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Übernahme Der Oldenburgischen Landesbank: OLB-Mitarbeiter fragen per Telefonkonferenz

25.06.2017

Oldenburg Der Vorstand der Oldenburgischen Landesbank (OLB) sieht im Kauf der Regionalbank durch die Bremer Kreditbank (BKB) eine „Riesenchance“. Man sei „wirklich froh, dass die BKB“ den Zuschlag bekommen“ habe, sagte Vorstandsvorsitzender Patrick Tessmann in einer Telefonkonferenz mit Mitarbeitern, wie die NWZ-Wirtschaftsredaktion erfuhr. „Wir werden eine Erfolgsstory in den nächsten Jahren schreiben“, fügte er demnach hinzu.

Kommentar: Es hätte viel schlimmer kommen können

Bericht: Bremer Kreditbank kauft die OLB

Tessmann hatte sich eingangs quasi dafür entschuldigt, wie die Kommunikation des Vorgangs vom späten Freitagabend gelaufen war. Das habe man nicht in der Hand gehabt, sagte er mit Verweis auf die letzten Abstimmungen zum erfolgten Vertragsabschluss zwischen Verkäufer (Allianz) und Käufer (Bremer Kreditbank). Spät abends und am Sonnabendmorgen waren nur relativ wenige Mitarbeiter direkt erreicht worden. Viele sind auch im Urlaub.

Rund 1000 OLB-Mitarbeiter zugeschaltet

Mitarbeiter waren teils schon zuvor verstimmt, weil sie seit Ende September 2016 - damals kommunizierte die Allianz ihre Verkaufsabsicht - nichts wirklich Neues dazu mehr erfahren hatten. Nun erfuhren viele den Stand der Dinge aus der NWZ oder über NWZonline, dann auch verstärkt über Kontakte innerhalb des Kollegenkreises. Etwa die Hälfte der gut 2000 OLB-Mitarbeiter schalteten sich bei der Telefonkonferenz zu.

Und die haben einige Fragen, wie zu hören war. Etwa: Wie es mit den Gremien der OLB - eigener Vorstand, Aufsichtsrat usw. - weitergehen wird, ob die Bank mit 300 Millionen Euro nicht zu billig abgegeben wurde, und wie die angekündigte „gemeinsame Plattform“ mit dem Käufer Bremer Kreditbank und dem ebenfalls einbezogenen Bankhaus Neelmeyer (zu BKB gehörend, ebenfalls Bremen) aussehen könnte.

OLB setzt Hoffnung in starke IT-Technik

Der OLB-Vorstand musste offenbar mehrmals passen. Man wisse nun, wer der Investor sei, doch alles andere würden die nächsten Wochen zeigen. Unter Plattform sei aber unter anderem eine gemeinsame Informationstechnik zu verstehen. Hier sieht er offenbar Chancen, weil man unter den drei Instituten der neuen Bankengruppe „hier“ in Oldenburg die größte IT habe. Auch generell sehen Beobachter Chancen, dass die OLB zentrale Funktionen übernehmen könnte - was gut für die Arbeitsplätze wäre.

Klar ist: Für die OLB und ihre mehr als 2000 Mitarbeiter geht eine lange Hängepartie zu Ende. Viele hatten bereits „tief durchgeatmet“, als bekannt wurde, dass die Commerzbank als Interessent abgesprungen sein soll. Dann hätte es Überschneidungen im Filialnetz und bei zentralen Funktionen gegeben. Das sieht nun ganz anders aus.

Wie die Allianz ihre OLB-Anteile los wurde

Ende September 2016 hatten die Allianz und die OLB kommuniziert, dass „die Allianz verschiedene strategische Alternativen für die teilweise oder vollständige Reduzierung ihres Anteilsbesitzes an der OLB prüft“. Das zog sich dann hin. Über die Monate rankten sich Spekulationen um verschiedenste Banken und Investoren, voran lange Zeit die Commerzbank. Aber sogar spanische, niederländische und österreichische Namen wurden zeitweilig ins Spiel gebracht. Das sorgte für eine gewisse Verunsicherung bei Mitarbeitern und Kunden.

Jetzt wurden aber Nägel mit Köpfen gemacht. Die Allianz als Verkäufer entschied sich für eine buchstäblich naheliegende Lösung mit den Bremern. Die Bremer Kreditbank, zu deren Gesellschafterkreis der US-Finanzinvestor Apollo gehört, ist auf Mittelstandsfinanzierung, die Finanzierung von Akquisitionen und gewerbliche Immobilienfinanzierungen spezialisiert. Sie ist bundesweit mit mehreren Standorten tätig. Zudem gehört der BKB das Bremer Bankhaus Neelmeyer, das vermögende Kunden betreut. So gesehen gibt es wenig Überschneidungen. Erste Reaktionen aus OLB-Mitarbeiterkreisen fielen denn auch verhalten positiv aus.

BKB freut sich auf Zusammenarbeit mit OLB

Was hat die Bremer Kreditbank konkret vor? BKB-Vorstandschef Axel Bartsch meinte in einer ersten Stellungnahme: „Wir sind stolz, die OLB von der Allianz erwerben zu können.“ Gemeinsam sei man „eine starke Bankengruppe im Nordwesten. Unser Ziel ist es, auf einer einheitlichen Plattform und mit strategischer Fokussierung weiter zu wachsen“, kündige Bartsch an. Für die 9,8 Prozent „freien“ Aktien, die noch im Handel sind, soll es bald ein Übernahmeangebot geben.

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OLB-Vorstandsvorsitzender Axel Tessmann meinte in einer ersten Stellungnahme: „Wir freuen uns auf unseren neuen Mehrheitsaktionär und die Zusammenarbeit.“ Im aktuellen, „von anhaltend niedrigen Zinsen und steigenden regulatorischen Anforderungen geprägten Marktumfeld werden wir durch die gemeinsame Fokussierung nachhaltig wachsen und über eine gemeinsame Plattform Synergieeffekte nutzen. Diese Lösung wird für unsere Kunden einen hohen Mehrwert schaffen.“

Zum Eigentümerwechsel bei der OLB kommt es, weil die Allianz Deutschland sich von ihrem Paket trennen will: Sie war 2001 eingestiegen. Pläne, eine Banksparte für Allianz-Kunden aufzubauen, ließen sich so nicht umsetzen. Die OLB wurden zu einer reinen Finanz-Investition, an der langen Leine der im Bankbereich branchenfremden Münchner. Man wolle sich „stärker auf das Kerngeschäft der Versicherung und Vermögensanlage konzentrieren“. Vertrieblich werde die Partnerschaft zwischen Allianz Deutschland und OLB bestehen bleiben, teilte die Allianz mit.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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