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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Stolberg-Prozess nach über zwei Jahren vor dem Ende

02.02.2018

Oldenburg /Bremen Wenn nicht noch eine plötzliche Wende geschieht, steht der Bremer Mammut-Prozess um den Zusammenbruch der einstigen Bremer Vorzeigereederei Beluga nach zwei Jahren Verhandlungsdauer jetzt vor dem Ende.

Alle Prozessbeteiligten gingen am Donnerstag nach Abschluss der wahrscheinlich letzten Zeugenbefragung davon aus, dass in der kommenden Woche die Beweisaufnahme abgeschlossen werden kann und die Staatsanwaltschaft dann am 15. Februar ihr Plädoyer halten wird.

In dem Prozess müssen sich der inzwischen in Oldenburg lebende Reedereichef Niels Stolberg sowie drei weitere Konzernmanager wegen Betrugs, Bilanzfälschung, Untreue und Kreditbetrugs verantworten.

Dabei geht es unter anderem um falsche Angaben bei der Finanzierung von Schiffsneubauten sowie geschönte Bilanzen und Auftragsbücher bei den Verhandlungen mit dem amerikanischen Investmentfonds Oaktree, der sich im Jahr 2010 mit insgesamt etwa 160 Millionen Euro an der wirtschaftlich angeschlagenen Reederei beteiligt hatte. In einer Zwischenbilanz hatte das Gericht Stolberg eine Haftstrafe von knapp vier Jahren und den Mitangeklagten Bewährungsstrafen in Aussicht gestellt. Stolbergs Anwälte streben dagegen eine Haftstrafe von weniger als zwei Jahren an, die dann zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Auch in der Verhandlung am Donnerstag sahen sich Stolberg und seine Verteidiger in ihrer Ansicht bestätigt, dass der komplette Bereich des Kreditbetrugs in sich zusammengefallen sei. Im Gericht erklärte die Pressesprecherin der Bremer Landesbank, wie es vor etwa zwei Jahren zu einer bankinternen „Sprachregelung“ als Hilfe für die Mitarbeiter zur Beantwortung von Fragen nach dem Beluga-Komplex gekommen ist. In dem Papier wurde unter anderem auf die Frage nach „aufgeblähten Baukosten“ von Schiffsneubauten eingegangen. In der Antwort hatte es geheißen, dass solche Angaben in der Branche „nicht unüblich“ gewesen seien und man sich deshalb bei der Kreditgewährung nicht an den angegebenen Baukosten, sondern an einem von der Bank in Auftrag gegebenen Wertgutachten orientiert.

Dies hatten Stolberg und seine Verteidiger seit Prozessbeginn immer wieder behauptet und darauf verwiesen, dass den Banken deshalb die Eigenkapitalsituation der Reederei gleichgültig gewesen sei. Ob sich das Gericht der Ansicht anschließt, wird in wenigen Wochen deutlich. Andernfalls wird es wohl zu einem Revisionsverfahren kommen.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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