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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Dümmer soll internationale Urlaubsregion werden

03.01.2019

Lembruch Ein Wintertag am Dümmer. Vögel ziehen über die stille Wasserfläche. Arbeiter wuseln eifrig über eine Großbaustelle. An der Ostseite des Sees entsteht auf einem früheren Campingplatz ein neues Feriendorf. Erik Winther steht im Dach-Appartement eines vierstöckigen Hauses. „Von hier oben haben Sie immer einen Blick auf den See“, sagt der dänische Bauunternehmer und geschäftsführende Gesellschafter der „Wald & Welle GmbH“.

Zusammen mit seinem Geschäftspartner Ulrik Lundsfryd baut er auf 18 Hektar den „Marissa-Ferienpark“ mit 476 Ferienimmobilien: Einzelferienhäuser in drei Größen und Appartementhäuser, dazu Beachclub, Wellness, Spa, Pool, Gastronomie. 120 Millionen Euro investieren die dänischen Geschäftsleute. Die ersten Gäste sollen in diesem Sommer kommen, die Fertigstellung ist zwei Jahre darauf geplant.

Standort „genau richtig“

Der Dümmer ist der zweitgrößte Binnensee Niedersachsens. Die Gegend ist ein bedeutendes Vogelschutzgebiet. Der Dümmer ist aber auch ein Naherholungsgebiet: Die Osnabrücker fahren gerne am Wochenende raus ans Wasser, ebenso die Menschen aus den Landkreisen Diepholz, Vechta und den NRW-Nachbarkommunen Stemwede und Rahden. An diese Gäste haben Winther, Lundsfryd und ihr Vermarktungspartner Novasol allerdings nicht gedacht, als sie den Dümmer für sich entdeckten.

„Der Dümmer hat eine herausragende Bedeutung für uns“, sagt Thomas Heinrichs, Projektleiter beim Ferienhaus-Marktführer Novasol. Angepeilt sind Gäste aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet ebenso wie aus Norddeutschland, und darüber hinaus. „Wir vermarkten auch im benachbarten Ausland und gehen davon aus, dass auch der skandinavische Markt sehr positiv reagieren wird, wie auch der niederländische.“ Dafür liege der Standort „genau richtig“.

„Genau richtig“ heißt: Auf halbem Weg zwischen dem Ballungsraum an Rhein und Ruhr und den Nordseeinseln, nah an der A 1 und auch aus Richtung Hannover und den Niederlanden in ein bis zwei Stunden gut zu erreichen. Gerade für Kurzurlauber sei das ideal, denen die Nordseeinseln zu weit weg seien, sagt „Wald- und Welle“-Verkaufschef Christian Puls.

Derzeit präsentiert das Unternehmen die bereits fertigen Musterimmobilen interessierten Privatpersonen, die die Ferienwohnungen als Kapitalanlage sehen. Zehn Wochen pro Jahr können diese die Häuser oder Wohnungen selber nutzen; die restliche Zeit sollen die Objekte von Novasol vermarktet werden. 3000 Betten soll der Marissa-Ferienpark nach Fertigstellung haben und 500 000 Übernachtungen jährlich.

Aus Sicht der regionalen Wirtschaftsförderung sind die dänischen Investoren ein Glücksgriff. „Das ist eine Chance, die sucht ihresgleichen“, sagt Detlef Tänzer, der beim Kreis Diepholz Fachdienstleister für die Kreisentwicklung und auch Geschäftsführer der Naturpark Dümmer und der Dümmer-Weserland-Touristik ist. Auch das Wirtschaftsministerium in Hannover sieht das derzeit größte Tourismus-Investment in Niedersachsen positiv.

Nabu reagiert ablehnend

Bernd Averbeck, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Dümmer, begegnet dem Vorhaben mit Ablehnung. Die riesige Anlage mit vierstöckigen Gebäuden sehe hässlich aus, sagt der Naturschützer. „Die Landschaft wird völlig entwertet.“ Er ist skeptisch, ob wirklich die Massen an Touristen an den Dümmer kommen, verweist auf gescheiterte touristische Investitionen in der Vergangenheit und auf Leerstände. „Wer sich wirklich für Natur interessiert, will der in ein solches Ghetto ziehen?“, fragt er bewusst provozierend. Auch heute schon gebe es Gäste, die sich nicht verbieten lassen wollten, in die geschützten Brutgebiete zu gehen. Segler und Kite-Surfer würden sich nicht an die Vogelschutzzonen am Gewässerrand halten, fürchtet Averbeck: „Die Vögel sind dann weg.“

„Ich sage erst einmal nicht, das ist eine Gefahr für die Natur, sondern das ist eine Chance für die Region“, sagt hingegen Tänzer. Man müsse sehen, wie viele neue Gäste tatsächlich kämen. „Wenn wir dann in die Verlegenheit kommen, dass wir etwas regeln oder ändern müssen, Besucherlenkung betreiben müssen, dann ist vieles richtig gemacht worden und wir haben ein Luxusproblem.“

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