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12.12.2017

Klattenhof Hartmut Menkens zieht sich blaue Plastikhauben über die Schuhe und schiebt das Gitter zur Weide zur Seite. „Das hat hygienische Gründe“, erklärt er. Sowohl Mitarbeiter als auch Besucher müssen diese Hauben überziehen. „Man weiß ja nie, wo die Person vorher gewesen ist.“ Die Weide, die vom Regen der vergangenen Tage noch etwas durchweicht ist, ist gut einen halben Hektar groß. Als der 69-Jährige ein paar Schritte geht, taucht eine Schar von Gänsen auf. Hier, Im Dorfe 12 in Klattenhof (Gemeinde Dötlingen), züchtet Menkens die Tiere.

„Gänse sind ein reines Weihnachtsgeschäft.“ Das Jahr über verkauft er Speisekartoffeln und bratfertige Flugenten.

Die deutschen Weidegänse, wie sie korrekt heißen, drängen sich dicht aneinander. „Mich kennen sie ja“, sagt Menkens. Aber die NWZ-Redakteurin, die gerade die Kamera zückt, ist ihnen fremd. Gänse sind Fluchttiere, erklärt der gelernte Landwirt. „Sie bleiben immer zusammen. Es gibt immer einen Herdenführer. Wenn der schreit, kommen alle zusammen.“ Auf dem Hof von Menkens gibt es gleich zwei Herdenführer. Aufgeregt laufen die Gänse vor der Kameralinse weg, zu keiner Sekunde verlässt ein Tier die traubenförmige Formation.

Besser als Wachhund

Dass Gänse auf Fremde sofort reagieren, hat auch seine Vorteile, sagt der Züchter: „So eine Gans ist besser als jeder Wachhund. Wenn jemand kommt, der nicht hierher gehört, dann schreit sie sofort los.“ Der Ausruf „dumme Gans“ sei vollkommen falsch, sagt Menkens. „Die Tiere sind sehr intelligent.“ Nach einem Tag würde sich eine Gans die Stimme einer bestimmten Person merken. „Die Gänse hier suchen eine Bezugsperson. Sie haben ja keine Elterntiere.“

Im Juli kommen sie als Eintagsküken auf den Hof, erzählt der Landwirt, „sie wurden in Deutschland ausgebrütet.“ Am Anfang muss besonders Acht auf die jungen Tiere gegeben werden: „In den ersten Wochen dürfen sie nicht zu viel Wasser abbekommen, sonst unterkühlen sie.“ Die Drüse, in der ein wasserabweisendes Sekret für die Federn entsteht, ist bei den Küken noch nicht ausgebildet.

Seit 1988 hielt Familie Menkens zunächst Mastgänse im großen Stil. Über die Jahre entschied sie sich Schritt für Schritt, in eine kleinere Langzeitmast überzugehen. In den rund 22 bis 24 Wochen, die die Tiere auf dem Hof sind, fressen sie ohne Zwang. „Gras, Abfall von den Kartoffeln, Hafer, Weizen, Kraftfutter“, zählt Menkens auf. „Ab und zu bekommen sie einen Maiskolben, damit sie was zu tun haben.“ Die Gänse werden nicht gestopft, also nicht zwangsernährt. „Deshalb haben unsere Tiere natürlich nicht so eine große Leber.“

Das Federvieh ist den ganzen Tag draußen auf der Weide, im Sommer geht es ab und zu auch mal ins Maisfeld. „Abends kommen sie zurück in den Stall.“ Kleine Lampen leuchten den Gänsen den Weg. Das sorgt nicht nur dafür, dass die Gänse, sondern auch der Landwirt ruhig schlafen kann. Noch vor mehreren Jahren, als Menkens Gänsemast im großen Stil betrieben hatte und die Tiere nachts draußen blieben, musste er mit dem Fuchs rechnen, erinnert er sich. Die Gänse hätten sich immer miteinander unterhalten – nur, wenn es still wurde, wusste er, dass etwas nicht stimmte. Dann sei es schon mal vorgekommen, dass er nachts raus musste, um den Fuchs zu schießen.

Etwas besorgt ist der 69-Jährige deshalb wegen der Wölfe, die Gänse reißen könnten. „Aber bisher ist nichts passiert.“

Kurz vor dem 24. Dezember bringt der Züchter mit seiner Familie die Gänse zu einer Schlachterei, gut 45 Minuten Autofahrt von Klattenhof entfernt. Für Menkens sehr wichtig: „Die Schlachterei hat EU-Status“, der Betrieb wird also kontrolliert und hält sich an bestimmte Richtlinien.

Die Familie Menkens benutzt zum Transport ein eigenes Fahrzeug. „Wir scheuchen die Tiere aber nicht, sondern machen es schön langsam.“ Dass er dabei auch mal gebissen werde, komme vor. „Gänse knabbern an allem herum. Sie haben im Oberkiefer Zähne wie eine kleine Säge.“ Nachdem die Tiere geschlachtet worden sind, holen die Menkens’ sie mit einem Kühltransporter wieder ab. Im Dorfe 12 in Klattenhof werden die Gänse weiter gekühlt. Entweder werden sie anschließend ausgeliefert oder von den Kunden abgeholt.

Der Landwirt versucht, so viel wie möglich von den Tieren zu verwerten. So lässt er sich das Endstück des Flügels, das beim Schlachten immer übrig bleibt, mit nach Hause geben. „Das geht dann an die Imker. Sie machen damit die Waben sauber. Früher hat man die Federn benutzt, um damit den Ofen zu reinigen.“

Menkens hat seinen festen Kundenkreis, unter anderem in Wildeshausen, Bremen und Stadt Oldenburg. Sich durch steigende Kundenzahlen noch mehr Gänse zuzulegen, komme für ihn aber nicht infrage. „An Heiligabend kommt die Kühltruhe aus“, frei nach dem Motto: Lieber weniger Gänse halten und dafür gute Qualität liefern. Das sei auch dem Kunden wichtig. „Einige von ihnen wollen wissen, wo die Tiere herkommen.“ Dann käme es schon mal vor, dass sie zum Hof fahren, um sich selbst von der Haltung ein Bild zu machen.

Anrufe an Heiligabend

Ob sich Menkens für das Weihnachtsfest selbst ein paar Gänse sichert? Er lächelt. „Ich lege welche beiseite – aber nicht für mich.“ Diese Gänse sind für kurzfristige Bestellungen gedacht. Vor zehn oder 15 Jahren habe das angefangen. Da hätten ab und zu Kunden angerufen, teilweise kurz vor oder an Heiligabend. „Am 24. Dezember klingelte dann schonmal um 12 Uhr das Telefon: ,Hast Du mir eine Gans beiseitegelegt?’ Hast Du denn eine bestellt? ,Ne, das habe ich nicht gemacht’.“ Deshalb lege er nach wie vor ein paar Gänse für solche Fälle beiseite.

Der Landwirt verlässt die Weide, um die Gänse in Ruhe weiterfressen zu lassen. In ein paar Stunden geht es für sie zurück in den Stall. Der Landwirt streift die Plastikhauben von den robusten Schuhen. Eine Gans behalte er immer für sich und seine Familie, ergänzt er. „Am ersten Weihnachtstag wird sie gegessen. Zu Weihnachten gehört Geflügel eben dazu.“

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