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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schlickproblem: Für eine bessere Wasserqualität der Ems

25.06.2020

Moormerland Der Test zur flexiblen Tidesteuerung am Emssperrwerk Gandersum steht kurz bevor. In der Gemeinde Moormerland (Landkreis Leer) sollen ab Montag acht Wochen lang verschiedene Praktiken ausprobiert werden.

Umweltminister Olaf Lies (SPD) erhofft sich davon Gewissheit, inwiefern das Sperrwerk zur Lösung des Schlickproblems und damit zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen kann. „Wir werden bei den Messungen und Untersuchungen, davon bin ich fest überzeugt, sehen, dass das Sperrwerk ein ganz entscheidender Faktor ist, um die ökologische Situation der Ems deutlich zu verbessern“, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch am Mittwoch am Emssperrwerk. Darum geht es:

Warum wird getestet?

Die Steuerung soll das Schlickproblem dort lösen. Denn mit der Flut strömt mehr Schlick aus der Nordsee in den Fluss hinein als ihn mit der Ebbe verlässt. Mit Hilfe des Sperrwerks sollen die Gezeiten und ihre Auswirkungen auf den Fluss gesteuert werden. „Mit der Reduzierung des Eintrags der Sedimente würde dann auch das Wasser, ich sag es mal vereinfacht, klarer werden“, erklärte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). „Damit würde es natürlich auch wieder ein Lebensraum für die entsprechenden Arten werden.“ Die flexible Tidesteuerung gilt als zentrales Projekt zur Lösung des Schlickproblems im „Masterplan Ems 2050“ .

Was beinhaltet der Masterplan?

Durch ihn soll der jahrzehntelange Konflikt um Schutz oder Ausbau des Flusses entschärft werden. Das Projekt soll bis zum Jahr 2050 dem ökologisch angeschlagenen Fluss helfen und zugleich Arbeitsplätze auf der Meyer Werft in Papenburg und der maritimen Wirtschaft der ganzen Region sichern. Neben einer besseren Wasserqualität sollen flusstypische Lebensräume geschaffen und Flächen für den Wiesenvogelschutz angekauft werden.

      Beteiligt sind Land und Bund, Naturschutzverbände, Landkreise, Emden und die Meyer Werft. Letztere nutzt den Fluss für Überführungen von Kreuzfahrtschiffen zur 40 Kilometer entfernten Nordsee, wofür die Ems immer wieder ausgebaggert und vertieft wird. Aus Sicht von Naturschützern sind ökologische Schäden der Preis dafür – der Verlauf der Gezeiten ist gestört und große Mengen von Schlick werden flussaufwärts gedrückt.

Wie wird der Test zur Tidesteuerung ablaufen?

Der Versuch soll am 29. Juni starten und acht Wochen bis zum 21. August laufen. Die Tore werden etwa zwei Stunden vor Niedrigwasser geschlossen, vier Wochen lang jede Tide, drei Wochen lang jede zweite, um die sogenannte Tideniedrigwasseranhebung zu erproben. „Dadurch wird die Ems nie ganz leer laufen gelassen“, sagt der Sprecher der Geschäftsstelle „Masterplan Ems 2050“ beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, Thorsten Kuchta. Der Flutstrom muss dann den stillstehenden Wasserkörper in Bewegung setzen, verliert an Kraft und transportiert weniger Sedimente – so Ergebnisse der Modellrechnungen. Vorgesehen ist außerdem eine zweite Methode: Beim Einsetzen der Flut werden die Tore teils geschlossen, der Flutstrom großräumig gebremst und der Stromauftransport von Schlick vermindert. Weil dabei starke Kräfte wirken würden, müsste der Grund des Flusses befestigt werden. Die sogenannte „Flutstrombremse“ wird bei diesem Testlauf daher nur kurz in der letzten Versuchswoche getestet.

Wie geht es dann weiter?

Das dem Küstenschutz dienende Sperrwerk müsste umfunktioniert werden. 2022 werde der Planfeststellungsbeschluss erwartet, die Tidesteuerung könnte nach den Baumaßnahmen 2023/24 in Betrieb gehen, schätzen die Behörden. Die Kosten, getragen von Bund und Land, liegen nach Angaben des Umweltministeriums nach derzeitigem Stand bei 46 Millionen Euro. Wie lange es bis zu einer Verbesserung der Wasserqualität dauert, ist laut dem Umweltminister nicht genau zu beziffern. „Wir wollen schon den Erfolg unserer Maßnahmen auch selber noch erleben“, sagt Lies.

Was befürchten Kritiker?

Zum einen, dass die bisherigen Modellrechnungen eine unverlässliche Grundlage sind. „Unsere Fachleute sagen, und da ist einer mit dabei, der das Sperrwerk mitkonzipiert hat, die Schlickdynamik lässt sich nicht berechnen“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet die Ems“, Hajo Rutenberg. Er erwartet, der Testlauf werde zeigen, dass die Maßnahme nichts bringe. „Es bleibt aus meiner Sicht dabei: Wenn nicht weniger gebaggert wird, wird sich der Zustand an der Ems nicht ändern.“ Die Tidensteuerung würde zudem die Schifffahrt beeinträchtigen.

Der Umweltminister erklärt dazu: „Wir werden diese Tests auch machen in Abstimmung mit der Hafen- und Schifffahrtswirtschaft und wir werden uns hinterher auch zusammensetzen und uns sehr genau ansehen, wie die Erreichbarkeit trotzdem gewährleistet war und ob die Zeitpunkte gut gewählt sind.“

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