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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Senioren: Kleine Kniffe mit großem Nutzen

08.01.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T09:24:40Z 280 158

Senioren:
Kleine Kniffe mit großem Nutzen

Oldenburg/Braunschweig Moderne Technik macht es möglich: Viele ältere oder kranke Menschen wollen möglichst lange sicher und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Elektronische Assistenzsysteme helfen dabei – wie in einer Modellwohnung am Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik (Offis), wo solche technischen Hilfen gezeigt werden.

Jochen Meyer, bei Offis zuständig für den Bereich Gesundheit, öffnet im Institut am Escherweg die Tür zu der knapp 50 Quadratmeter großen Wohnung, die mit allerhand technischen Raffinessen ausgestattet ist. Ein zentrales Element in dem „Labor“, wie der Diplom-Informatiker die Wohnung nennt, ist die so genannte „Aktivitätserkennung“. Mikros, Kameras, druckempfindliche Teppiche – all das gibt es bereits, um täglich sicherzustellen, dass Leben in der Wohnung herrscht. Der Nachteil ist allerdings, dass die Bewohner sich durch Kameras und Mikros oftmals beobachtet fühlen.

Frühwarnsysteme

Da setzt das „Monitoring-System“ von Offis an. Schaltet die Seniorin den Toaster an oder benutzt sie den Wasserkocher, wird das vom Computersystem erkannt und registriert. „Über solche Langzeitaufzeichnungen können Veränderungen im Alltag sehr gut festgestellt werden. Wird das Frühstück etwa zweimal zubereitet, gar nicht mehr oder irgendwann immer deutlich später als üblich, kann das ein Alarmsignal sein“, erläutert Meyer und fügt hinzu: „Unser Ziel ist es, es den immer älter werdenden Menschen zu ermöglichen, solange wie möglich in ihrem häuslichen Umfeld wohnen zu können. Außerdem ist es unser Anspruch, Frühwarnsysteme zu entwickeln, die Auskunft über Veränderungen im Alltag der Senioren geben und von denen die Bewohner möglichst wenig mitbekommen.“

Zu solchen Frühwarnsystemen zählen auch kaum erkennbare Lichtschranken, über die ständig erfasst wird, wie oft und vor allem in welchem Tempo sie durchschritten werden. „Dauert das plötzlich sehr viel länger als sonst, könnte das ein Indiz für Gebrechlichkeit sein“, erläutert Informatiker Meyer den Hintergrund des Systems. Über mögliche Unregelmäßigkeiten im Alltag klärt auch das System „Ambi Act“ auf.

Wohnungen von Senioren sind oft mit einem Hausnotruf verbunden. Einmal am Tag geben sie per Tastendruck ein Zeichen, dass alles okay ist. Bleibt das Signal aus, überprüft der Hausnotrufdienst, ob ein Zwischenfall vorliegt; nicht selten fährt ein Mitarbeiter zur Wohnung. „Und das kostest schnell um die 60 Euro und ist ärgerlich, wenn der Bewohner lediglich vergessen hat, die Okay-Taste zu drücken. Außerdem wollen viele Senioren nicht täglich daran erinnert werden, wie alt sie sind“, weiß Meyer.

Funk an Notrufzentrale

Er und sein Team haben mit „Ambi Act“ ein Gerät entwickelt, das zwischen Steckdose und Elektrogeräte geschaltet wird. Wasserkocher, Kaffeemaschine, Toaster, Stehlampen und ähnliches sind geeignet – Hauptsache, es wird am Tag mindestens einmal ein- und ausgeschaltet. Wird Kaffee gekocht, der Staubsauger oder das Fernsehgerät benutzt, funkt das Gerät an die Hausnotrufzentrale – als Zeichen dafür, dass Leben in der Wohnung herrscht.

Auch für sterbenskranke Menschen hat Offis ein ausgeklügeltes System entwickelt, das über den Fernseher zu bedienen ist und die tägliche Verfassung abfragt. „Bahnt sich etwa bei einem Lungenkrebspatienten durch eine Verschließung der Atemwege eine Krise an, so ist diese durch die tägliche Dokumentation des Gesundheitszustandes schon weit im Vorfeld erkennbar“, erklärt Meyer das System, während das Fenster hinter dem 45-Jährigen über einen kleinen Motor plötzlich automatisch in Kippstellung gebracht wird.

Auch Technik, die den Alltag erleichtert, findet sich in der Musterwohnung. Zu den „Helfern im Alltag“ gehört auch ein Brandschutzsystem, das im Falle des Falles auch Alarm in der Nachbarwohnung auslöst und laut Meyer derzeit in Bremen getestet wird. Und an der Haustür gibt’s einen „Alles-Aus-Knopf“, nach dessen Betätigung eine Stimme sagt: „Auf Wiedersehen. Alle Fenster sind geschlossen, alle Geräte sind aus. Ich wünsche einen angenehmen Tag.“

„Elektronische Assistenzsysteme werden in unserer alternden Gesellschaft immer wichtiger“, sagt Projektleiterin Ann-Kathrin Lumpe vom Braunschweiger Informatik- und Technologiezentrum, das der Technischen Universität angegliedert ist und eng mit dem Oldenburger Offis-Institut zusammenarbeitet. Auch in Braunschweig gibt es eine Zwei-Zimmer-Modellwohnung.

Alles höhenverstellbar

Sie ist barrierefrei und bietet viel Komfort: von höhenverstellbaren Küchenschränken, Regalen oder Waschbecken über Aufsteh-Hilfen im Sessel bis zum Dusch-WC im Bad. Vor allem aber gibt es intelligente und vernetzte Elektronik. Mit einer Fernbedienung können nicht nur elektrische Geräte wie Fernseher oder Küchenherd bedient werden, sondern auch Fenster, Türen oder Jalousien.

Ein Sensor, den man am Körper trägt, reagiert bei einem Sturz und alarmiert festlegte Bezugspersonen. Bewegungsmelder registrieren, wenn man nachts aus dem Bett aufsteht und zur Toilette will – und stellen automatisch die Beleuchtung auf dem Weg dorthin an.

„Diese intelligente Wohnung ist auch für junge Menschen interessant, weil sie mehr Komfort und Sicherheit bietet“, findet Lumpe. In Braunschweig seien für 2014 zwei weitere Forschungswohnungen geplant, in denen Technologien weiterentwickelt werden sollen.

Prototyp künstlicher Niere

Auch in Oldenburg steht die Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich freilich nicht still. Vor der Tür der Senioren-Musterwohnung hängt an einer Kunststoff-Person ein Gerät namens „Nephron plus“ – ein „früher Prototyp einer künstlichen Niere“, wie Bereichsleiter Jochen Meyer erläutert. Statt zweimal die Woche zur Dialyse ins Krankenhaus zu müssen, können die Menschen dieses Gerät tragen, das eine ständige und schonendere Blutwäsche vornimmt“, erläutert Meyer die Vorzüge der Entwicklung. Das verschaffe den Patienten mehr Beweglichkeit und Flexibilität im Alltag. Serienreif sei „Nephron plus“ zwar noch nicht, aber immerhin an einer Ziege erfolgreich erprobt.


Mehr Infos unter   www.offis.de 
  www.ideaal.de