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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Drohne als Rehkitz-Retter unterwegs

05.08.2014

Großenkneten /Vechta Die acht kleinen Propeller drehen sich schnell, dann hebt die schwarze Drohne mit einem leisen Sirren von der Wiese in Haschenbrok ab. Einen Moment verharrt der „Oktokopter“ über den Köpfen der Zuschauer, bevor er in Richtung Getreidefeld davonsaust.

Pascal Janßen und Henning Rohoff lassen das Fluggerät nicht aus den Augen. Janßen bewegt die Hebel der Fernsteuerung mit Fingerspitzengefühl, lenkt die Drohne sicher über das Grünland an den Ackerrand. Rohoff erklärt den umstehenden Landwirten und Jägern den Einsatz. Im Hintergrund rauschen Lastwagen auf der A 29 vorbei.

Hoch in der Luft sucht die Wärmebildkamera der Drohne die Wiese ab. Radius: knapp ein Kilometer. Einer der Landwirte zeigt aufgeregt auf den Bildschirm, den Janßen und Rohoff überwachen. Zwischen verwaschenen Farbtönen des Bodens wird ein roter Fleck sichtbar. Vielleicht der Hase, der vorhin vorbeigehoppelt ist? Bleibt unklar. Die Drohne fliegt weiter zur Triticale, einer Kreuzung aus Roggen und Weizen.

Unbemannt

Drohnen sind unbemanntes Luftfahrzeuge, die ohne Besatzung betrieben und navigiert werden. Sie können autark durch einen Computer oder vom Boden über Fernsteuerung geflogen werden.

Die Abmessungen reichen von wenigen Zentimetern (Mikrodrohne) bis zur Größe eines Verkehrsflugzeuges mit etwa 60 m Spannweite.

Ein Lieferwagen hält am Wegrand. „Ist das die NSA?“, fragt der Fahrer lachend. Allgemeine Erheiterung. Drohnen haben einen schlechten Ruf, die weniger üblen spionieren, die üblen schießen. Die selbstgebaute Drohne der beiden Studenten aus Lingen ist dafür nicht gedacht.

Rohoff und Janßen wollen Tiere im Feld aufspüren, vor allem Rehkitze vor dem Mähdrescher retten. „Das ist die beste Methode, um den Mähtod zu verhindern“, schwärmt Rohoff, der in Vechta Geografie studiert, den Besuchern vor. Die Idee ist ganz einfach: Die Drohne fliegt, sucht, findet, Bauer oder Jäger bringen das Rehkitz in Sicherheit.

In der Praxis ist die Sache komplizierter. Einer muss fliegen, einer überwachen, einer suchen. „Wenn wir ein Wärmesignatur haben, läuft der mit der Brille ins Feld“, erklärt der 30-jährige Rohoff. Die Spezialbrille ist mit der Technik am Leitstand verbunden. „Der am Laptop steht, kann dann dirigieren: weiter rechts, weiter links, es bewegt sich“. Immerhin einem Rehkitz haben die beiden so schon das Leben gerettet und dem Landwirt zumindest ein schlechtes Gewissen erspart.

Vor einem Jahr starten die Studenten ihr ehrenamtliches Projekt, zunächst im Emsland: Drohne bauen, Kontakte knüpfen, Genehmigungen einholen. Das Fluggerät darf nur fünf Kilo wiegen, 100 Meter hoch fliegen, muss Sicherheitsabstände einhalten. „Das mussten wir auch lernen“, bekennt Rohoff. Er hat Verständnis für strenge Flugregeln. Mit einer Drohne könne man viel Unfug treiben.

In der Folge präsentieren die beiden ihr Fluggerät im Oldenburger Land, erst in Jever, an diesem Tag in Großenkneten. Geld wollen Rohoff und Janßen damit nicht verdienen, alle Einnahmen würden sofort in neue Technik investiert, sagen sie. Eine Kamera etwa, damit niemand mehr wegen eines Maulwurfshügels ins Feld rennen muss.

Im Emsland geben Landesjägerschaft und Landwirtschaftskammer finanzielle Starthilfe. Rohoff und Janßen beziffern den Wert der Technik auf bis zu 30.000 Euro. Die Wärmebildkamera für satte 9000 Euro hat ein Unternehmer aus Lingen spendiert. Dafür fliegen die Jungs Photovoltaik-Anlagen ab, um defekte Module zu finden. Eine Hand wäscht die andere.

Doch was treibt die beiden an? „Das ist aus einem Hobby heraus entstanden“, erläutert Janßen. Der 20-Jährige, der Elektrotechnik im niederländischen Enschede studiert, ist der Tüftler des Duos. Rohoff und Janßen lernen sich vor vier Jahren beim Fachabitur in Lingen kennen. „Was ist Dein Hobby?“ – „Und was machst Du so?“ Der Jüngere besitzt eine kleine Drohne, der Ältere einen Lenkdrachen. Warum nicht mal den Drachen mit der Drohne filmen? So kommt eins zum anderen.

Warum gerade Rehkitze retten? Tja, wohl eher Zufall. Mit Wildtieren oder Landwirtschaft haben die beiden nicht viel am Hut. „Mein Traum wäre eine Technik zu entwickeln, um das gesamte Plastik aus den Weltmeeren zu fischen“, begeistert sich Rohoff. „Die Motivation ist, dass wir etwas Gutes tun können.“ Und Rehkitze im Mähdrescher sei ja wohl eine grauenvolle Sache.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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