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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Tierschutz In Norddeich: Hier erholen sich kleine Heuler

28.06.2018

Norddeich Große Kulleraugen, weiches Fell und lautes Geheule erwarten den Tierpfleger Tim Fetting morgens, wenn um 6 Uhr seine Schicht bei der Seehundstation in Norddeich beginnt. Zuerst macht der 38-Jährige einen Rundgang an den Gehegen vorbei und schaut, wie sich seine Schützlinge über Nacht gemacht haben. Ein paar Heuler, die erst sehr spät gefunden worden sind und in einem schlechten Zustand in die Station kommen, müssen gut beobachtet werden. Da die Jungtiere in der Regel im Juni und Juli geboren werden, ist in den Sommermonaten in der Einrichtung Hochsaison.

Smartphone als Problem

Was auf viele wie ein Traumjob wirkt, hat einen traurigen Hintergrund. Sollten Seehundwelpen nach der Geburt dauerhaft von ihrer Mutter getrennt werden, benötigen sie menschliche Hilfe. Die mutterlosen Jungtiere werden dann Heuler genannt, da sie vor Hunger und Verlassenheit zu heulen beginnen.

Die Gründe, warum die Mutter und ihr Nachwuchs getrennt werden, sind verschieden. Mal liegt es zum Beispiel an starken Stürmen oder Sommergewittern. Sie werden getrennt und der starke Wellengang und Strömungen tragen dazu bei, dass die Mutter ihr Junges nicht mehr findet, erklärt Fetting.

Hier seht ihr die Reportage mit vielen Bildern:

Oft ist jedoch der Mensch schuld, weiß der Tierpfleger. Sobald die Tiere am Strand gesichtet werden, werden sie zum Teil von Menschen umzingelt. Einige zücken ihr Smartphone, um von den kleinen Seehundwelpen ein Foto für Freunde und Familie zu schießen – manche machen sogar ein Selfie mit ihnen. „Smartphones sind im Prinzip für alle Wildtiere ein Problem“, erklärt der Tierpfleger. Werden die Jungtiere von Menschen belagert, kommt die Mutter nicht mehr an ihren Nachwuchs heran und schon sind sie getrennt. In anderen Fällen wurden auch schon Hunde auf eine Gruppe Seehunde gejagt – auch so kann der Nachwuchs das Muttertier verlieren.

Seehundwelpe gefunden – Was ist zu tun

300 Meter Abstand halten

Die Tiere nicht anfassen

Den Fundort verlassen so kann die Mutter eventuell wieder Kontakt aufnehmen

Im Notfall den Fund der Seehundstation unter 04931/973330 melden

Die Experten überprüfen, ob es sich um einen Heuler handelt

Besonders fatale Folgen hat die menschliche Berührung, so Fetting. „Die Mutter erkennt ihr Jungtier am Geruch“, erklärt er. Wurden die Seehund-Kinder angefasst, nimmt die Mutter ihr Junges wegen des menschlichen Geruchs nicht mehr an. Auch zum eigenen Schutz sollte man darauf verzichten, Seehunde anzufassen, da sie Raubtiere sind und zubeißen könnten. Durch Fischreste sammeln sich viele Bakterien in den Mäulern der Tiere, beißen sie zu, kann sich die Wunde infizieren. „In gewisser Weise gefährdet man sich also auch.“ Finden Mutter und Nachwuchs nicht mehr zusammen, ist die Seehundstation gefragt.

Fütterung mit Schlauch

Nachdem Fetting morgens seinen Rundgang beendet hat, greift er zum Telefon und arbeitet die Tierfunde ab. Zum Teil schickt er einen der mehr als 100 Ehrenamtlichen zu den Fundorten, die an der Küste mit der Seehundstation zusammenarbeiten – sie decken eine Fläche von der niederländischen Grenze bis nach Cuxhaven ab. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Jäger, die extra zum sogenannten Wattenjagdaufseher geschult sind, so Fetting. Ist das Jungtier in der Nähe von Norden, fährt ein Tierpfleger der Station dort hin.

„Ohne Ehrenamt könnten wir diesen großen Bereich gar nicht abdecken“, betont der Pfleger, der die Seehundstation durch seinen Zivildienst im Jahr 2001 kennengelernt hat. „Die gehen meist auf Zuruf los.“ Auch der generelle Austausch mit den Ehrenamtlichen gehört zu der Morgenroutine des 38-Jährigen und seiner Kollegen.

In der Station kommen die Heuler meistens stark dehydriert an. „So ist es unsere erste Aufgabe, den Wasserhaushalt auszugleichen und dann müssen wir die Mutter ersetzen.“ Doch nicht jeder Seehund, der zu Fetting und seinen Kollegen kommt, überlebt und kann wieder aufgepäppelt werden. Wenn Tiere zu spät gefunden worden sind oder sehr massive Brüche haben, müssen sie bei der Ankunft eingeschläfert werden. Das betrifft etwa zehn bis 20 Prozent der Heuler, erklärt Fetting. „Man kann in einer Station leider nie allen Tieren helfen.“

Ausgestattet mit einer Anglerhose und dicken Gummihandschuhen geht der Tierpfleger parallel mit anderen Mitarbeitern der Station in die Gehege, die jeweils an Wasserbecken anschließen. Jetzt steht die Fütterung auf dem Programm. Die etwas älteren Heuler schnappen schon selbstständig nach dem Fisch, den Fetting ihnen hinhält, andere brauchen dabei noch Hilfe. Die jüngsten werden durch einen weichen Schlauch mit einer Lachsemulsion ernährt. Vier Mal am Tag werden sie in der Außenanlage gefüttert. Zwei Fütterungen werden vor dem Publikum gezeigt – Jeweils um 11 und um 15 Uhr können die Besucher der Seehundstation durch eine große Scheibe zusehen. Sobald ein Heuler, der als ausgewachsener Seehund mehr als 100 Kilo wiegen kann, versorgt ist, geht es zum Verdauungsschwimmen.

Ab in die Nordsee

Um 10 Uhr steht für Fetting mit den Kollegen das gemeinsame Frühstück auf dem Plan. 25 Menschen haben bei der Station eine Festanstellung. Hinzu kommen Bundesfreiwilligendienstler, junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, sowie ein Auszubildender und Praktikanten. Alle verbindet, dass sie Tieren helfen wollen.

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Die Seehundstation braucht für die Aufzucht eines Heulers ungefähr 65 Tage. In der Zeit sollen sie sich eine ausreichende Fettschicht anfressen und das selbstständige fressen lernen. Laut der Seehundstation dauert es bis etwa Mitte Oktober bis alle Heuler des Sommers wieder in der Nordsee schwimmen. „Wir können natürlich die Mutter nicht zu 100 Prozent ersetzen, aber wir können die Tiere top für die freie Wildbahn vorbereiten, sodass sie dann auch ausgewildert werden und ein schönes Leben in freier Wildbahn genießen können.“

Auf die Frage, was das Besondere an seinem Beruf ist, antwortet Fetting blitzschnell: „Die Auswilderung“. Dazu werden die Jungtiere von den Stationsmitarbeitern zur Nordsee gebracht und ins Wasser entlassen. Abschiedsschmerz? Bei Fetting und seinen Kollegen überwiegt die Freude, die Tiere erfolgreich in die Natur entlassen zu können. „Eigentlich sind wir dann alle nur am strahlen und freuen uns“, erinnert sich Fetting.

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Anna-Lena Sachs Redakteurin / Online-Redaktion
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