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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Hin und her, Tag für Tag

14.08.2014

Bremen Es könnte zum Verzweifeln sein. Ein Mann sitzt am Steuer einer kleinen Fähre und fährt fast den ganzen Tag hin und her – von einem Weserufer zum anderen. Für die rund 80 Meter lange Strecke benötigt Jerzy Stellmacher maximal zwei Minuten. Manchmal hat er lediglich einen Gast an Bord. Warum macht er das seit 14 Jahren? „Hier ist immer der gleiche Ablauf. Aber das ist für mich ein wenig wie Urlaub – das Schiff, Wasser, frische Luft und manchmal gibt es sogar Sonne.“

Doch die Wolken hängen tief über der Bremer Weser, Stellmacher wirkt müde, seine wettergegerbte Haut zeugt von einem langen Leben auf dem Wasser. „In Polen habe ich angefangen, ich bin immer nur auf Flüssen gefahren. Irgendwann bin ich nach Bremen gekommen“, sagt er. Sonderlich spannend sei sein Job nun nicht gerade. Aber mit jetzt 58 Jahren habe er auch nicht mehr die Möglichkeit, etwas anderes auszuprobieren.

Besonderer Job

Für viele Bremer hat der gebürtige Pole einen besonderen Job. Er ist einer von vier Schiffsführern auf der traditionsreichen Sielwallfähre. Seit über 250 Jahren schippert ein Fährkahn zwischen Osterdeich und Stadtwerder. Als ihr Betrieb Anfang der 1980er Jahre wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten eingestellt werden sollte, protestierten zahlreiche Bewohner des Ostertorviertels und wurden aktiv. Sie gründeten einen Verein, der die Fähre übernahm und aus dem schließlich ein Unternehmen wurde – die Hal över GmbH.

„Seitdem hat sich einiges geändert. Mittlerweile ist die Fähre das Gesündeste im gesamten Unternehmen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Harro Koebnick. Von sieben Uhr morgens bis 23 Uhr abends verkehrt sie im Sommer zwischen den Ufern. 1,40 Euro kostet eine Fahrt, für Hunde müssen 60 Cent bezahlt werden. Stellmachers Frühschicht endet um 15 Uhr, danach löst ihn ein Kollege ab. Stehen gerade einmal keine Passagiere am anderen Ufer, muss er einige Minuten warten – die einzige Möglichkeit für ihn, um eine Pause zu machen.

„Ich habe Brote dabei. Und wenn ich Glück habe, bleiben mir ein paar Minuten, um mir im Café nahe des Anlegers einen Kaffee zu holen“, sagt er. Ob er Glück hat, sieht er im Rückspiegel. Auf der anderen Seite ist gerade kein Gast zu erkennen, also geht es im Eilschritt zum Café, das eigentlich noch gar nicht geöffnet hat. Aber Stellmacher ist hier natürlich längst bekannt, er bringt seinen eigenen Becher mit: „Ein Kaffee bitte, wie immer schnell. Das Boot steht gerade leer.“ Vier Minuten später steht er wieder auf seiner Fähre und hält das Steuer in der Hand. Auf der anderen Seite wartet einer seiner vielen Stammkunden.

Bunte Mischung

„Natürlich kenne ich schon viele Leute. Das ist eine bunte Mischung. Kleingärtner, Berufstätige oder Schwimmer, die zum Weserstrand wollen – alles ist dabei“, erklärt er. Die 48-jährige Jutta nutzt die Sielwallfähre bereits seit einigen Jahren, nicht nur, weil es der schnellste Weg zur Arbeit ist. „Auch wenn direkt nebenan eine Brücke wäre, würde ich die Fähre nutzen. Ich empfinde das als Luxus pur“, sagt sie. Auch Hans Klingenberg fährt hin und wieder mit der Fähre, Stellmachers Job würde er jedoch nur ungern ausüben. „Das ist bestimmt nicht so spannend. Ich glaube, ich würde sehr schnell müde werden.“

Keine Müdigkeit

Aber Müdigkeit kann sich der Schiffsführer auf keinen Fall leisten. Ein Unfall sei zwar noch nie passiert. „Doch gerade auf die kleinen Flitzer muss man höllisch aufpassen, die nehmen manchmal keine Rücksicht“, sagt Stellmacher. Erholung sucht der 58-Jährige nach Feierabend übrigens nicht auf der heimischen Couch, sondern ebenfalls am Wasser. „Ich liebe das Angeln. Vor kurzem habe ich in der Weser den größten Barsch gefangen, der hier je geangelt wurde.“


Mehr Infos unter   www.hal-oever.de 
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