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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Auf Beutezug Im Nordwesten: Nachts verlässt der hungrige Wolf das Moor

06.02.2015

Vechta /Großenkneten /Drebber Die Dämmerung legt sich langsam über die ausgedehnte Moorlandschaft zwischen Vechta und Diepholz. Links sumpfige Wiesen, rechts knorrige Bäume, dazwischen ein tiefer Graben. Drei Pferde grasen friedlich hinter einer Hecke. Hier in dieser Idylle soll er also hausen, der Wolf, der die Gegend unsicher macht. Oder die Wölfe? Davon sind viele Jäger, Landwirte und Wolfsexperten in der Region überzeugt. Der Würger vom Drebber Moor?

Wolfsberater Marcel Holy hat ihn gesehen. Bei der Suche nach Spuren im Moor. Der Wolf habe sich im Windschatten ausgeruht und sei aufgesprungen, als er ihn bemerkt habe. „Er stand etwa 20 Meter von mir.“

Irgendwann im vergangenen Jahr könnte der Wolf die einsame und weitläufige Moorlandschaft für sich entdeckt haben. Er bleibt unauffällig, bis er Nutztiere in seinen Speiseplan aufnimmt. Am 2. November 2014 werden bei Barnstorf drei Schafe getötet und zwei verletzt. Von da an melden Halter fast wöchentlich neue Risse in der Region: Rüssen, neun Schafe getötet, fünf verletzt. Drebber, zwei Schafe tot, eins verletzt. Alles im Osten der Moorlandschaft, im Kreis Diepholz.

Am 1. Dezember scheint sich der Wolf nach Norden zu wenden. In Goldenstedt im Kreis Vechta werden drei Schafe gerissen. In Großenkneten im Kreis Oldenburg trifft es ein Kalb. Im Dezember und Januar werden Schafsrisse aus Dickel, Dönsel und Dreeke (Kreis Diepholz) sowie aus Telbrake, Hogenbögen und Lahr (Kreis Vechta) gemeldet.

Eindeutige Bissspuren

Ein Wolf, der vom Drebber Moor aus seine Beutezüge startet, sich dafür zeitweise in dichter besiedelte Gebiete vorwagt, es scheint möglich. Wölfe können in einer Nacht bis zu 70 Kilometer laufen. Noch fehlt der Beweis für einen Wolf als Täter, doch die Aufregung bei Tierhaltern wird mit jedem Riss größer.

Schafzüchter aus Weser-Ems brachten am Dienstag ein totes Tier ins Umweltministerium in Hannover. „Das Schaf wurde am Wochenende gerissen, es hat eindeutige Bissspuren, die auf einen Wolf oder ein wolfsähnliches Tier hindeuten“, sagte Schafhalter Sebastian Ostmann aus Vechta­.

Am Mittwoch ein weiterer Vorfall im Kreis Vechta. Tierhalter Martin Gering aus Varenesch findet fünf seiner Schafe ertrunken im Teich. Zwei weitere müssen eingeschläfert werden. Wolfsberater Torsten Schumacher entdeckt Spuren, die auf einen Wolf hindeuten: Fußabdrücke, Kehlbisse.

Video aus Munster: Wolfrudel quert die Straße

Die Schafhalter fordern mehr Wolfsschutz von der rot-grünen Landesregierung und die Ergebnisse der DNA-Proben, die in den vergangenen drei Monaten den Schafskadavern entnommen wurden. Nur bei Nachweis eines Wolfsrisses gibt es finanzielle Entschädigung vom Land.

Die Ergebnisse der Proben liegen noch nicht vor, heißt es beim zuständigen Landesamt NLWKN. „Das sind sehr komplexe Untersuchungen“, erklärt Behördensprecher Achim Stolz. Manche Proben hätten zu wenig DNA-Gehalt, andere seien verunreinigt. Was die Suche nach dem Verursacher erschwert. „Die Proben müssen sehr sorgfältig behandelt werden.“

Die Wolfsbeauftragte des Landes, Britta Habbe, äußert sich zurückhaltend. „Wir haben in der Tat in der Region keinen definitiven Nachweis.“ Man könne zwar den Wolf nicht ausschließen. „Aber wissenschaftlich können wir es noch nicht beweisen“, sagt Habbe.

In den Johannisbeeren

Für Hobby-Schafzüchter Waldemar Leichner, der auf seiner Weide im Drebber Moor zwei tote und ein verletztes Schaf gefunden hat – mit klaffenden Wunden – steht auch ohne Beweis fest: „Das war ein Wolf.“ Die Abdrücke der Zähne seien noch zu sehen gewesen.

Landwirt Christoph Wehenpohl hat den Wolf in Vechta gesehen. Frühmorgens klingelt das Telefon auf dem Bauernhof in Calveslage. Ein Bekannter hat im nahen Holzhausen beim Brötchenholen einen Wolf entdeckt und verfolgt ihn mit dem Auto. Wehenpohl trommelt ein paar Jägerfreunde zusammen. Sie stehen im Garten, als das Tier sich aus Richtung Holtrup dem Calveslager Esch nähert. Der Wolf sei „ganz normal getrottet“, erzählt Wehenpohl. Durch den Nachbargarten, durch die Johannisbeeren, über die Holtruper Straße nach Langförden-Nord, weiter über den Visbeker Damm Richtung Astrup. Dort verlieren die Jäger seine Spur.

Tatsächlich ein Wolf? „Ich traue mir zu, einen Wolf von einem Hund zu unterscheiden“, lacht Wehenpohl. Es sei ein großer Rüde gewesen. Der schnurgerade Gang, die Trittsiegel, alles passte. „Total untypisch“ findet der Landwirt allerdings das Verhalten des Tieres, das offensichtlich Menschen nicht scheut. Vielleicht ausgesetzt, vielleicht aus einem Zoo, vermutet Wehenpohl. „Das ist nicht ungefährlich.“ An wilde Wölfe, die aus dem Osten zuwandern, glaubt man in Calveslage eher nicht.

Der Landesschaftzuchtverband Weser-Ems, der von mehr als 40 gerissenen Schafen in der Region seit November spricht, hat noch einen anderen Verdacht: Sogenannte „Hybriden“ – eine Mischung aus Wolf und Hund – könnten die Angreifer sein.

Landkreis Oldenburg. Der Biohof Bakenhus in Großenkneten. Am 1. Dezember wird dort eine nächtliche Attacke auf Rinder gemeldet – ein Kalb wird getötet. „Vieles bei dem gerissenen Angus-Kalb spricht dafür, dass es einem Wolf zum Opfer gefallen ist“, erläutert Wolfsberater Carsten Sauerwein. Der große Riss, die Bissspuren im Rücken und Becken, ein verwischtes Trittsiegel. Auf dem Biohof will sich niemand offiziell zu dem Vorfall äußern. Entweder bekommt man Ärger mit den Naturschützern oder den Jägern, grummelt einer.

Esel als Schutz

Die Rückkehr der Wölfe ist politisch gewollt. Die Tiere stehen unter strengem Schutz. Doch zumindest bei der Landtags-Opposition wächst die Skepsis, vor allem weil Wölfe verstärkt in der Nähe dichter Wohnbebauung gesichtet werden. Der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Siemer (Vechta) fordert Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) auf, in die Region zu kommen. „Wir dürfen die Nutztierhalter mit den Folgen der Wolfs-Rückkehr nicht alleine lassen“, erklärt Siemer. Die FDP will die Jagd auf Wölfe zulassen. Der FDP-Abgeordnete Gero Hocker verlangt vom Land „schnelle und unbürokratische Hilfe“ für die Viehalter bei Wolfsrissen. „Der vom Umweltminister geforderte Nachweis per Gentest ist bürokratisch, teuer und dauert zu lange.“

Das Land fordert von den Schaf- und Ziegenhaltern in anerkannten Wolfsgebieten inzwischen einen „wolfsabweisenden Grundschutz“ ihrer Flächen mit elektrisch geladenen Zäunen.

Schäfermeister Tino Barth aus Rüssen (Kreis Diepholz) hält einen Zaun für nicht ausreichend. Er will sich deshalb einen Esel anschaffen, der bei Wolfsattacken Krach macht, beißt und tritt.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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