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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Windkraft hautnah erleben

29.05.2018

Nordsee Weg von der Reling, wir starten noch mal durch“ hallt es aus den Lautsprechern des Katamarans „Adler Cat“. Der Kapitän gibt Schub, die Turbinen heulen auf, die Gischt peitscht durchs Gesicht. Eine angenehme Abkühlung, denn das Thermometer zeigt an die 30 Grad. „50 Kilometer die Stunde werden wir wohl drauf haben“, sagt einer der mehr als 100 Passagiere, während er die Linse seiner Kamera putzt – sie wird an diesem schönen Sommerabend noch einiges zu tun bekommen.

Mitten in der Nordsee

Unser Ziel sind die Off­shore-Windparks Gode Wind 1 und 2 inmitten der Nordsee, rund 33 Kilometer von den Inseln Juist und Norderney entfernt. Veranstalter der Ausfahrt ist der dänische Energiekonzern Ørsted, ehemals Dong Energy. Hier draußen vor den ostfriesischen Inseln entstehen seit einigen Jahren große Offshore-Windparks. Diese Kraftwerke sollen dabei helfen, die Energieversorgung in Deutschland auf erneuerbare Energien umzustellen.

Versorgung von umgerechnet rund 600 000 Haushalten

Gode Wind 1 und 2 sind zwei deutsche Offshore-Windparks, die Ørsted (ehemals Dong Energy) direkt nacheinander gebaut hat. Baubeginn war im April 2015, Anfang 2016 wurde der erste Strom produziert. Die beiden Windparks befinden sich rund 45 Kilometer vor dem deutschen Festland und 33 Kilometer vor den Inseln Juist und Norderney. Insgesamt wurden 97 Windkraftanlagen der Sechs-Megawatt-Generation installiert.

Die Jahresproduktion von Gode Wind 1 und 2 zusammen reicht aus, um umgerechnet rund 600 000 deutsche Haushalte mit CO2-freiem Strom zu versorgen – das entspricht einer Großstadt wie Köln. Ørsted hält an Gode Wind 1 und 2 jeweils einen Anteil von 50 Prozent und ist für die Betriebsführung und Wartung zuständig.

Die Windparkleistung beträgt 582 Megawatt (sechs Megawatt pro Anlage). Gode Wind 1 hat 55 Anlagen, Gode Wind 2 hat 42. Die Wassertiefen reichen von 28 bis 34 Meter.

Ørsted ist einer der führenden Energiekonzerne in Nordeuropa. Sein Hauptsitz ist in Dänemark, Standorte gibt es auch in Hamburg und Norden-Norddeich. Weltweit beschäftigt Ørsted 5600 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr hat der Konzern einen Umsatz von acht Milliarden Euro erwirtschaftet.

Die Bedingungen draußen auf dem Meer seien ideal für den Betrieb der Offshore-Windparks, weil der Wind stetig weht und so zuverlässig Strom produziert werden könne, heißt es bei Ørsted.

Wir nähern uns langsam dem Ziel, die Silhouetten der Windräder sind bereits deutlich zu erkennen. Wo die Blicke auch hinschweifen, sind Kameralinsen zu sehen. Die Sonne reflektiert im Wasser der Nordsee, kühler Wind weht durchs Gesicht, der Katamaran fährt nun im seichten Tempo.

Je näher wir kommen, desto gefragter sind die Ørsted-Mitarbeiter an Bord – einige von ihnen mit markanten gelben Warnwesten ausgestattet. Sie geben bereitwillig Auskunft über technische Details. Unter ihnen ist auch der kaufmännische Geschäftsführer Volker Malmen. Warum die Rotorblätter gebogen sind, möchte einer der Passagiere wissen. „Das ist effizienter“, erklärt Malmen.

Imposant sind auch die Daten der Windkraftanlagen: der Turm wiegt 472 Tonnen, das Maschinenhaus 329 Tonnen. Ein Rotorblatt wiegt 26,4 Tonnen und hat eine Länge von 75,2 Meter. Bis zur Nabenhöhe misst der Turm 110 Meter, bis zur Blattspitze 184 Meter – das ist sieben Mal so hoch wie das Brandenburger Tor. Die Umspannstationen – bei Gode Wind stehen zwei davon – sind in der Größe vergleichbar mit Mehrfamilienhäusern. Die Umspannstationen sind die Herzstücke des Windparks und leiten den erzeugten Strom der Offshore-Windturbinen an die Konverterstation des Netzbetreibers. Von dort erfolgt dann der Weitertransport des Stroms in das Netz an Land. „Aus der Nähe sieht das noch viel imposanter aus, so groß habe ich mir das alles nicht vorgestellt“, sagt Steffi Reents. Sie lebt auf Norderney und hat die Ausfahrt vor einigen Wochen gebucht. Die Fahrten könnten ihrer Meinung nach auch dabei helfen, mit Kritikern ins Gespräch zu kommen, da der Bau von Offshore-Windparks „natürlich ein Eingriff in die Natur ist“, erklärt Reents.

Ruhiger Seegang

Plötzlich zischt ein Boot vorbei, der Wellengang ist deutlich zu spüren. „Damit gelangen unsere Techniker zu den Offshore-Windparks“, erklärt Malmen. Genau wie Kraftfahrzeuge müssen auch die Windräder regelmäßig gewartet werden, sagt er. Bei starkem Wellengang kann es auch mal passieren, dass jemand seekrank wird. „Selbst den Seetüchtigsten ist das schon passiert“, sagt Malmen.

Ein Video von der Ausfahrt zu Gode Wind 1 und 2 gibt es hier zu sehen:

An diesem Abend herrscht allerdings kaum Wellengang. Die Passagiere drängen sich an die Reling, ein Bild nach dem anderen wandert in den Speicher. Unter den Fotografen ist auch Thorsten Rass, der ebenfalls auf Norderney lebt. Er ist zum ersten Mal mit einem Katamaran unterwegs. „Die Fahrt gefällt mir sehr gut, es ist eine tolle Kombination, sowohl die Windparks als auch Schiffe aus der Nähe zu sehen“, sagt er.

Erschöpft aber zufrieden verlassen wir gegen 21 Uhr den Katamaran. Per Fähre setzt ein Großteil der Passagiere noch von Norderney nach Norddeich über. Die Sonne ist verschwunden, in der Dämmerung lassen sich nur noch die Umrisse des Fähranlegers erkennen.

Interview mit Volker Malmen (47), kaufmännischer Geschäftsführer der Ørsted Wind Power Germany:

Frage: Frage: Herr Malmen, wo sehen Sie Deutschland bei erneuerbaren Energien?
Malmen: Wir haben in den vergangenen drei Jahren einen sehr starken Anschub der Industrie gesehen. Wir sind sehr schnell gewachsen, haben aber jetzt eine Zeit, wo der Offshore-Windbereich in Deutschland nicht mehr so stark und nicht mehr zeitgemäß wächst. Was man in der Politik vergessen hat, ist, dass sich die Technologie von den Windkraftanlagen weiterentwickelt. Die Kapazitäten werden pro Windrad immer größer. Wir sind aber in Deutschland sehr regulatorisch geprägt, daher dauert es von der Planung bis zur Umsetzung meist mehrere Jahre. Meistens nimmt man daher die Technologie von heute und schaut nicht in die Zukunft.
Frage: Frage: Haben Sie dafür ein Beispiel?
Malmen: Die Offshore-Windbranche hat 2016 eine Kapazität von zwei Gigawatt installiert. In den Jahren 2025 bis 2030 dürfen wir aber nur 700 bis 900 Megawatt installieren. Das ist natürlich überhaupt nicht ambitioniert. Und das ist auch gerade das Problem, weshalb die Offshore-Windindustrie in Deutschland etwas krankt. Ich hoffe daher, dass sich die neue Regierung anschaut, welche Möglichkeiten noch ausgeschöpft werden können.
Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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