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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Neuer Ärger steht ins Haus

27.04.2017

Oldenburg Mitternacht ist es dann doch nicht geworden, wie zunächst erwartet worden war. Nach sechsstündiger Sitzung konnten die Mitglieder des EWE-Aufsichtsrats bereits gegen 23 Uhr einen Haken unter die Tagesordnung setzen. Einhelliger Tenor der Teilnehmer: Spektakuläres habe man ja auch nicht zu besprechen gehabt in der vertraulichen Runde.

Das bedeutet freilich nicht, dass das Unternehmen auch einen Haken hinter die aktuelle Krise gesetzt hat. Denn natürlich ging es in der Sitzung neben allerlei Formalien auch um dem Fall Matthias Brückmann, zu dem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG dem Aufsichtsrat jetzt einen Abschlussbericht vorgelegt hat. Neues förderte der offenbar nicht zutage, so dass EWE erklärt: „Jetzt sind die Juristen gefragt.“

Alle Berichte zur Führungskrise bei EWE im NWZ-Spezial

Brückmann, der wegen einer eigenmächtig veranlassten 253 000-Euro-Spende an die Klitschko-Stiftung im Februar vom Aufsichtsrat als EWE-Chef fristlos entlassen worden war, hat inzwischen Klage gegen seinen Rauswurf eingereicht. Der Aufsichtsrat sieht sich hingegen durch den KPMG-Bericht in seiner Haltung gestärkt und hofft nun auf Bestätigung vor Gericht.

KPMG gab den Mitgliedern auch einen Zwischenbericht zum Korruptionsverdacht bei EWE Netz. „Die Sachverhalte sind komplex, und ihre Prüfung nimmt entsprechend Zeit in Anspruch“, sagte ein Unternehmenssprecher nach der Sitzung. Er erklärte weiter: „Wir werden dem endgültigen Prüfungsergebnis nicht vorgreifen und uns auch nicht an Spekulationen beteiligen.“ Mit dem endgültigen Bericht rechne EWE im Sommer dieses Jahres. Fest stehe aber bereits, dass die EWE als Konsequenz aus den Fällen Brückmann und EWE Netz ihre Compliance-Maßnahmen verbessern werde. „Compliance“ bedeutet so viel wie „unternehmensinterne Verhaltensregeln“.

Die öffentliche Debatte um die Korruptionsvorwürfe bei EWE Netz, die kurz nach der Trennung von Brückmann startete, traf auch zwei Männer hart, die als Kandidaten für den EWE-Vorstand gehandelt wurden: Torsten Maus und Timo Poppe, die als Geschäftsführer von EWE Netz und ehemaliger Generalbevollmächtigter für Infrastruktur bei EWE direkt mit der Netzsparte zu tun haben und hatten. Der Aufsichtsrat verschob daraufhin die Besetzung der zwei freien Vorstandsposten bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe.

Am Rande der aktuellen Aufsichtsratssitzung wurde nun bekannt, dass es neue Vorwürfe gegen Poppe gibt. So berichtet die Tageszeitung „Die Welt“, dass er sich privat für 250 Euro „unter der Hand“ von einem Vorstandsfahrer in den Skiurlaub chauffieren lassen haben soll, „ohne die korrespondierenden steuerrechtlichen bzw. sozialversicherungspflichtigen Beträge ordnungsgemäß abzuführen“. Poppe wird in dem Artikel zwar nicht namentlich genannt, ist aber identifizierbar.

Offiziell nimmt EWE keine Stellung zu den Vorwürfen und erklärt generell zu Fragen nach den Chancen der Vorstandskandidaten: „Wir haben uns nie an den Spekulationen über Namen beteiligt – und werden damit auch jetzt nicht beginnen.“

Inoffiziell ist aber aus dem Unternehmen zu hören, dass man hinter den jüngst aufgetauchten Vorwürfen ein weiteres Ablenkungsmanöver von Matthias Brückmann vermutet, der sich von Krisenmanager Bela Anda beraten lässt. Brückmann, so wird spekuliert, wolle vor dem Gerichtsprozess andere Personen ins Rampenlicht zerren.

Wie auch immer: Es scheint immer unwahrscheinlicher, dass die Vorstandskandidaten Maus und Poppe die öffentliche Schlammschlacht unbeschmutzt überstehen.

Die EWE bleibt somit vorerst im Krisen-Modus.


  www.nwzonline.de/ewe-krise 
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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