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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Lebensmittel: Hähnchenfilets am laufenden Band

08.12.2017

Lohne Es ist eine lange, hohe Halle, in der die lebenden Tiere den Schlachthof erreichen, eingetaucht in blaues Licht. Ventilatoren sorgen für ein rauschendes Hintergrundgeräusch. „Die Tiere nehmen das Licht anders wahr als wir“, sagt Peter Wesjohann, Vorstandschef der PHW-Gruppe. Auf die Hähnchen wirke die Umgebung beruhigend, sagt der Chef des Unternehmens, das mit einer Marke wie Wiesenhof größter Geflügelfleischproduzent Deutschlands ist.

Im März vergangenen Jahres vernichtete hier ein Feuer große Teile des alten Geflügelschlachthofes. Jetzt läuft der Testbetrieb in der für 140 Millionen Euro neu gebauten Schlachtfabrik – im Januar soll wieder regulär geschlachtet werden.

Vor dem Brand hatte der Schlachthof der PHW-Tochter Oldenburgische Geflügelspezialitäten eine genehmigte Kapazität von 432 000 Schlachtungen – pro Tag. Tatsächlich seien 370 000 Tiere am Tag geschlachtet worden, sagt Wesjohann. Wenn die Schlachtfabrik in einigen Wochen wieder den Betrieb mit zunächst nur einer Schlachtlinie anfährt, sei das anvisierte Ziel bis zu 250 000 Tiere pro Tag, also rund ein Drittel weniger. Die Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamts in Oldenburg lässt derzeit noch etwas Luft nach oben, aber nicht viel. Langfristig ist laut Wesjohann die Aufnahme einer zweiten Schlachtlinie geplant.

Der Schlachthof in Lohne gehöre zu den größten seiner Art in Deutschland, sagt der Geflügelwirtschaftsexperte Hans-Wilhelm Windhorst von der Universität Vechta. „Er ist aber nicht der größte“, setzt er hinzu. Konkurrent Rothkötter aus dem emsländischen Meppen betreibe in Meppen und in Wietze zwei Hähnchen-Schlachtereien, die kapazitätsmäßig vor dem Schlachthof in Lohne lägen. Die tatsächlichen Schlachtzahlen lägen jedoch ein wenig im Dunkeln.

Der neue Schlachthof sei derzeit der modernste seiner Art, sagt Wesjohann auf dem Rundgang durch den Betrieb. In riesigen Hallen werden die Hähnchen bei ohrenbetäubendem Lärm geschlachtet, vom Gefieder befreit, ausgenommen und zerlegt. Vieles dürfen Besucher zwar sehen, aber nicht fotografieren. Die Anlagen zerlegen die Tiere, schneiden Füße, Flügel und Beine ab. Keine Bilder, die Lebensmittelhersteller gern in der Öffentlichkeit zeigen.

Röntgengeräte checken, ob noch Knochenreste in den Filetstücken sind und sortieren sie im Fall der Fälle aus. Die Mitarbeiter – die meisten sind Frauen – sind für die Feinarbeiten zuständig: Sie legen die Fleischstücke schöner in die Plastikschälchen, schneiden überschüssiges Fett ab oder entfernen die Knochenreste. All das bei einer Temperatur von um die fünf Grad Celsius.

Roboter verteilen, verpacken, wiegen die Ware, verschweißen die Verkaufspackungen und fotografieren sie sogar. Über die gesamte Produktionskette hinweg sei die Zuordnung des Fleischstücks zur Herkunftsfarm gegeben, sagt Wesjohann.

Rund 500 festangestellte Mitarbeiter arbeiten wieder auf dem Schlachthof. Vor dem Brand hatte das Unternehmen 750 eigene Mitarbeiter und etwa 350 bis 400 Beschäftigte bei Werkvertragsunternehmen. Einer Vereinbarung zufolge liegt das Verhältnis zwischen eigenen Mitarbeitern und Werkvertragsbeschäftigten bei 60 zu 40.

Aus Sicht der Beschäftigten und der Gewerkschaft NGG sind das alles gute Nachrichten aus Lohne. Viele alte Mitarbeiter seien wieder dabei, sagt der Regional-Gewerkschaftschef Matthias Brümmer. „Deshalb begrüßen wir es, dass es im Januar wieder voll mit der Schlachtung losgeht.“ Der Schlachthof sichere Arbeitsplätze. Aus seiner Sicht sei Wiesenhof ein Arbeitgeber, der die Mitbestimmung und den Tarifvertrag achte. Es gebe „einen kurzen Draht“ zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaft.

Aber nicht alle sehen den Wiederaufbau positiv. Wiesenhof habe eine „riesengroße Schippe draufgelegt“, sagt Lutz Neubauer, der für die „Ratsgruppe Lohner - Die Linke“ im Stadtrat sitzt und auch für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Aktivitäten des Geflügelriesen kritisch betrachtet. Eigentlich habe die alte Schlachterei nur wiederaufgebaut werden sollen. Was jetzt daraus entstanden sei, habe gänzlich andere Dimensionen. „Ich rechne damit, dass man über kurz oder lang die Schlachtzahlen wieder erweitern will“, sagt Neubauer.

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Vorher müsste aber noch ein Streit um Wasserrechte ausgefochten werden. Der Fleischkonzern darf nach dem jüngsten Urteil nicht wie geplant jährlich 800 000 Kubikmeter Wasser aus der Erde pumpen, sondern muss sich mit 550 000 Kubikmetern begnügen. Um die Menge wird aber nach wie vor gerungen. Die Grundwasser-Entnahme habe gravierende Umweltschäden nach sich gezogen, sagt Neubauer. Der Nabu hatte vor einer Gefährdung zweier Moore in der Nähe gewarnt.

Erst das niedersächsische Oberverwaltungsgericht reduzierte die genehmigte Wassermenge. Neubauer befürchtet aber, dass Wiesenhof mit einem neuen Antrag beim Landkreis erst einmal durchkäme. Doch auch dann werde es wieder Gegenwind von den Umweltschützern geben.

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