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Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren
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Lindan-Skandal In Oldenburg
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren

NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Hausverbot nach 30-Minuten-Frist

25.08.2018

Oldenburg Am 22. Februar 2017, ein Mittwoch, landet ein achtseitiges Schreiben eines leitenden Oberarztes auf dem Schreibtisch von Dr. Dirk Tenzer, Vorstand des Klinikums Oldenburg. Der Inhalt: schwere Vorwürfe gegen Chefarzt Prof. Dr. Hans-Rudolf Raab, es geht um Kunstfehler und um Abrechnungsbetrug. Tenzer zögert nicht lange, noch am selben Tag beurlaubt er den Chirurgen „mit sofortiger Wirkung“. Er gibt Raab 30 Minuten, um die Klinik zu verlassen; danach gilt Hausverbot für ihn. Warum er gehen muss, erfährt Raab vorerst nicht. „Sie können noch zwanzigmal fragen – ich sage es Ihnen nicht.“

So schildert Raabs Rechtsanwalt Robert Unger die Vorgänge vor dem überraschenden Weggang des Mediziners, der seit 15 Jahren Chefarzt im Klinikum war. Es ist das erste Mal, dass eine Partei Details öffentlich macht – bislang haben sich beide Seiten immer auf die Schweigevereinbarung berufen. Die sieht Unger mittlerweile „aufgehoben“, auch das Klinikum habe die Vereinbarung mehrfach verletzt.

Unger nennt das achtseitige Schreiben des Oberarztes „ein Pamphlet“, die Vorwürfe „hoch emotional“, getragen von „Narzissmus“ und „Verletztheit“. Verwundert zeigt er sich darüber, dass ein solches Schreiben dem Klinikvorstand genügte, um Strafanzeige gegen einen renommierten Chefarzt zu stellen.

Lesen Sie auch: Raab will zurück ins Klinikum

Das Klinikum stellt die Trennung etwas anders dar (und deutlich detailärmer). In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es knapp, Raab habe im März 2017 „den Wunsch geäußert, das Klinikum verlassen zu wollen. Dem sind wir gefolgt.“ Ansonsten halte man sich an die im Auflösungsvertrag vereinbarte Verschwiegenheitsklausel, „dies gilt eigentlich für alle Vertragsparteien“.

Raab streitet nicht ab, um die Beendigung des Arbeitsverhältnisses gebeten zu haben. Er habe sich vor die Wahl gestellt gesehen, „Kündigung oder Aufhebungsvertrag“. Mehr noch, Tenzer habe zu ihm gesagt: „Für Sie gibt es in dieser Klinik keine Zukunft.“

Im Klinikum hieß es hinter vorgehaltener Hand immer wieder, Raab habe sich nie zu den Vorwürfen eingelassen. Raab bestätigt das: Man habe ihm lediglich eine dreitägige Frist eingeräumt zur Stellungnahme, „zu kurz“. Dann habe er bereits den Auflösungsvertrag unterschrieben, und nur einen Tag später habe Klinikvorstand Tenzer Strafanzeige gegen ihn gestellt. Einlassungen gab es fortan nur gegenüber den Ermittlern.

Lesen Sie auch: Warum zeigte der Oberarzt seinen Chefarzt an? Eine NWZ-Recherche

Die haben jetzt das Verfahren gegen Raab wegen möglicher Behandlungsfehler eingestellt. Zwar laufen noch Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs, die aber beruhten laut Anwalt Unger auf einem „groben Missverständnis“ und dauerten nur so lange an, weil „viele Daten“ ausgewertet werden müssten. Kurz: Unger sieht Raab schon jetzt rehabilitiert, deshalb hat er Journalisten zu einem Pressegespräch eingeladen.

Mit dabei ist auch Raabs Frau Nicola, sie berichtet von einer „sehr schweren Zeit“ für ihre Familie. Sie sei aber „stolz, wie wir da als Familie durchgekommen sind“.

Ist damit alles vorbei? Keineswegs, denn Raab will zurück ins Klinikum. Im September soll das Arbeitsgericht über die Gültigkeit des Aufhebungsvertrags entscheiden. Angenommen, Raab würde tatsächlich zurückkehren – könnte er denn mit Dr. Tenzer und dem schreibenden Oberarzt jemals wieder zusammenarbeiten? Raab lächelt und sagt: „Chirurgen sind disziplinierte Menschen.“

Weitere Informationen über den Fall Raab und das Klinikum in Schieflage erhalten Sie in unserem Online-Spezial.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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