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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Hier können Schnäppchen teuer werden

07.12.2017

Oldenburg Hinter der Hausnummer 7 in der Straße An der Kolckwiese in Oldenburg -Kreyenbrück endet in diesen Tagen der Weg vieler vermeintlicher Schnäppchen, das der eine oder andere Oldenburger im Internet gefunden hat. Das „supergünstige iPhone“, die vermeintliche Designer-Handtasche und die gefälschten Viagra-Pillen, hier landen sie alle: Postpakete aus dem Ausland, die bei der Abfertigung im Großverteilzentrum Frankfurt aufgefallen sind. In diesem Jahr werden es – nach jetziger vorsichtiger Schätzung für den Dezember – rund 7200 Pakete sein. Das sind etwa 600 mehr als im Vorjahr. Der steigende Internethandel macht sich hier bemerkbar. „Meistens erregt die Zollinhaltserklärung Verdacht“, sagt der Leiter des Zollamts, Ralf Koch. „Entweder ist sie zu allgemein oder der Warenwert nicht plausibel.“ Dann wandert die Sendung zum für den Wohnort des Empfängers zuständigen Hauptzollamt, wo es im Beisein der Beamten geöffnet werden muss. Ist der Inhalt teurer als 22 Euro, wird die Einfuhrumsatzsteuer dafür fällig, über 150 Euro Warenwert kommt noch Zoll dazu.

Noch häufiger erweist sich der Inhalt als Markenschutz-Verletzung. „Es wird alles gefälscht“, sagt Ralf Koch. Sogar gefälschte Hornhauthobel haben es schon in die Asservatenkammer des Zollamts geschafft. Für Plagiate erhebt der Zoll vom Käufer keine Strafe, aber sie werden ebenso konsequent wie rustikal zerstört – Taschen und Schuhe mit der Schere, Smartphones mit dem Bolzenschneider. Der Fund wird außerdem dem Inhaber der Markenrechte, also dem „plagiierten“ Unternehmen mitgeteilt, das unter Umständen auch den Käufer des Plagiats zur Kasse bittet.

„Die meisten Unternehmen scheuen den Aufwand dafür“, räumt Ralf Koch ein. „Man kann sich aber nicht darauf verlassen. Louis Vuitton etwa ist bekannt dafür, jeden Käufer einer Fälschung in Regress zu nehmen“.

„Da besteht natürlich ein starkes Spannungsfeld zwischen dem Bürger und uns“, sagt Frank Mauritz, Pressesprecher des Hauptzollamts Oldenburg. „Man freut sich noch über ein Schnäppchen und dann muss man plötzlich beim Zoll erscheinen, das Paket öffnen und bekommt den Inhalt dann womöglich gar nicht ausgehändigt.“ Den so entstehenden Unmut könnten die Kollegen aber sehr schnell deeskalieren, versichert Mauritz. „Bei Plagiaten sind viele Verbraucher einsichtig, wenn sie die minderwertige Qualität ihres Kaufs sehen.“ Ein weiteres gewichtiges Argument der Beamten ist die Produktsicherheit. „Wenn sie sehen, dass der Fön ohne CE-Kennzeichen durchaus auch mal Feuer fangen kann, sind die betroffenen Kunden überzeugt, dass wir hier das richtige tun.“

Um in der Vorweihnachtszeit nicht beim Zollamt erscheinen zu müssen, empfiehlt Mauritz, sich die Verkaufs-Plattform im Internet genau anzusehen und möglichst nur dort zu bestellen, wo man schon gute Erfahrungen gemacht hat. „Die Verkaufsseiten von Plagiat-Anbietern sind oft täuschend echt denen der Markenhersteller nachempfunden, inklusive aus dem Internet zusammengesuchten Fotos“, weiß Rolf Koch. Wichtigste Instanz sollte außerdem der gesunde Menschenverstand sein. „Was nicht geht, geht nicht“, betont Frank Mauritz. „Und eine Rolex für 50 Euro, das geht nun einmal nicht.“

Was auch nicht geht, sind Waffen oder Nazi-Devotionalien. Während Waffen auf dem Postweg relativ selten sind, stoßen die Zöllner immer wieder auch auf importierte Ausgaben von „Mein Kampf“, Sammelgut aus der NS-Zeit, dieser Zeit nachempfundene „Fanartikel“ mit eindeutigen Symbolen wie Hakenkreuzen oder SS-Runen. Dass solcher Schund zuletzt auch über Drittanbieter auf seriösen Plattformen aufgetauscht ist, kommt in Schüben immer wieder vor. Meist verschwinden solche Anbieter schnell wieder von dort.

Aus dem Verkehr zieht der Zoll auch vermehrt Medikamente. Dabei ist das Viagra-Plagiat aus Fernost inzwischen glücklicherweise auf dem Rückzug. „Das sehen wir auch als Erfolg unserer Arbeit, wenn die Leute bewusster mit diesem Problem umgehen“, sagt Mauritz. Dafür steigt die Zahl privat eingeführter Medikamente aus dem Ausland . Meistens sind das Schmerztabletten oder Salben, die zugewanderte Bürger aus ihren Heimatländern kennen und die dort auch völlig legal sind. „Das ist aus Sicht der Menschen verständlich, aber verboten. Medikamente dürfen nur von Apothekern eingeführt werden, denn nur sie stehen für alles, was sie verkaufen, rechtlich gerade.“

Und schließlich landen auch Präparate in Kreyenbrück, die das Washingtoner Artenschutzabkommen verletzen. Nashornpulver oder Präparate, die aus artgeschützten Pflanzen stammen, werden ebenfalls aussortiert.

Seit 20 Jahren gibt es das Zollamt in Kreyenbrück. Vorher war sein Sitz am Hauptbahnhof und hatte hauptsächlich mit Kühen zu tun. Genauer gesagt mit der Abwicklung von Subventionserstattungen für die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte, in der Region hauptsächlich Rinder und Rindfleisch. Dieses Betätigungsfeld ist mit dem Subventionsabbau der vergangenen Jahre fast verschwunden.

Hinzugekommen wiederum ist 2014 der Einzug der Kraftfahrzeug-Steuer. Im Stockwerk über der Einfuhrkontrolle residiert das Sachgebiet B, „Abgabenerhebungen“. Neben der Kfz–Steuer sowie Zoll und Einfuhrabgaben werden dort auch die Verbrauchssteuern etwa auf Tabak, Branntwein oder Strom eingezogen. „Das ist das eigentliche Rückgrat des Hauptzollamtes“, sagt Frank mauritz. „Finanziell ist da oben am meisten los.“

Der Einzug der Kfz-Steuer hat sich in den drei Jahren eingespielt und geht weitgehend „lautlos“, weil per Lastschriftverfahren ab. „In fast allen Kommunen gehört die Lastschrift zwingend zur Anmeldung eines Fahrzeugs“, weiß Ralf Koch. „Säumige Zahler werden hauptsächlich im Zuge von Fahrzeugwechseln ermittelt.“

In diesem Fall ist die Zahlungsmoral aber auch sehr hoch, sagt Frank Mauritz. „Wenn es um das Auto geht, sind die Leute sehr korrekt und sehr bemüht, das Malheur auszuräumen.“

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