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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

So leben Denise und Frithjof in der Pferdemarktkaserne

25.07.2018

Oldenburg „Dann kommt mal rein!“ Eigentlich hat Denise Lehmann gar keine Zeit für uns. Sie sitzt gerade an ihrer Bachelorarbeit. Gleichzeitig muss sie auch noch eine Hausarbeit zu Ende schreiben. Bis Montag. Aber: Sie nimmt sich die Zeit. Und unser Besuch ist eine willkommene Ablenkung vom Lernen.

Denise kommt aus Ahlhorn und hat sich bewusst für die nahegelegene Unistadt Oldenburg entscheiden: „Ich wollte nicht so weit von der Familie weg.“

Denise Lehmann in ihrer Studentenwohnung: Wenn sie nicht fleißig Hausarbeiten schreibt (wie jetzt), zeichnet, fotografiert und zockt sie am liebsten. (Foto: Inga Wolter)

Schon Tage vor dem Umzug hatte Denise Lehmann all ihre Sachen daheim, bei ihren Eltern in Ahlhorn, zusammengepackt – in „freudiger Erwartung“, wie sie heute erzählt. Ihre Familie half ihr beim Umzug, zusammen schleppten sie die Sachen in den dritten Stock der Pferdemarktkaserne. Dann fuhren sie nach Hause – und Denise blieb da.

„Das erste Mal allein in der Wohnung, der ersten eigenen Wohnung – das war schon komisch“, erinnert sich die 22-Jährige. Drei Jahre ist ihr Umzug jetzt her. Seitdem wohnt die Lehramtsstudentin mit den Fächern Kunst und Englisch am Pferdemarkt, zunächst in einem Doppelappartement, dann in einer Einzelwohnung. „Da muss ich mich nur über meinen eigenen Dreck ärgern“, sagt sie und lacht.

Als sie vor drei Jahren auf der Suche nach einer Studentenbude war, stand das Wintersemester schon kurz bevor. Die Zeit wurde knapp. „Zuerst habe ich mich bei privaten WGs beworben“, erzählt sie – ohne Erfolg. „Das hat nicht sofort geklappt. Ich wollte mich nicht weiter mit WG-Castings quälen und habe mich darum beim Studentenwerk beworben.“ Das ging per Online-Formular auf der Internetseite.

Pferdemarktkaserne bei Nacht: Dieses Foto hat Frithjof Splettstößer von „seinem“ Wohnheim gemacht. (Bild: Frithjof Splettstößer)

Sie hätte Glück: Eine Woche vor Semesterbeginn konnte sie einziehen. Die 22-Jährige hat es sich in ihrer kleinen Wohnung – Küche, Bad, ein Zimmer – gemütlich gemacht. Auf einer Kommode stehen Fotos von Familie und Freunden, im Regal liegt ihre Kameraausrüstung. Das Zimmer ist etwas unpraktisch geschnitten, weil es sehr spitz zuläuft. „Aber die Ecke habe ich ja gut genutzt“, sagt Denise. Dort hat ihr großer, gelber Sessel einen perfekten Platz gefunden.

Wartezeiten für die Studentenwohnheime

Denise hat zu einigen anderen Bewohnern Kontakt, aber nicht zu besonders vielen, wie sie erzählt. „Es ist ja viel Wechsel hier. Dann lernt man jemanden kennen und derjenige ist direkt wieder weg.“ Das ist ein Nachteil des Lebens in einem Studentenwohnheim. Aber es gibt auch Vorteile: „Hier ist immer jemand, der einem weiterhelfen kann.“

Wohnen in der Pferdemarktkaserne

Im Studentenwohnheim am Pferdemarkt gibt es 22 Einzelappartements, 74 Doppelappartements und 23 Dreier- und Vierer-WGs und vier Achter- und Zwölfer-WGs. Insgesamt gibt es Platz für 301 Studenten.

Die Preise liegen zwischen 165 und 380 Euro warm, Nachzahlungen ergeben sich nicht. Hinzu kommen eventuelle Telefongebühren und der Rundfunkbeitrag. Insgesamt unterhält das Studentenwerk Oldenburg in der Huntestadt Häuser und Wohnanlagen mit 1429 Plätzen. Über 15.600 Studenten in Oldenburg (Stand Wintersemester 17/18). Ein kleiner Teil wohnt also in Studentenwohnheimen.

Vergeben werden die Plätze nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bewerben kann man sich, sobald der Studienort feststeht, per Online-Formular für eine Wohnanlage. Wenn der gewählte Studiengang nicht zulassungsfrei ist, benötigt man den Zulassungsbescheid der Hochschule. Die Wartezeiten können bei wenigen Monaten bis zu anderthalb Jahren liegen.

Wenn man eine Frage hat. Wenn eine Kochzutat fehlt. Wenn man ein Möbelstück verkaufen will. Über die interne Facebook-Gruppe klärt sich das meistens ganz schnell. Oder man wendet sich an den Heimrat.

Und auch der Preis spricht für die Pferdemarktkaserne, sagt Denise. Sie bezahlt für ihr Einzelappartement 300 Euro warm. „Das ist für die Lage in Ordnung“, sagt Denise. „Günstiger bekommt man es in der Innenstadt nicht.“

Die Wohnungssituation in Oldenburg für Studenten nimmt Denise „als sehr schwierig“ wahr. „Man braucht sehr lange, bis man was Bezahlbares findet.“ Einige pendeln deshalb oder suchen sich weiter draußen eine Wohnung. „Aber außerhalb von Oldenburg zu wohnen ist schon doof.“ Zum Beispiel, wenn man dann nach der Party nicht mehr nach Hause kommt.

Lesen Sie auch unsere Reportage: Verzweiflung pur – Wohnungssuche im Oldenburger Land

Apropos Partys: In der Pferdemarktkaserne steigen ab und zu Flurfeten. Einer lädt ein und vor seiner Wohnungstür wird gefeiert. „Das ist manchmal etwas zu laut“, sagt Denise. „Aber da kann man drüber hinwegsehen.“ Blöd findet sie es nur, wenn die Partygesellschaft anschließend nicht aufräumt.

Von den Mittwochabend-Partys mit Ghettoblaster auf dem Flur weiß auch Frithjof Splettstößer zu berichten. „Vor der Uni-Nacht der Clubs zum Beispiel ist hier auch mal was los! Den Bass hört man dann auch noch drei Stockwerke tiefer.“ Aber so oft sei das ja nun auch nicht der Fall.

Frithjof Jansen wohnt ebenfalls in der Pferdemarktkaserne, engagiert sich als Jadelotse, im Heimrat und sorgt bei Konzerten für den guten Sound. (Foto: Inga Wolter)

Was ihn viel mehr nervt: das Waschen. Im gemeinsamen Waschraum seien manchmal alle Maschinen belegt, wenn er mit seiner Schmutzwäsche ankomme. Aber Frithjof kennt einen Trick: „Man muss nur wissen, dass nachts keiner wäscht.“ Er sammelt also und veranstaltet ab und zu eine „Waschparty“: Alle sieben Maschinen laufen gleichzeitig und anschließend hat er wieder für mindestens einen Monat waschfrei.

Frithjof ist auf ähnliche Weise wie Denise in der Pferdemarktkaserne „gelandet“. Er schaute sich zunächst auf dem freien Wohnungsmarkt um, wurde aber nicht fündig. Zum Teil bekam er noch nicht einmal Antworten auf seine Anfragen. „Bei WGs muss man immer durch ein Casting“, sagt er. „Das war beim Studentenwerk leichter: Man bewirbt sich einfach.“

So wohnen Studenten in Deutschland

Die Durchschnittsmiete bei Studenten liegt in Deutschland laut der Sozialerhebung des Studentenwerks von 2016 bei 323 Euro warm pro Monat. Die durchschnittliche Bruttowarmmiete beträgt bei den Studentenwerken 240,61 Euro im Monat. Insgesamt verfügen Studenten im Durchschnitt über 918 Euro im Monat. Dabei wurden allerdings nur Studenten berücksichtigt, die nicht verheiratet sind und alleine wirtschaften. Die Miete ist mit Abstand der größte monatliche Kostenpunkt.

38 Prozent aller Studierenden wohnen allein, 17 Prozent zusammen mit ihrem Partner. 21 Prozent haben eine eigene Wohnung, 30 Prozent leben in einer WG. Von 2012 bis 2016 ist der Anteil der Studenten, die in einem Wohnheim leben, wieder etwas gestiegen. Laut Deutschem Studentenwerk nutzen vor allem Erstsemester Wohnheime. Männer wohnen häufiger bei ihren Eltern oder im Wohnheim. Frauen wohnen deutlich häufiger mit ihrem Partner und/oder Kind in einer Wohnung.

Für den Weg von ihrer Wohnung bis zur Uni benötigen Studenten im Durchschnitt circa 33 Minuten. Für die Hälfte der Studierenden beträgt die Wegedauer bis zu 25 Minuten, für ein Viertel höchstens 15 Minuten.

Der gebürtige Vareler hatte doppeltes Glück: Er konnte einziehen verstand sich immer gut mit den insgesamt vier Mitbewohnern, die er im Laufe der drei Jahre hatte. „Dass man vorher die Leute nicht kennt, kann aber auch mal ein Nachteil sein“, meint er. Für die Pferdemarktkaserne entschied er sich aufgrund der guten Lage. Für die WG als Wohnform, weil er allein „ein ziemlich unaufgeräumter Mensch“ sei.

Der 24-Jährige wohnt mit zwei anderen Männern in einer Dreier-WG – Küche, Bad, Zwölf-Quadratmeter-Zimmer. Das ist schon ziemlich eng, trotz des Hochbetts, das Frithjof sich selbst gebaut hat. Die Mehrheit der WGs in der Pferdemarktkaserne sind reine Frauen- oder reine Männer-WGs. „Es sei denn, die Frauen wünschen sich einen Mann“, weiß Frithjof. „Drei Frauen in einer Wohnung – das soll ja manchmal nicht so klappen.“ Er grinst.

Diskussionen gab es in seiner Männer-WG schon mal – „aber keinen Streit“. Unterschiedlich sei der Rhythmus der Mitbewohner gewesen. In der ersten Konstellation war abends um zehn Ruhe. „Da habe ich gelernt, dass wenn ich abends früher ins Bett gehe, ich auch früher rauskomme.“ Als die beiden ersten Mitbewohner ihren Master in der Tasche hatten, kamen zwei neue. Und die entpuppten sich als Nachteulen. So kommt es jetzt öfter mal vor, dass alle drei sich in den frühen Morgenstunden unabhängig voneinander in der Küche über den Weg laufen.

Frithjof macht seinen Bachelor in Hörtechnik und Audiologie an der Jade Hochschule. Was man damit nach dem Studium machen könne? „Sowas wie das da bauen“, sagt Frithjof und zeigt auf ein Mischpult, dass auf einem Beistelltisch steht. „Ich will mich noch heute Abend bewerben.“

Er muss jetzt nur noch seine Bachelorarbeit schreiben und – ach, ja, die liegen auch noch an – vier Klausuren absolvieren. Nach dem Bachelor geht’s vielleicht ins Ausland, um dort den Master zu machen.

Was er aus seiner Zeit im Studentenwohnheim mitnehmen wird: „Alles was sich in der Küche abspielt, ist mit anderen Leuten angenehmer als allein.“ Es sei viel gemütlicher, gemeinsam zu frühstücken. Auch sei ein Kühlschrank zu dritt viel leichter zu befüllen: Man könne sich auch mal zwei Sorten Salami leisten, müsse nicht tagelang das Gleiche essen.

Und ja, er würde sehr gerne wieder in eine WG ziehen. Das einzige, was er sich dann aber gerne hätte: einen Ofen in der Küche. Den gibt’s in seiner Pferdemarkt-Wohnung nämlich nicht, und den vermisst er schon.

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Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
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