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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Der „Graf“, der die Deiche schützt

17.02.2018

Jever Eilt-Onno Garlichs ist ein wichtiger Mann für das Wangerland. Er ist ehrenamtlicher Verbandsvorsteher des III. Oldenburgischen Deichbands mit Sitz in Jever und kümmert sich – ganz in der Tradition der mittelalterlichen Deichgenossenschaften – um den Küstenschutz und damit um unsere Deiche. Im Hauptberuf ist der sympathische Kerl mit den markanten Augenbrauen Landwirt und redet bei unserem Interview so schnell, dass Stenografie-Kenntnisse von Vorteil wären.

Eilt-Onno hat, als wir ihn zu Hause in Jever besuchen, wo er mit seiner Frau Antje lebt, eine Menge zu erzählen. Verständlich: Wenn man fast 60 Jahre alt ist wie er, blickt man zurück auf ein ereignisreiches Leben. Natürlich macht der gebürtige Wangerländer nicht groß Aufhebens um seine Person; er zählt mit viel Begeisterung vielmehr die Stationen seiner Vita (Abitur, landwirtschaftliche Lehre, Bundeswehr, Fachschule für Landwirtschaft in Celle, Familienleben mit Antje und seinen zwei Söhnen) auf, um dann vom großen Umbruch in seinem Leben zu sprechen. Nämlich davon, dass sein ältester Sohn jetzt den landwirtschaftlichen Betrieb im nahen Bassens übernimmt, den er seit 1986 aufgebaut und geleitet hatte.

Besonders hatten es ihm immer die Schweine angetan. „Milchwirtschaft war nicht so mein Ding, ich hatte mehr mit Schweinen am Hut und so habe ich mich auf die Aufzucht von weiblichen Muttertieren spezialisiert.“ Die ständige betriebliche Weiterentwicklung, so hofft der Landwirt, sichere die Zukunft des Betriebes.

Zupackender Typ

Was Eilt-Onno anpackt, das macht er richtig. Und das wissen die Leute hier. Nicht umsonst ist er also seit 1992 im Deichband, in dem auch schon sein Vater über 30 Jahre lang tätig war. Seit sechs Jahren ist Eilt-Onno nun Verbandsvorsteher, besser bekannt unter dem Begriff Deichgraf. Und das ist ein sehr verantwortungsvolles Ehrenamt: „Unsere Aufgabe besteht darin, aufzupassen, dass die Deiche schön in Schuss bleiben und wir die nötigen Maßnahmen zur Erhaltung einleiten. Das ist nur in einem großen Team möglich. Wir haben Ingenieure, die uns unterstützen und viele Ehrenamtliche, wie die Deichgeschworenen, die vor Ort aufpassen und uns über anstehende Probleme informieren.“

Für die Menschen im Wangerland sind die Deiche existenziell und Eilt-Onno fasst es nochmal zusammen: „Man stelle sich vor, wir hätten keinen Deich. Mit jedem Hochwasser, das hier durch Wechsel von Ebbe und Flut zweimal täglich aufläuft, ständen immer große Teile des Jeverlandes unter Wasser. Viele Touristen fragen sich, wenn sie auf dem Deich bei Ebbe ins Vorland blicken, wovor die Menschen hier Angst haben – ist doch gar kein Wasser da! Aber sieht man bei einer Sturmflut die Gischt, wie sie kurz vor den Deich schlägt, dann weiß man schon, wozu der Deich da ist.“

Allerdings. Dieser fast 60 Kilometer lange Deich, der von Harlesiel bis Dangast verläuft, schützt immerhin 180 000 Menschen und ein Gebiet von etwa 50 000 Hektar.

Wie ein TÜV-Stempel

Dass die Unterhaltung der sogenannten 60 Kilometer Hauptdeichlinie viel Arbeit bedeutet, ist uns klar. „Zweimal im Jahr halten wir die Deichschauen: Im Frühjahr werden eventuell entstandene Schäden protokolliert, die seit der letzten Deichschau entstanden sind. Diese werden in der Zeit von April bis Ende September behoben. Der Landkreis, als unsere Aufsichtsbehörde, lädt alljährlich zur Herbstdeichschau im Oktober ein. Dort wird kontrolliert, ob die Deiche sturmflutsicher sind. Der Vertreter der Aufsichtsbehörde erklärt die Deiche an diesem Termin im Regelfall für schaufrei. Diese Aussage ist für uns wie ein TÜV-Stempel“.

Eilt-Onno hat mehrere Mitstreiter, die ihm bei dieser überlebenswichtigen Aufgabe helfen: in der Geschäftsstelle des Deichbands unterstützen ihn acht Mitarbeiter, dann gibt es noch drei der erwähnten Deich-Geschworenen, die jeweils für einen bestimmten Deichabschnitt zuständig sind. Aber die wichtigsten Helfer, das sind die 12 000 Schafe, die auf den Deichen weiden und für eine stabile Grasnarbe sorgen, die wiederum für die Deichsicherheit von immenser Bedeutung ist. Diese Mitarbeiter gilt es zu schützen und zwar vor den Hunden.

Eilt-Onnos Stirn legt sich in Falten, als er davon erzählt: „Ein großes Problem sind die freilaufenden Hunde, die haben am Deich nichts zu suchen, wenn dort Schafe weiden.“ Der Urtrieb des Hundes lässt ihn Schafe jagen. Die Folgen können für diese fatal sein. „Die Herde ist dann total durch den Wind, total durchgeknallt.“ Auch noch Tage später ist ein Verwerfen der Lämmer nicht auszuschließen.

Dass die Deiche im Wangerland betreten werden dürfen, die ja ein Küstenschutzobjekt sind, ist nicht selbstverständlich.: „Wir halten in jedem Frühjahr eine Deichkonferenz mit allen Verbänden von der niedersächsischen Küste ab. Dort erwecken wir immer wieder großes Erstaunen darüber, dass wir die Deichwege für die Allgemeinheit öffnen“, erzählt der Deichgraf. „Das machen wir gern. Wir sehen das als Öffentlichkeitsarbeit an.“ Aus diesem Grund will der Deichband auf der großen Aussichtsplattform im Baustellencamp in Elisabethgroden und an den Querzäunen Info-Tafeln anbringen. „Die Besucher unserer Deiche sollten darauf achten, wo sie sich befinden und Rücksicht auf unsere vierbeinigen Mitarbeiter, die Schafe, nehmen. Ansonsten haben wir kein Problem damit, wenn die Leute auf unseren Deichwegen laufen und sich an der schönen Natur erfreuen.“

Zu 100 Prozent dabei

Wenn er so redet, dann merkt man, wie wichtig Eilt-Onno sein Ehrenamt ist, und dass er zu 100 Prozent dabei ist. „Küstenschutz ist ein wichtiges Thema, das wir beachten müssen und es macht Spaß, sich dafür einzusetzen.“

Solange Eilt-Onno an Bord ist, haben wir daran keinen Zweifel. Weil er mit jener Leidenschaft agiert, die für die Menschen im Wangerland typisch ist, da sie sich mit ihrem Land verbunden fühlen. Und das gilt eben auch für den Deichgrafen: „Ich stehe oben auf dem Deich und genieße das schöne Vorland. Ich schaue zu den Inseln und sehe, wie das Wasser kommt und geht, und wie wir geschützt da liegen, weil unsere Deiche nicht mehr so schnell brechen. Das gibt einem ein wirklich gutes Gefühl, weil man hier sehr gut wohnen kann.“

Besser hätte man es nicht sagen können.

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