• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Niels Stolberg fühlt sich „erleichtert“

06.11.2015

Bremen /Oldenburg Wie er sich fühle? „Erleichtert“, sagt Niels Stolberg, „und optimistisch.“ Dass es jetzt endlich einen Prozesstermin für ihn gebe, sei gut; „ich gehe voller Vertrauen in die Bremer Justiz in dieses Verfahren“. Erster Verhandlungstag für Stolberg und drei seiner ehemaligen Mitarbeiter soll der 20. Januar 2016 sein, teilte das Landgericht Bremen am Donnerstag mit. Zuvor hatten drei dafür eigens freigestellte Richter eineinhalb Jahre lang Stolberg-Akten gewälzt.

Stolberg, geboren 1960 in Brake, war lange Deutschland Vorzeige-Reeder. Seine Reederei Beluga Shipping betrieb in der Blütezeit 72 Schiffe, beschäftigte mehr als 600 Mitarbeiter und erzielte noch 2008 einen Gewinn von fast 70 Millionen Euro. Stolberg selbst sammelte Ehrentitel wie „Unternehmer des Jahres“ und „Mutmacher der Nation“.

Doch mit der Schifffahrtskrise 2009 geriet auch die Bremer Beluga ins Wanken. Stolberg versuchte, das Unternehmen zu retten, indem er sich mit dem US-Investor Oaktree zusammentat. Doch der feuerte Stolberg am 1. März 2011, im April meldete Beluga Insolvenz an. Oaktree zeigte Stolberg wegen Bilanzfälschung und Betrug an, jahrelange Ermittlungen begannen.

Jetzt sollen die Bremer Richter in 56 Verhandlungstagen den Vorwürfen aus gleich drei Anklageschriften der Bremer Staatsanwaltschaft nachgehen, jede mehrere hundert Seiten dick. Am schwersten wiegen für Stolberg dabei sicherlich die Vorwürfe der dritten Anklage von 2014: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug zu Lasten von Oaktree und einer anderen Reederei vor. Stolberg hatte immer betont, sich „nie persönlich bereichert“ zu haben.

Noch 2013 hatten seine Anwälte in diesem Sinne zufrieden verkündet, dass die von Oaktree erhobenen Betrugsvorwürfe vom Tisch seien. Tatsächlich lautet der Hauptvorwurf in den ersten beiden Anklageschriften von 2013 „Kreditbetrug“: Stolberg soll gegenüber Kreditgebern falsche Angaben gemacht haben, um mehr Geld zu erhalten. Der Unterschied zwischen den Vorwürfen Betrug und Kreditbetrug war Stolberg wichtig: Anders als beim Betrug muss es beim Kreditbetrug keinen Geschädigten geben; auch ist das Strafmaß geringer. Am Donnerstag erklärte Stolbergs Anwalt Dr. Bernd Groß deshalb noch einmal: „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe der Anklage von 2014 vor Gericht als haltlos erweisen werden.“

Stolberg selbst verweist lieber auf die aktuellen geschäftlichen Aktivitäten seiner Oldenburger Firma Best Ship Consult: „Die maritime Branche ist nach wie vor hoch spannend. Persönlich werde ich diesen geschäftlichen Weg weitergehen und bin sehr zuversichtlich, dass sich hier noch so Einiges bewegen lässt und wird.“

Passend dazu hat er gemeinsam mit dem Autor Peter Sandmeyer ein Buch mit dem Titel „Unsinkbar“ geschrieben: „Ein deutscher Reeder über seinen Aufstieg und Fall“. Erscheinen sollte es eigentlich bereits im Oktober 2015. Der Verlag Ankerherz teilte unlängst mit, dass die Veröffentlichung verschoben worden sei, „voraussichtlich auf das nächste Frühjahr“. Nach Informationen der NWZ  wird „Unsinkbar“ aber nicht vor Prozessende auf den Markt kommen. Der Sprecher des Bremer Landgerichts, Dr. Thorsten Prange, hofft, dass das Stolberg-Verfahren „möglichst 2016“ abgeschlossen werden kann, verweist aber auf die „große Komplexität“.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.