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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Hier finden  Menschen mit Behinderung Rat und ein offenes Ohr

20.07.2019

Oldenburg Seit mehr als einem Jahr gibt es im Oldenburger Land ein Beratungsangebot für Menschen mit Behinderungen, das zunehmend in Anspruch genommen wird, aber vielen Ratsuchenden auch noch gänzlich unbekannt ist. Die Rede ist von der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB), die durch das Bundesteilhabegesetz eingeführt wurde und seit dem 1. Januar 2018 die Beratung der Rehaträger ergänzt.

Hinter dem eher sperrigen Begriff verbirgt sich ein Unterstützungsangebot für Menschen, die eine Beeinträchtigung haben oder von einer solchen bedroht sind, aber auch für Eltern, Angehörige, Betreuer sowie alle anderen, die Fragen rund um das Thema Behinderung haben. In Oldenburg bietet der Verein SeGOld (Selbstbestimmt Leben – Gemeinschaft Oldenburg) die Teilhabeberatung mit vier Teilzeit-Kräften an und verzeichnet nach Angaben von Projektkoordinatorin Melanie Straßburger seit etwa einem halben Jahr einen regelrechten Boom an Anfragen.

Die Themen bei den Beratungen sind breit gefächert. Oft geht es um die Unterstützung bei Anträgen, etwa für einen Schwerbehindertenausweis oder die Zuerkennung eines Pflegegrades. Ein bedeutender Punkt ist die Frage, ob einem Menschen mit Behinderung ein Persönliches Budget beziehungsweise eine Assistenz zusteht. Straßburger betont: „Wir bieten keine Rechtsberatung, klären aber über die Rechte auf.“ Oft gehe es vor allem ums Zuhören, um herauszufinden, wie die individuelle Zukunftsplanung aussieht. Ob beispielsweise für eine berufliche Umschulung ein Umzug infrage kommt, oder es wichtiger ist, vor Ort zu bleiben. Grundidee dieser vertraulichen Gespräche ist es, dass sie auf Augenhöhe stattfinden, was durch das sogenannte „Peer Counceling“ gewährleistet werden soll. Das heißt, die Berater sind selbst von einer Behinderung betroffen.

Sind Wünsche und Bedarfe des Ratsuchenden geklärt, geht es um die Frage, bei welchem Kostenträger (zum Beispiel Krankenkasse, Agentur für Arbeit, Rentenversicherung) die Leistung zur Teilhabe am besten zu beantragen ist. Straßburger bedauert, dass manche Ratsuchende sich erst dann an die EUTB wenden, „wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“. Sprich: Die potenziellen Rehaträger die Zuständigkeiten hin und her schieben. Von Vorteil sei es also, möglichst vor der Beantragung von Leistungen eine EUTB aufzusuchen.

Das verbirgt sich hinter „EUTB“

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) unter dem Motto „Eine für Alle“ versteht sich als zentrale Anlaufstelle und Wegweiser für alle Fragen rund um das Thema Teilhabe und Behinderung. Sie ist Schnittstelle zwischen Menschen mit Behinderung und den Kostenträgern. Die Beratung erfolgt ergänzend und unabhängig von den Stellen, die die Leistungen bezahlen oder erbringen.

Bundesweit haben sich mehr als 500 EUTB gegründet, die jährlich mit mehr als 58 Millionen Euro aus Bundesmitteln unterstützt werden.

Die Beratung erfolgt kostenlos und auf Augenhöhe von Betroffenen für Betroffene („Peer Counceling“). Die Berater unterliegen der absoluten Schweigepflicht.

Weitere Informationen, ein Film und eine Auflistung aller Beratungsstellen unter

    www.teilhabeberatung.de

Voraussetzung dafür ist, dass das noch recht neue Beratungsangebot bekannter wird. Daran arbeiten auch die anderen Beratungsstellen in der Region, wie beispielsweise Tobias Kiefer, Berater in Delmenhorst. Nach seiner Erfahrung geht es oft zunächst einmal darum „bei einem Kaffee anzuhören, wo der Schuh drückt“. Mit diesem niedrigschwelligen Angebot begrüßt er Ratsuchende in seinem Büro am Kirchplatz und hofft auf weiteren Zulauf.

Steigende Nachfrage nach Beratung verzeichnen auch die Beratungsstellen der Caritas in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta. In den beiden Kreisen stehen neben den insgesamt vier hauptamtlichen Ansprechpartnern auch ehrenamtliche Berater bereit. In einwöchigen Schulungen haben sich 26 „Peers“ darauf vorbereitet, wie sie anderen Menschen mit Behinderungen helfen können. Sie haben zum Beispiel gelernt, wie sich die Beratungssituation angenehm gestalten lässt oder was in schwierigen Gesprächssituationen zu tun ist. „Viele der Schulungs-Teilnehmer arbeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Wir sehen sie als Botschafter der EUTBs und versuchen, dadurch einen niedrigschwelligen Zugang zu allen Ratsuchenden zu finden“, sagt Nicole Nordlohne vom Landes-Caritasverband für Oldenburg in Vechta.

In der Wesermarsch ist die EUTB unter der Trägerschaft des Sozialverband Deutschland (SoVD) im Februar gestartet. Ebenso wie die anderen Berater ist Jutta Kroog derzeit noch intensiv damit beschäftigt, ihr Angebot in der Region bekannt zu machen. Neben den Sprechzeiten am Hauptstandort in Brake steht sie während monatlicher Termine in Lemwerder, Jade und Nordenham für Gespräche bereit.

Von stetig steigender Nachfrage berichtet auch Gabriele Rathmann von der Beratungsstelle in Westerstede, ebenso Marion Ahlers von der EUTB der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), die seit Mai 2018 mit Sitz in Oldenburg berät. Ahlers betont, dass die DMSG-Beratungsstelle nicht nur Menschen mit Fragen zu MS offensteht. „Jeder kann sich mit seinen Fragen an jede EUTB wenden, ganz gleich, um welche Erkrankung es geht oder wer der Träger der Einrichtung ist.“

Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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