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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

„Hier wird der soziale Kitt angerührt“

16.12.2017

Nordenham Die ehemalige Waschküche ist das Reich von Harry Barwich. Ein Paradies für Heimwerker. Inzwischen ist die Werkstatt ganz gut ausgestattet. Mit einer Standbohrmaschine, mit Bandschleifer und Bandsäge, mit Schraubenziehern, Zangen und allem, was so gebraucht wird, um zum Beispiel einen Bumerang zu bauen, einen Mini-Roboter, ein ferngesteuertes Auto oder einen Kerzenständer zu Weihnachten. Mit Kindern ab acht Jahren werkelt Harry Barwich regelmäßig in der Bastelstube. Die Werkstatt gehört zum Nordenhamer Mehrgenerationenhaus an der Viktoriastraße 16. Und sie steht beispielhaft für die Idee, Generationen zusammenzuführen. Der 61-Jährige und seine Kollegen Rolf Becker und Udo Müller – alle drei sind Rentner – geben ihre Erfahrungen an Kinder weiter, von denen viele noch nie zuvor eine Laubsäge in der Hand hatten.

Das Mehrgenerationenhaus, dessen Träger die Caritas ist, hat in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Die Einrichtung, die früher als Kinderheim diente, hat sich etabliert. Leiterin Claudia Redmer kann das mit Zahlen belegen. Durchschnittlich kommen 236 Besucher am Tag. Herzstück des Hauses ist der „Offene Treff“. Hier kommen die Plattschnacker zusammen, hier übt der Generationenchor, hier häkeln und stricken die Wollmäuse, hier findet regelmäßig ein Bingo-Nachmittag statt, und hier gibt’s fünfmal in der Woche einen Mittagstisch.

Spaß am Kochen

Küchenchef Oliver Althaus kocht montags bis donnerstags und samstags für die Gäste im „Offenen Treff“. „Mehr Spaß am Kochen als hier kann man nicht haben“, sagt Oliver Althaus, während er gefüllte Paprika und Kartoffeln auf die Teller schaufelt. Der Küchenchef ist einer der wenigen Hauptamtlichen, die im Mehrgenerationenhaus beschäftigt sind.

Das Fundament der Einrichtung sind die Ehrenamtlichen. Ohne sie wäre das Mehrgenerationenhaus undenkbar. Rund 30 freiwillige Helfer gehören zum harten Kern. Weitere 30 Männer und Frauen setzen sich punktuell ein, wenn sie gebraucht werden – zum Beispiel beim Tag der Generationen. Der findet jedes Jahr im Sommer statt. Es wird getanzt, gesungen, gespielt und gebastelt. Junge und alte Menschen kommen zusammen – nicht nur in der Theorie, wie Claudia Redmer betont. Als Beispiel nennt sie die generationsübergreifenden „Fachgespräche“ – zum Beispiel wenn die Rentner den Kindern Tipps zum Kettcar-Tuning geben. Am Tag der Generationen beteiligen sich alle Kooperationspartner der Caritas. Es gibt viele Organisation, die das Haus mit Leben füllen – vom Kinderschutzbund bis zum Sportverein Nordenham. Rund um das Mehrgenerationenhaus ist ein Riesen-Netzwerk entstanden.

Zu diesem Netzwerk gehört auch das Refugium Wesermarsch. Dieser Verein setzt sich für Migranten ein, hilft ihnen bei der Integration. Im Mehrgenerationenhaus bietet das Refugium Beratungen, Sprachkurse und verschiedene Projekte an, zum Beispiel Fahrradkurse für Frauen. Vorsitzende Doris Ammermann und Mitarbeiterin Zeliha Aykanat freuen sich, dass der Verein in Nordenham ein Domizil gefunden hat, das die interkulturelle Begegnung fördert. Ein Beispiel ist der interkulturelle Tanzabend, bei dem Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft miteinander Spaß haben. Doris Ammermann schätzt zudem die „kurzen Wege“. Denn im Mehrgenerationenhaus befinden sich zum Beispiel auch eine Schwangerschaftsberatung und eine psychosoziale Beratungsstelle.

Zum Ensemble des Mehrgenerationenhaus gehört eine Vielzahl von Hilfsangeboten. Unter anderem haben hier eine Heilpädagogische Tagesgruppe (HPT) und eine Sozialpädagogische Tagesgruppe (SPT) der Caritas ihre Räume. Hier kümmern sich Pädagogen um Kinder aus problembelasteten Familien. Sie geben ihnen Zuwendung und Struktur, helfen bei den Hausaufgaben und bei der Freizeitgestaltung. HPT-Leiter Marc Schlichting nimmt mit den Kindern seiner Gruppe regelmäßig an den Angeboten in der Werkstatt teil. Er schätzt die Arbeit, die Harry Barwich und seine Kollegen leisten, wenn sie versuchen, die Kinder, die oft auch motorische Probleme haben, für Handwerk und Technik zu begeistern. „Die Kinder sind total stolz, wenn sie zum Beispiel einen Bumerang gebastelt haben“, sagt Marc Schlichting. „Und sie lernen, dass solche Erfolgserlebnisse manchmal viel Geduld und Ausdauer erfordern.“

Ausdauer ist das Stichwort für Bärbel Stührenberg. Auch sie glaubt, dass vielen Kindern die Ausdauer fehlt in einer Zeit, in der mit einem Maus­klick alles sofort verfügbar ist. Bärbel Stührenberg hat gemeinsam mit Dr. Rainer Menge eine ganz besondere Aufgabe für das Mehrgenerationenhaus: Klinkenputzen. Beide verfügen über gute Kontakte zur Nordenhamer Wirtschaft. Und die wollte sich die Caritas zunutze machen, als es darum ging, Paten für das Mehrgenerationenhaus zu finden. Die Paten sammeln in erster Linie Spenden bei den hiesigen Unternehmen. Die Spenden sind Teil des Finanzierungskonzepts, zu dem noch zwei eigene Stiftungen, Zuschüsse von Bund, Land, Landkreis, Stadt Nordenham, Eigenmittel der Caritas und selbst erwirtschaftete Mittel gehören.

Gegen die Entfremdung

Bärbel Stührenberg ist überzeugt von der Einrichtung. „Hier wird der soziale Kitt angerührt, den die Gesellschaft so dringend braucht“, sagt sie. Sie schätzt das Mehrgenerationenhaus als Treffpunkt für Menschen aus verschiedenen Altersgruppen, Schichten und Kulturen.

Mit dem Sterben von Kneipen und Einkaufsläden, die früher häufig als Treffpunkte dienten, ist aus ihrer Sicht auch eine Entfremdung einhergegangen. „Gerade für Alleinstehende ist das Mehrgenerationenhaus zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden.“


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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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