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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Große Sorge um Medizin-Studium in Oldenburg

22.08.2018

Oldenburg Ist die Ärzte-Ausbildung in Oldenburg in Gefahr? Das befürchten jedenfalls die „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest“: Der Vereinsvorstand sei „tief besorgt“ über die „aktuelle Kliniksituation“, sagte Vorsitzender Dr. Gerd Pommer am Dienstag bei einem Pressegespräch in der Universität Oldenburg. Die Kritik zielt vor allem auf das Klinikum Oldenburg, das seit Monaten nicht aus den Negativschlagzeilen herauskommt.

Hintergrund: Im Oktober begutachtet der Wissenschaftsrat erneut den bundesweit einzigartigen Medizinstudiengang an der „European Medical School“, der sich laut Pommer immer noch in der Erprobungsphase befindet. In seinem ersten Gutachten aus dem Jahr 2010 habe der Rat den Studiengang zwar grundsätzlich befürwortet, insbesondere bei den Oldenburger Krankenhäusern aber Verbesserungen eingefordert. „Die Situation ist nicht besser geworden“, sagt Pommer und warnt: „Ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen.“

Mit Blick aufs Klinikum beklagt der Verein einen „dramatischen Verlust an medizinischer Kompetenz, eine in diesem Umfang nie gekannte Fluktuation beim Fachpersonal auf allen Hierarchieebenen sowie ein alarmierendes finanzielles Defizit, das stetig weiter steigt und alle bisher vorgelegten Prognosen ad absurdum führt“.

Druck auf den Vorstand wächst

Damit erhöht sich der Druck auf den Alleinvorstand des Klinikums, Dr. Dirk Tenzer – und auf Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) als Vertreter der Stadt Oldenburg, Trägerin des 830-Betten-Hauses. Das Klinikum befindet sich seit Monaten im Krisenmodus, mit dem Verein der „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest“ sprechen sich jetzt aber erstmals offen namhafte Persönlichkeiten für Veränderungen an der Führungsspitze des größten Oldenburger Krankenhauses aus.

Die „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin“ warnen davor, dass sich die aktuellen Probleme ansonsten negativ auf den Medizinstandort Oldenburg auswirken könnten. „Dieses bundesweit einzigartige Projekt medizinischer Ausbildung hat für die Region herausragende Bedeutung“, sagte Pommer. „Ein Scheitern wollen wir unbedingt verhindern.“

Pommer sagte, der Freundeskreis habe schon frühzeitig die Verantwortlichen, darunter den Oberbürgermeister, auf diese drohende Fehlentwicklung hingewiesen, „bislang jedoch ohne Erfolg“. Der laut Pommer „um weitere bekannte Persönlichkeiten aus der Region ergänzte Vereinsvorstand“ will nun in eine neue Gesprächsrunde gehen – und trägt zugleich erstmals konkrete Änderungsvorschläge in die Öffentlichkeit.

Fürs Klinikum stellt sich der Freundeskreis ein neu besetztes Kontrollgremium vor. Im derzeitigen Verwaltungsrat finde man „Leute, die eher nach politischer Couleur ausgesucht wurden, die aber aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation nicht die Voraussetzung mitbringen, die ein Aufsichtsorgan haben sollte“, so Pommer. Tatsächlich sitzen im neunköpfigen Verwaltungsrat sechs Mitglieder des Stadtrats, darunter der Oberbürgermeister – aber kein einziger Mediziner.

Scharfe Kritik an Führungsspitze

Ein „besonderes Konstrukt“ ist nach Ansicht des Freundeskreises auch der aus nur einem einzigen Geschäftsführer bestehende Vorstand – das sei absolut unüblich für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 230 Millionen Euro. Nach Meinung des Freundeskreises sollte die Universitätsmedizin in die Verwaltung des Klinikums einbezogen werden, „zum Beispiel durch einen Vorstandssitz für den Dekan“, wie Dieter Boll vorschlägt, ehemaliger Vizepräsident der Bezirksregierung Weser-Ems und Neumitglied im Freundeskreis-Vorstand.

Nach Informationen der NWZ decken sich diese Vorstellungen weitgehend mit Vorschlägen der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), die derzeit im Auftrag des Oldenburger Stadtrats das Klinikum unter die Lupe nimmt. Auch im BCG-Gutachten soll von einer Erweiterung des Vorstands und einer Neuausrichtung des Aufsichtsrats die Rede sein.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann wollte das auf Nachfrage der NWZ nicht kommentieren. „Es ist bekannt, dass wir uns im Prozess der Begutachtung befinden, der noch nicht abgeschlossen ist“, sagte er. „Klar ist, dass sich viel verändern muss – mit dem Ziel, die beste Medizin für Oldenburg zu bekommen.“

Zur öffentlichen Kritik der „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest“ am Klinikum sagte Krogmann nur: „Ich finde es gut, dass sich so namhafte Persönlichkeiten engagieren für unser Haus.“

Klinikum in den Schlagzeilen

Das Klinikum Oldenburg steht seit Monaten im Fokus der Öffentlichkeit: Das Haus schreibt rote Zahlen, viele Mediziner und Pflegekräfte sind in andere Kliniken abgewandert, es gibt Diskussionen über eine möglicherweise erhöhte Sterberate bei speziellen Krebsoperationen. Auch der Fall des Klinikmörders Niels Högel macht weiterhin Schlagzeilen (und hat millionenschwere Rückstellungen zur Folge). Vor allem aber gilt das Verhältnis von Vorstand Tenzer und einem Großteil der Chefärzte als zerrüttet. 2017 trennte sich das Klinikum von Chefarzt Prof. Dr. Hans-Rudolf Raab, einer der Initiatoren des Oldenburger Medizinstudienganges und bis vor kurzem Vorstandsmitglied der „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest“. Gegen Raab ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der falschen ärztlichen Behandlung und des Abrechnungsbetrugs.

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Das sind die „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest“:

Neu im Vorstand des Vereins der „Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest“ sind Dieter Boll (ehemaliger Vizepräsident der Bezirksregierung Weser-Ems), Dietmar Schütz (ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg) und Rolf Seelheim (ehemaliger Chefredakteur der Nordwest-Zeitung). Vorstandsvorsitzender bleibt Dr. Gerd Pommer (ehemaliger Vorsitzender der Ärztekammer Oldenburg), sein Stellvertreter ist Dr. Karl Harms (Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer Oldenburg). Außerdem weiterhin im Vorstand sind Helmut Scherbeitz (Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung in Oldenburg) und Schatzmeister Torsten Ley (Oldenburgische Landesbank). Nicht mehr dabei sind der ehemalige Klinikum-Chefarzt Prof. Dr. Hans-Rudolf Raab und Reto Weiler.

www.nordwestmedizin.de

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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