festem Boden oder, im Fall des Schiffes, zumindest auf dem uns eher vertrauten Medium Wasser. Da gibt es die Möglichkeit, in kritischen Lagen selber einzugreifen, indem man die Notbremse zieht oder ein Rettungsboot ins Wasser lässt. Im Flugzeug ist das anders. Da hat man in 10 000 Metern Höhe den Boden unter den Füßen verloren. Da ist die Angst vor Kontrollverlust oft groß, zumal man dem Piloten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Frage: Wird Flugangst auch durch fehlende Information über das Fliegen ausgelöst?

Eisenberg: Angst vor dem Unbekannten ist ein wichtiger Faktor. Allein die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen können Besorgnisse auslösen, ebenso die Hinweise der Flugbegleiter auf Notausgänge und Sauerstoffmasken. Besonders ausgeprägt ist dies bei Menschen, die noch nie geflogen sind.

Frage: Und dann gibt es da den Horror, wenn das Flugzeug in Turbulenzen gerät . . .

Eisenberg: . . . ja, man sieht die wackelnden Tragflächen und verbindet das mit dem Gedanken, dass es jetzt möglicherweise vorbei ist. Da wird die Aufforderung, sich anzuschnallen, von vielen Menschen als Bestätigung ihrer Einschätzung der Gefahr interpretiert.

Frage: Sind bestimmte Menschen besonders anfällig für Flugangst?

Eisenberg: Ja, wenn sie beispielsweise traumatische Erlebnisse im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall gehabt haben. Auch die Erziehung kann eine Rolle spielen: Von den Eltern stark behütete Kinder sind eher anfällig als andere.

Frage: Können Sie aus der Resonanz auf Ihre Seminare darauf schließen, dass die Zahl der Betroffenen steigt?

Eisenberg: Das ist so. Die Seminare werden übrigens von mehr Frauen als Männern besucht. Das hat mit der klassischen Rollenverteilung zu tun – Männer geben Schwächen nicht gerne zu.

Frage: Wie nehmen Sie Ihrer Klientel die Angst?

Eisenberg: Wir geben Informationen darüber, wie Fliegen überhaupt funktioniert. Wir besichtigen auch eine Maschine auf dem Vorfeld des Flughafens, damit die Leute das Flugzeug als völlig normales Verkehrsmittel erleben. Darüber hinaus vermitteln wir Strategien, wie man mit der Angst umgehen kann – mit Entspannungsübungen oder Übungen zur Atemtechnik. Das ist ein Stück Hilfe zur Selbsthilfe, die einen bewussten Umgang mit der Angst ermöglicht.

Frage: Geben Sie uns ein paar praktische Tipps?

Eisenberg: Man sollte sich outen und dem Flugpersonal von der Angst berichten. Beim Einchecken kann man Wünsche nach einem bestimmten Sitzplatz anmelden. Und man kann die Stewardess um ein Gespräch mit dem Piloten bitten – das ist in 80 Prozent aller Fälle möglich.

Frage: Was sollte man auf keinen Fall tun?

Eisenberg: Alkohol und Medikamente quasi zur Betäubung der Angst sind absolut fehl am Platz. Dadurch werden unangenehme Gefühle womöglich gedämpft, die eigentlichen Ursachen des Problems jedoch nicht beseitigt.

Informationen auch unter

www.flugseminare.de

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