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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Kritik an Hans-Werner Sinn als Festredner

15.10.2018

Oldenburg Disput an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: Dass das Präsidium und die Universitätsgesellschaft den Ökonomen Prof. Dr. Hans-Werner Sinn als Festredner zur Eröffnung des Akademischen Jahres am 18. Oktober eingeladen haben, stößt auf Widerstand.

Der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität, mehrere Gewerkschaften (DGB Region Oldenburg-Ostfriesland, GEW Niedersachsen, IG Metall Oldenburg, IG Metall Wilhelmshaven und die ver.di Betriebsgruppe der Universität), die Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg sowie unter anderem zahlreiche an der Universität tätige Personen sind Unterzeichner einer öffentlichen Erklärung, in der sie der Universitätsleitung vorwerfen, einen Wissenschaftler eingeladen zu haben, dessen Positionen im Widerspruch zu den Prinzipien Carl von Ossietzkys stünden. Sinns Positionen, so heißt es in der Erklärung, bedeuteten mehr ökologisch schädlichen Ressourcenverbrauch, soziale Ausgrenzung und mehr soziale Ungerechtigkeit. Weiter heißt es: Sinn „ist glühender Verfechter der Atomenergie und er will die Flüchtlingssituation zum Anlass nehmen, Löhne abzusenken. (…) Die Migration osteuropäischer Arbeitskräfte nach Deutschland bezeichnet er als ,fortwährenden Zustrom sogenannter schlechter Risiken‘. Er fordert dagegen eine Immigration von Hochqualifizierten und nimmt damit den Fachkräfteabzug aus den Herkunftsländern in Kauf.“ Die von der Universität auf ihrer Webseite gepriesene Weltoffenheit sehe anders aus.

Die Kritiker wünschen sich zumindest eine „zusätzlich kontrovers angelegte Diskussionsveranstaltung mit Hans-Werner Sinn, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Universität stehe hinter seinen politischen Positionen.“

„Die Einladung Sinns“, stellt die Universität auf NWZ-Nachfrage klar, „stellt kein Bekunden von Sympathie für bestimmte politische Positionen dar.“ Die Universität verstehe sich als Ort des Meinungsaustausches, der Meinungsbildung und der sachlich ausgetragenen Kontroverse. Aus diesem Verständnis heraus sei die Einladung Sinns erfolgt. Die Veranstaltung, bei der Sinn über „Die Entwicklung der Weltwirtschaft: Trump, Brexit, Eurokrise. Was wird aus Deutschland?“ sprechen wird, habe außerdem eine große Resonanz ausgelöst: Sie sei nach wenigen Tagen ausgebucht gewesen. Es gebe zudem eine lange Warteliste.

Am selben Tag solle bei einer hochschulöffentlichen Veranstaltung die Möglichkeit bestehen, mit Hans-Werner Sinn ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren. Das geht den Unterzeichnern der Erklärung allerdings nicht weit genug: Sie hätten sich einen „ebenbürtigen Gegenpart zu Herrn Sinn“ gewünscht. Dieser Vorschlag sei aber abgelehnt worden.

Hans-Werner Sinn

Nach dem Studium bewarb sich der Volkswirt (70) zunächst bei einem Gewerkschaftsinstitut, machte dann aber in der Wissenschaft Karriere. Mit gerade einmal 33 Jahren kam er als Professor von Mannheim nach München, lehrte später auch an den US-Elite-Unis Stanford und Princeton. 1999 ließ er sich beknien, das ausgelaugte Ifo-Institut neu aufzubauen. Mit Erfolg. Nobelpreisträger Robert Solow lobte: «Er hat München zu einem der Weltzentren für Wirtschaftsforschung gemacht.»

In der Fachwelt genießt Sinn hohes Ansehen. Der Deutsche Hochschulverband kürte ihn 2015 zum «Hochschullehrer des Jahres», als «Wissenschaftler, der allein der Rationalität verpflichtet ist und politischen Opportunismus nicht kennt». Zu seiner Verabschiedung als Ifo-Präsident kamen Gäste wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann oder Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Für Gewerkschafter und linke Politiker dagegen ist der streitbare Professor oft ein rotes Tuch. Mit seiner Kritik etwa an den Griechenland-Rettungspaketen, an der Euro-Politik oder am Mindestlohn eckte er an, wurde von einigen als «Professor Unsinn» geschmäht. Sinn habe sich häufig geirrt, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. Linke-Chef Bernd Riexinger meinte: «Sinn steht beispielhaft für Ökonomen, die Ideologie mit Wissenschaft verwechseln und blind gegenüber sozioökonomischen Realitäten sind.»

«Wenn politische Korrektheit eingefordert wird, weil einem die Argumente ausgehen - das finde ich unerträglich», sagt Sinn heute. «In einer Gesellschaft mündiger Bürger müssen wir doch Sachverhalte offen diskutieren können. Ein Argument ist ein Argument. Punkt.»

Jantje Ziegeler
Redakteurin
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2157

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