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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

In der Region braut sich was zusammen

03.11.2018

Oldenburger Land Es ist wohl das Interesse daran, ein Bier zu trinken, das einen anderen Geschmack hat als die industriell produzierten Produkte, die man kennt. Voller soll der Geschmack sein, mehr Leben haben.

Denn vielen dient das Bier nicht mehr nur als reiner Durstlöscher. Und das ist nicht mal eben so ein Trend, der nächste Woche durch einen anderen abgelöst wird.

Bier an Uni gebraut

„Regionale Brauereien in China, Japan, Kanada, England und den USA haben das vor Jahren vorgemacht. Sie haben sich auf Craft-Biere, auf Handwerksbiere, spezialisiert. Und diese Welle schwappte auch zu uns in den Nordwesten“, sagt Stefan Winter, der in Oldenburg vor zweieinhalb Jahren den damals ersten Craft-Bier-Laden eröffnet hat. In seinem Geschäft bietet der junge Mann rund 350 verschiedene Sorten an, die alle einen eigenen, vor allem regionalen Charakter haben.

Es gibt auch im Oldenburger Land einen generellen Trend hin zum lokalen, regionalen Craft-Bier. Dem einen geht es darum, den norddeutschen, eher herben Pilsenern etwas entgegenzusetzen (niedrigere Bitterwerte). Der andere möchte aus Überzeugung eine eigene Geschmacks-Note setzen – es soll einfach nach mehr als nur nach Bier schmecken.

Doch wie kommt jemand wie Stefan Winter überhaupt auf den alternativen Biergenuss? „Ich habe nach dem Abitur in Osnabrück Wirtschafts-Ingenieur-Wissenschaften studiert mit dem Schwerpunkt Lebensmittelproduktion. Während des Studiums ging es auch um das Thema Bierbrauen. Ich habe zusammen mit der technischen Unterstützung eines Braumeisters das erste Bier für Uni-Partys entwickelt“, sagt der junge Oldenburger. Dass so etwas in Studenten-Kreisen ankommt, darf man getrost als positiv abhaken. Endlich mal was Nützliches.

Wo in der region gebraut wird

Was für viele mit einer Berufung zum Bierbrauen begonnen hat, endet bei so manchem als Beruf. Doch längst haben nicht alle regionalen Brauereien auch überlebt. Die Craft-Bier-Szene im Oldenburger Land ist vielfältig und hält den Markt in Bewegung. Es geht um handwerklich und mit viel Hingabe gebrautes Bier. So mache Brauerei bietet verschiedene Sorten an. Ein Überblick über die Standorte:

Landkreis Friesland: Bei Bier aus Jever denkt man natürlich sofort an das Friesische Brauhaus. Doch es gibt auch ein handwerklich hergestelltes Bier: das Marienbräu aus der Altstadtbrauerei. Ebenfalls aus dem Landkreis Friesland stammt das Tide-Bier, das im Vareler Brauhaus gebraut wird.

Landkreis Wesermarsch: In Nordenham lässt man sich das Butjenter Bier (Butjadinger Tor) schmecken. Das „Einlaufbier“ wird in Berne gebraut.

Landkreis Ammerland: Aus dem Kurort Bad Zwischenahn kommt das Craft-Bier„Hillthaler“. Im Residenzort Rastede setzt Hellmers Hausbrauerei auf ihr „Hellmers“.

Stadt Oldenburg: Zum Erfolgsschlager ist das OLs der OLs Oldenburger Brauerei geworden.

Landkreis Oldenburg: Aus der Kreisstadt Wildeshausen kommt das Bannas Bier der Privatbrauerei Bannas, die auch für die Nachbarn ein Delmenhorster Bier braut. In Tungeln (Gemeinde Wardenburg) gibt es das Tungeler.

Landkreis Vechta: Seit mittlerweile zehn Jahren wird in der Kreisstadt Vechta das Stierbräu hergestellt (Hausbrauerei Stierbräu). In Steinfeld braut das Brauhaus Steinfeld sein Lüken Topp.

Winter lernte während des Studiums auch viel über Vermarktung und Management. Nach dem Studienabschluss wusste Stefan Winter aber nicht so genau, wie es bei ihm beruflich weitergehen sollte. Zwar hatte er danach in einem Betrieb in Hilter eine Ausbildung in Sachen Qualitätsmanagement gemacht, aber andererseits ließ er „das Thema Bier nie aus den Augen“. Also alles auf Null: Es zog ihn in die Welt hinaus. Eine Orientierungsreise unter anderem nach Tschechien, Österreich, Indien, Japan. Aber immer wieder begegnete ihm das Thema Bier. Und dabei (nicht beim Bier) auch in China seine spätere Frau, die er dann in Oldenburg heiratete.

Zurück in Oldenburg, glücklich die Frau fürs Leben gefunden zu haben, ging es darum: was tun? „Ich habe nach einer Marktlücke gesucht.“

Und das war dann eben sein Geschäft „Beer Supreme“, wo er nicht nur regional gebraute Biere verkauft, sondern auch Bier-Seminare abhält, die auf Wochen ausgebucht sind. Und Stefan Winter kennt seine Bier-Produzenten alle. „Man kennt sich, trifft sich regelmäßig.“ Es geht ihm, wie eben seinen Kunden auch, um den regionalen Geschmack.

Die Craft-Bier-Szene ist ein bunter Haufen: Autodidakten, Quereinsteiger, Brauer aus Leidenschaft, Überzeugungstäter.

Wer mit einer Craft-Bier-Brauerei auf dem Markt ankommen will, der muss neben ordentlichem, handwerklichem Bier auch eine Geschichte erzählen können.

Es geht um neue Geschmäcker und Ideen. Und es gibt immer mehr Menschen im Oldenburger Land, die Bier selber brauen: entweder in einem Wochenend-Seminar oder mit ganz gewöhnlichen Geräten in der Küche mit Hopfen, Hefe, Malz und Wasser zu experimentieren oder besser im Badezimmer (man weiß beim ersten Mal ja nie).

Aber die Steigerung: Es gibt viele Motivationen, eine eigene, kleine Brauerei zu betreiben, selbst zu produzieren und zu vermarkten. Süffig, trüb, hell, dunkel, Weizen, ökologisch angebaute Zutaten, das alles gibt es. Und es wird lange ausprobiert, bis das Rezept stimmt.

Wichtig: Der Hopfen haucht dem Bier die Seele ein, daher sind viele auf der Suche nach unbekannten Hopfensorten.

Viele Kundinnen

„Für immer mehr Menschen ist Bier ein Genussmittel wie Wein“, sagt Stefan Winter. Aber wer jetzt glaubt, ausschließlich Männer in seinem Laden anzutreffen, die Interesse an einem anderen Geschmack haben, liegt falsch. „50 bis 60 Prozent meiner Kundschaft sind Frauen. Natürlich gibt es Kundinnen, die nur einem Mann mit dem gekauften Bier eine Freude machen wollen. Aber vielen Frauen schmeckt das klassische Pils nicht so. Und die kommen dann nur für sich zu uns.“ Na dann: zum Wohl.

Norbert Wahn
Redakteur
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2097

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