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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Lob für den Angeklagten

30.06.2016

Bremen /Oldenburger Land Nach einigen Stunden Vernehmung platzte dem Zeugen der Kragen. „Stellen Sie mir nicht so unqualifizierte Fragen“, herrschte er die Staatsanwältin an und nachdem er von der Richterin zur Mäßigung aufgefordert worden war, fügte er hinzu: „Gut, das nehme ich zurück, aber ich meine es trotzdem so.“

Heino Winter (68), Chef einer familiengeführten Hamburger Traditionsreederei, fühlte sich im Zeugenstand nicht sonderlich wohl. Im Prozess um den Zusammenbruch der Bremer Beluga-Reederei sollte Winter am Mittwoch zu einem Betrugsvorwurf der Anklage gegen Niels Stolberg in einem besonders schweren Fall aussagen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Beluga-Chef Niels Stolberg (Oldenburg) und einem weiteren mitangeklagten Beluga-Manager vor, sie hätten die Reederei Winter um insgesamt 10 Millionen US-Dollar betrogen. Dabei geht es um den Verkauf von vier noch in Bau befindlichen Beluga-Schiffen, bei denen jeweils im Kaufpreis eine versteckte Provisionszahlung der chinesischen Werft an Stolberg von 2,5 Millionen Dollar enthalten gewesen sei. Das sei ihm egal gewesen, erläuterte Winter. Der Kaufpreis sei in Ordnung gewesen, weil gleichzeitig ein „auskömmlicher Charter-Vertrag“ abgeschlossen worden sei.

Wenn die festgelegten Charterraten angemessen seien, wäre es schließlich egal, ob ein Schiff 30 oder 50 Millionen Dollar koste. Die Finanzierung sei damals im Jahr 2007 überhaupt kein Problem gewesen, „weil die Banken einem ja mit dem Geld hinterhergelaufen“ seien.

Auf Stolberg mochte Winter nichts kommen lassen. Das sei ein sehr guter und verlässlicher Geschäftspartner gewesen: „Der war mutig, ging neue Wege und auf seine Zusage und Handschlag konnte man sich verlassen.“

Als Niels Stolberg ihm 2007 in Bremen das Angebot zur Übernahme von vier Schiffen gemacht habe, sei er sehr erfreut gewesen, weil von Anfang an klar gewesen sei, dass Beluga die Schiffe anschließend zu entsprechenden Konditionen pachten würde.

Zunehmend verärgert („Bin ich jetzt hier angeklagt oder was?“) reagierte Winter auf wiederholte Fragen der Anklage, warum ihm der Kaufpreis denn so egal gewesen sei. Voller Unverständnis kritisierte er auch nach seiner Zeugenaussage vor dem Bremer Landgericht gegenüber der NWZ  die Anklage: „Ich kann nicht verstehen, wieso es zu einem Betrugsvorwurf gekommen ist. Wir haben keinerlei Schaden erlitten.“

Das einzige Problem sei gewesen, dass mit der Beluga-Insolvenz im Jahr 2011 der Pächter der Schiffe ausfiel. Das entstandene Charterproblem habe man aber selbst ausgleichen können.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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Beluga | Staatsanwaltschaft | Bremer Landgericht

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