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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wilhelmshavener Klinik war in Insolvenzgefahr

20.02.2019

Oldenburg /Wilhelmshaven Das war ein böses Erwachen für Andrea Aulkemeyer. Entsetzt stellte die Krankenhaus-Managerin kurz nach ihrem Dienstbeginn im Sommer 2012 fest, dass das Wilhelmshavener Reinhard-Nieter-Krankenhaus in einer wirtschaftlichen Situation war, an die sie nicht im Traum zuvor gedacht hätte. Aufgelaufene Bilanzverluste im zweistelligen Millionenbereich, akute Liquiditätsprobleme, die Gemeinnützigkeit in Gefahr, Mitarbeiter, die in unterschiedlichen Firmen unterschiedlich bezahlt wurden, Unklarheiten in der Kontoführung, ...

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Als Zeugin vor dem Oldenburger Landgericht fasste sie am Dienstag zusammen: „Das Haus stand so eng mit dem Rücken an der Wand, wie man sich das extremer nicht vorstellen kann.“ Im Zuge ihrer Bestandsaufnahme wurde sie dann auf die Ruhestandsregelung für ihren Vorgänger Jörg Brost aufmerksam. Der war im Herbst 2011 im Alter von damals 59 Jahren als Krankenhaus-Geschäftsführer ausgeschieden, nachdem zuvor ein Konstrukt geschaffen worden war, aufgrund dessen er 75 Prozent seines Gehalts, also monatlich 18.000 Euro erhielt.

Jörg Brost (r), ehemaliger Direktor des städtischen Reinhard-Nieter-Krankenhauses in Wilhelmshaven. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Dieser „goldene Handschlag“ wird seit Anfang des Monats vom Landgericht Oldenburg untersucht. Ex-Klinikchef Brost sowie der damalige Wilhelmshavener Oberbürgermeister Eberhard Menzel und drei weitere Ratsmitglieder müssen sich wegen des Vorwurfs der Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten. Die Anklage spricht von einem Gesamtschaden von knapp 2,8 Millionen Euro.

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„Da kommt man schon ins Schwitzen, wenn man nicht weiß, wie man Rechnungen und Löhne bezahlen kann,“ schilderte Brost-Nachfolgerin Aulkemeyer als Zeugin vor Gericht. Die extreme Insolvenzgefahr habe dazu geführt, dass sie nur noch wenig schlafen konnte: „Es war ziemlich alles so, wie man es nicht erwartet.“ Externe Berater hätten geholfen, die Situation aufzuarbeiten – dabei sei man auf die teure Ruhestandsregelung für Brost gestoßen. Für sie selbst sei das angesichts der großen Gesamtprobleme ein Nebenschauplatz gewesen. Sie habe den externen Juristen gesagt, wenn etwas zu tun wäre, sollten sie es tun. So kam es letztlich zur Einschaltung der Staatsanwaltschaft.

Dass es zu der wirtschaftlichen Schieflage überhaupt kommen konnte – offenbar ohne dass die Aufsichtsgremien davon etwas bemerkt hätten – könnte nach Ansicht von Prozessbeobachtern an der Art und Weise liegen, wie die Mitglieder der Kontrollgremien vom Krankenhaus-Geschäftsführer und Oberbürgermeister behandelt wurden. So hatte ein Mitglied des Aufsichtsrats vor Gericht geschildert, dass man beispielsweise keine Sitzungsprotokolle erhalten habe. Wer sie habe lesen wollen, hätte dies im Sekretariat des Klinikchefs tun dürfen – aber selbst das Anfertigen von Notizen sei ihnen untersagt worden.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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