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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wenn die eigene Welt klein wird

06.08.2019

Oldenburg /Wardenburg Anke Heidenreich kann sich noch genau an den Extremfall erinnern. Der Hausarzt habe das Team auf die Situation der alten Dame aufmerksam gemacht, erzählt die Diplom-Sozialpädagogin vom Team der evangelischen Seniorenhilfe (Evasenio) in Oldenburg. Beim Erstbesuch habe schon der Flur im Mehrfamilienhaus furchbar gestunken. Die Wohnung war verdreckt, die ältere Dame wohnte verwahrlost, zurückgezogen und einsam. Die Einkäufe brachten Angehörige vorbei, die aber am Ende auch nicht mehr mit der Situation umzugehen wussten.

Es sind Fälle wie dieser, die verdeutlichen, was Einsamkeit im Extremfall mit einem Menschen macht. Gott sei Dank seien diese aber selten, betont Anke Heidenreich. Das Thema Einsamkeit begegne ihr definitiv hin und wieder im Berufsalltag. Sicher gebe es aber auch viel unerkannte Einsamkeit.

Einsamkeit im Alter entwickelt sich langsam, das weiß auch Carola Lankenau, Leiterin der Tagesbetreuung der Diakonie in Wardenburg (Landkreis Oldenburg). Gute Freunde von früher versterben, der Freundeskreis wird immer weniger. Die körperlichen Einschränkungen werden mehr. Wenn man nicht fit genug ist, wird die eigene Welt sehr klein.

Schwierig sei, wenn der Stolz der älteren Menschen im Weg stehe. Wenn sie den Besuchsdienst nicht annehmen möchten. „Sie möchten nicht zugeben, dass sie jemanden brauchen, der sie besucht“, sagt Heidenreich. Denn dann schämen sich die Senioren.

„Das brauche ich nicht“

Bei manchen Erstbesuchen würde das Team regelrecht merken, wie die Einsamkeit aus allen Ecken kriecht. Auf die Frage, ob denn mal jemand vom Besuchsdienst oder Pflegedienst vorbeikommen soll, kommt dann aber die Antwort „Nein, das brauche ich nicht.“ Einsamkeit bedeute abschotten, zurückziehen, misstrauen. „In meinen Augen hat es wenig mit dem finanziellen Aspekt zu tun – es gibt viele Angebote für Senioren, die wenig bis gar kein Geld kosten.“ Und fast jede Kirchengemeinde habe einen Seniorenkreis oder Besuchsdienst.

Bei der Tagesbetreuung in Wardenburg werden die älteren Menschen, im Durchschnitt zwischen 80 und 90 Jahre alt, von zu Hause abgeholt und verbringen den Tag bei der Diakonie. Manche der Senioren leben allein, weil der Partner oder die Partnerin schon verstorben ist oder die Kinder sehr weit weg wohnen. Andere haben noch einen Partner oder manchmal auch Angehörige mit im Haus. Besonders aber für diejenigen, die allein wohnen, ist das Wochenende mitunter sehr lang. Lankenau betont, wie wichtig die Betreuung für die Senioren ist: „Wenn sie nicht hierher kommen, fehlt den älteren Menschen der soziale Kontakt. Dann vereinsamen sie“, sagt Lankenau. Einige wenige haben noch einen engen Verbund mit der Nachbarschaft.

Aktivitäten mit der Gruppe und Abwechslung seien wichtig, sagt Lankenau. Beim Treffen in der Tagesbetreuung haben die Senioren gemeinsame Gesprächsthemen, die sonst vielleicht gar nicht zur Sprache kommen. Bei der Diakonie frühstücken sie gemeinsam, machen Ausflüge oder Seniorengymnastik.

Dass Menschen vereinsamen liege ihrer Ansicht nach nicht nur an der fehlenden Mobilität, sondern auch am fehlenden Wissen, mit dem Internet umzugehen. Im Kreis der Wardenburger Senioren wird das Thema nicht verschwiegen: „Die Senioren sprechen schon offen darüber, wenn sie einsam sind“, sagt Lankenau.

Senioren abholen

Richtig vereinsamte Menschen würden es von allein nicht raus schaffen, meint Anke Heidenreich. „Man muss sie abholen – aber zaghaft.“ Die ältere Oldenburger Dame habe das Team von Evasenio zunächst überzeugen müssen. Angefangen mit einer Stunde pro Woche, kam immer öfter ein Besuchsdienst vorbei, am Ende ging die Dame zum Seniorenkreis. „Sie hatte wirklich noch eine schöne Zeit“, erinnert sich Heidenreich. Bis die Dame schließlich friedlich starb.

Tonia Hysky Redakteurin / Newsdesk
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