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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Letzte Transrapid-Fahrt dürfte wackelig werden

13.09.2017

Lathen /Nortrup Der letzte in Deutschland gebaute Transrapid verlässt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag das Testgelände im Emsland. Ein Nachfahr des Erfinders Hermann Kemper, der schon 1934 ein Patent einer ähnlichen „Schwebebahn mit räderlosen Fahrwerken“ angemeldet hatte, hat den Magnetzug gekauft.

Am Mittwochabend um 22 Uhr soll der Schwertransport starten. „Morgens um 4 Uhr wollen wir am Ziel sein“, betont Marcus Laga, Vertriebsleiter der Firma Ulferts-Schwertransporte, im Gespräch mit der NWZ. Im Emsland laufen derweil die letzten Vorbereitungen für den Abtransport des Transrapid 09 von Lathen ins rund 60 Kilometer entfernte Nortrup im Kreis Osnabrück.

Der Magnetzug der letzten Baureihe wurde 2016 vom Urenkel des Transrapid-Erfinders Hermann Kemper, Wolfgang Kühnl, für 200 001 Euro ersteigert. Der Fleischwarenfabrikant will den rot-weißen Zug, der noch gut in Schuss ist, auf das Gelände seiner Fabrik in Nortrup stellen und dort unter anderem als Museums- und Konferenzfläche nutzen (siehe Interview).

Schwerer Unfall mit 23 Toten auf Teststrecke im Emsland

Ein Magnetschwebezug wie der Transrapid hat weder Räder noch Achsen noch Oberleitungen. Er schwebt dank Magnetfeldern, die ihn in der Spur führen, antreiben und bremsen.

Die Geschichte des Transrapids begann 1922, als der Ingenieur Hermann Kemper sich mit den Möglichkeiten der Schwebetechnik beschäftigte. 1934 meldete er ein Patent an. 1978 wurde das Konsortium „Magnetbahn Transrapid“ gegründet, das den Zug entwickelte.

Im Emsland wurde eine Teststrecke gebaut, auf der der Zug mit einer maximalen Geschwindigkeit von 500 Kilometern pro Stunde fuhr. Der zuletzt erprobte und 2016 von Kempers Urenkel Wolfgang Kühnl ersteigerte Zug war ein Prototyp für eine Verbindung, die in München zwischen Hauptbahnhof und Flughafen geplant war, aber nie gebaut wurde. Der Zug wurde fahrerlos vollautomatisch betrieben.

Im Jahr 2006 kam es auf der Versuchsstrecke im Emsland zu einem schweren Unfall, 23 Menschen starben. Die Teststrecke wurde einige Jahre später stillgelegt. Alle Anläufe, den Transrapid in Deutschland zu etablieren, scheiterten an den hohen Kosten. In China fährt seit 2003 auf einer rund 30 Kilometer langen Strecke ein Transrapid.

Ursprünglich war das Modell einmal für den Betrieb am Flughafen München gedacht. In Deutschland wurde der Transrapid nie im regulären Verkehr gefahren, stets nur auf Teststrecken. Pläne etwa für eine Verbindung zwischen Hamburg und Berlin scheiterten. In Lathen verunglückte im Jahr 2006 ein Prototyp – 23 Menschen starben. In Shanghai (China) fahren solche Züge seit 2002 auf einer Strecke von 30 Kilometern. Dort stellte der Transrapid auch einen Geschwindigkeitsrekord von 501 Stundenkilometern auf. Allerdings wurden auch in China frühere Ausbaupläne nicht weiter verfolgt.

Zwei der drei Transrapid-Sektionen wurden bereits auf Tieflader gehievt. Der dritte Teil soll am Tag des Abtransports verladen werden. „Das ist Millimeterarbeit“, sagt Marcus Laga von der Firma Ulferts mit Hauptsitz in Neermoor (Gemeinde Moormerland in Ostfriesland).

Die Firma hatte von insgesamt sechs Bewerbern den Zuschlag für Verladung und Transport des letzten in Deutschland gebauten Magnetzuges bekommen. „Nicht, weil wir das günstigste Angebot gemacht haben, sondern das beste Konzept hatten“, sagt Laga. Etwas heikel sei, dass die Sektionen auf Luftpolstern aufliegen. Der Transport dürfte damit eine ziemlich wackelige Angelegenheit werden.

Über die A 31 geht es zunächst in Richtung Lingen, wo der Transport gegen Mitternacht eintreffen soll. „Danach geht es weiter über die Dörfer in Richtung Notrup“, sagt Laga. Der Zeitplan sei eng. Bis Donnerstag, 6 Uhr, müsse der Transport die Straßen verlassen haben.

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