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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Insektengift auf Dachböden – Schweigen macht Bewohner wütend

14.08.2018

Oldenburg Die Nachrichten aus der „Englischen Siedlung“ in Oldenburg schlagen hohe Wellen. Bei Dirk Jahn von der Interessensgemeinschaft klingelt immer wieder das Telefon, verschiedene Medien kündigen sich an. „Hätte ich mit so viel Aufmerksamkeit gerechnet, hätte ich eine Pressekonferenz veranstaltet“, sagt der Pressesprecher beim Treffen mit der NWZ.

Am Sonntag wurde nach einem Bericht des NDR-Fernsehmagazins „Hallo Niedersachsen“ bekannt, dass auf Dachböden von Häusern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) eine hohe Konzentration des Insektengifts Lindan nachgewiesen wurde. In einer Probe seien in einem Labor 891 Milligramm Lindan pro Kilogramm Holz festgestellt worden. Toxikologen sprechen dem Bericht zufolge bei 100 Milligramm von einer sehr hohen Belastung.

Mehr zum Thema Lindan: Wie Chemie im Haus eine ganze Familie krank machte

Was Dirk Jahn am meisten ärgert, ist das Schweigen. Die Bima hatte die Bewohner der „Englischen Siedlung“ nicht informiert. Ein Gutachten über die hohe Schadstoffbelastung war der Interessensgemeinschaft anonym zugespielt worden. „Wir bemängeln schlicht und ergreifend die Informationspolitik der Bundesanstalt“, sagt der Sprecher. „Die sitzen alles aus.“

Soldatensiedlung

Die Siedlung in Oldenburgs Stadtnorden wurde in den 50er-Jahren für die englischen Besatzungssoldaten vom benachbarten Fliegerhorst gebaut.

Besitzer ist der Staat, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA. Insgesamt gibt es in der Siedlung 97 Häuser, 95 sind bewohnt. Heute kann dort jeder wohnen.

Rund 60 Mietparteien haben sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um sich für den Erhalt und die Sanierung der Siedlungshäuser einzusetzen.

Am Montag nun, nachdem viele Medien auf den Fall aufmerksam geworden sind, gab es eine Stellungnahme der Bundesanstalt: Die Untersuchungen des Gutachters reichen nicht aus, um verlässlich ein mögliches Gesundheitsrisiko zu bestimmen, heißt es. „Nach Einschätzung der Bima bestand für die Mieter vielmehr keine unmittelbare Gesundheitsgefahr“, sagte ein Sprecher. Die Bundesanstalt habe nach Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse im April ein weiteres Gutachten erstellen lassen. „Das Ergebnis: Die Konzentration von Holzschutzmitteln in der Raumluft erreicht keinen Wert, der bei einer normalen Nutzung der Dachböden zu einer gesundheitlichen Gefährdung führt.“

Von einer Benachrichtigung der Mieter habe man abgesehen, um sie nicht unnötig zu verunsichern. Die Interessensgemeinschaft hatte am Freitag Strafanzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung durch Unterlassen gestellt. Auch haben einige Bewohner bereits Arzttermine vereinbart, um sich durchchecken zu lassen. „Wegziehen wollen wir aber nicht“, stellt Dirk Jahn klar. „Wir lassen uns nicht mürbe machen.“

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Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2155
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