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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Mit Wind und Sonne auf großer Tour

29.07.2016

Elsfleth „Wir haben eine klare Botschaft“, sagt Cornelius Bockermann (57). „Wir wollen auf die Missstände in der Welthandelsflotte hinweisen und zeigen, dass Waren sauber und 100 Prozent emissionsfrei über den Seeweg transportiert werden können.“

Nach rund zweijähriger Umbau- und Vorbereitungsphase ist der Zweimastschoner „Avontuur“ (Abenteuer) von Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) ausgelaufen. Der 44 Meter lange Frachtsegler soll nach dem Willen seines Kapitäns im Seegüterverkehr Maßstäbe setzen. Segeln ließ sich der Schoner allerdings zu Beginn seiner Reise am Donnerstag mangels Wind noch nicht.

An Bord sind neben Bockermann zwei Steuerleute, ein Bootsmann, ein Koch und zehn Freiwillige. Zunächst nimmt die „Avontuur“ Kurs auf die Ostsee und segelt über das Skagerrak und das Kategatt nach Rostock, wo sie am 10. August zur Hanse Sail (11. bis 14. August) festmachen will. Möglicherweise werden auch Flensburg und Kiel angelaufen.

Der 1920 in den Niederlanden gebaute Zweimastschoner verfügt über Solarmodule und kommt auf eine Reisegeschwindigkeit von fünf bis sechs Knoten. Vermutlich noch in diesem Jahr steht eine Fahrt in die Karibik und zurück nach Hamburg an. Die beförderte Fracht: Kaffee.

Die Gesamtkosten von anfänglich 680 000 Euro sind während des Umbaus laut Bockermann auf 1,4 Millionen Euro gestiegen. „Wer das alles bezahlt?“, fragt er und antwortet gleich selbst: „Ich. Weil es notwendig ist.“

160 Freiwillige aus aller Welt beteiligten sich an dem Projekt. Bockermann will mit der „Avontuur“ das Umwelt- und Verbraucherbewusstsein schärfen. Vielen sei nicht bewusst, wo ihre Waren herkämen und warum die Produkte derart billig seien, obwohl sie um den halben Erdkreis transportiert würden. Das liege auch an den miserablen Umwelt- und Arbeitsbedingungen etwa in Asien.

Zudem nutze die konventionelle und ausschließlich auf Profit ausgerichtete Seeschifffahrt den billigsten Treibstoff, der massiv Feinstaub, Schwefel und Schwermetalle freisetze. „Normalerweise würde das Schweröl als Sondermüll entsorgt“, sagt Bockermann. Er ist sicher, dass nicht nur der faire Handel und die biologische Herstellung von Produkten weiter an Bedeutung gewinnen. Auch der saubere Transport werde für Unternehmen immer wichtiger.

„Das Segelschiff hier ist nicht die Lösung, aber es ist die Richtung“, meint Bockermann.

Mit den großen Frachtern kann die „Avontuur“ ohnehin nicht mithalten – soll sie auch gar nicht. „Wir können nicht mehr als 60 oder 70 Tonnen transportieren“, sagt der Kapitän. Einer der acht Frachter der Emma-Maersk-Klasse, die regelmäßig in Bremerhaven festmachen, fasst 11 000 voll beladene Standardcontainer. Umgerechnet transportieren die Schiffe also bis zu 154 000 Tonnen. Und sie zählen längst nicht mehr zu den größten Frachtern. Obwohl die Klasse als sparsam gilt, liegt der Verbrauch bei voller Fahrt bei mehr als 14 000 Litern Schweröl – pro Stunde. Auch die „Avontuur“ verbraucht Diesel: 2000 Liter . In zwei Jahren. Ohne Motor wäre der Segler in jedem Hafen auf Schlepper angewiesen. „Und bevor ich irgendeinen alten Stinker benutze, hab’ ich lieber meine moderne Maschine“, sagt Bockermann.

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