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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Immobilien: Es rumort gewaltig am Zwischenahner Meer

14.06.2014

Bad Zwischenahn Wenn es um das Westufer des Zwischenahner Meeres geht, greift man im Ammerland gern zu großen Worten: Von einem „Filetgrundstück“ ist da die Rede, vom „Sahnestück am Meer“ sogar, von der „interessantesten Immobilie weit und breit“. Gemeint ist das Gelände des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses Rostrup, 38,5 Hektar groß, vorne Seeblick, im Rücken Golfplatz und „Park der Gärten“. „Premiumlage“ nennen das Immobilien-Experten.

Der Verkauf gestaltete sich trotzdem zäh. Erst nach achtjähriger Diskussion, nach mehreren Bieterverfahren und aufwendigen Projektvorstellungen vor Lokalpolitikern und in Bürgerversammlungen präsentierte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) im August 2012 eine neue Eigentümerin: die „Palais am Meer GmbH & Co. KG“ mit Sitz in Bremen.

Und im Kurort fragten sich Bürger und Lokalpolitiker überrascht: Wer bitte?

Überraschende Wende

„Palais am Meer“ war ein neuer Spieler auf dem Feld. An einem zuerst nationalen, dann europaweiten Bieterverfahren hatte die Gesellschaft nicht teilgenommen, an den Projektvorstellungen ebenfalls nicht. Das konnte sie auch nicht, denn da gab es die „Palais am Meer“ noch nicht.

Heute stellen sich Zwischenahner Bürger und Politiker eine weitere Frage: Wurde hier etwa gekungelt?

Ein Blick zurück: Zum Ende des europaweiten Verfahrens im November 2011 hatte sich die Bima zunächst für ein Gebot der „Schwebo Grundstücks- und Vermietungs-GmbH“ des Braker Apothekers Jürgen Boom entschieden. Boom wollte auf dem Gelände gemeinsam mit der Steigenberger-Gruppe und dem Prothesen-Hersteller Otto Bock einen Paralympics-Standort mit Luxus-Hotel entwickeln. Drei Tage vor Weihnachten erklärte die Bima die Verhandlungen überraschend für gescheitert. Boom habe sein Angebot „einseitig und ohne Begründung wesentlich verändert“, teilte ihm Wera Buhr von der Bima mit. Vor allem habe er „bestimmte Voraussetzungen“ nicht erfüllt.

Boom hingegen verweist auf sein notariell beurkundetes Gebot. Den Abbruch des Verfahrens hält er bis heute für rechtswidrig.

Fakt ist: Boom hatte ursprünglich vier Millionen Euro für das „Sahnestück“ geboten; das von der Bima geforderte Mindestgebot lag bei zwei Millionen Euro. Als Boom erfuhr, dass er der letzte verbliebene Bieter war, reduzierte er sein Angebot auf 2,5 Millionen Euro.

Ebenfalls Fakt ist: Die Bima hatte – auf Wunsch der Gemeinde Bad Zwischenahn – von den Bietern neben einem Finanzierungsnachweis über den Kaufpreis auch einen Nachweis über weitere sechs Millionen Euro eingefordert, „für Planungs- und Erschließungskosten“. Boom sagt: Für solch einen vagen Posten bekomme niemand von einem Kreditinstitut eine Zusage.

Die Bima jedenfalls beendete das offizielle Bieterverfahren nach der Vergabe- und Vertragsordnung des Bundes am 21. Dezember 2011 ergebnislos und kündigte an, die Liegenschaft nun „freihändig“ verkaufen zu wollen. Wera Buhr teilte Boom mit: „Somit steht mir frei, mit Ihnen – aber auch mit anderen Interessenten – neu über den Verkauf zu verhandeln. Ich werde deshalb Ihr neues Kaufpreisangebot sorgfältig prüfen.“

Im Sommer 2012 verkaufte sie das Gelände – aber nicht an Boom für 2,5 Millionen Euro, sondern an die kurz zuvor gegründete „Palais am Meer“ für 2,55 Millionen Euro. Die Sechs-Millionen-Bürgschaft für Planungskosten brauchte „Palais am Meer“ im freihändigen Verfahren nicht zu leisten. Die Gemeinde war laut Bürgermeister Dr. Arno Schilling nicht involviert.

Am Westufer des Zwischenahner Meeres standen bald neue „Betreten verboten“-Schilder, unterzeichnet: „Palais am Meer“.

Doch wer ist das überhaupt: „Palais am Meer“?

Die „Betreten verboten“-Schilder und eine nicht ganz leicht zu findende Internet-Seite (palais-zwischenahn.de) weisen nach Bremen. Dort sitzen die Gesellschafter John Thiele und Axel Arthur Schmidt, die „Palais am Meer“ seit dem Kauf bei allen offiziellen Terminen in Bad Zwischenahn vertreten haben. Weder Bürgermeister Schilling noch Hotelketten-Chef Bodo Janssen (Upstalsboom), den „Palais am Meer“ im Sommer 2013 als Betreiber eines auf dem Gelände geplanten Hotels ins Boot holte, kennen nach eigenen Bekunden weitere Gesellschafter.

Ein zweiter Blick zurück, diesmal reicht er noch weiter in die Vergangenheit: Jürgen Boom (Schwebo) war mehrere Jahre lang Mandant der AWL Steuerberatungsgesellschaft in Cloppenburg. AWL ist eine Tochter des mächtigen Kreislandvolkverbands Cloppenburg; langjähriger Vorsitzender war unter anderen der spätere CDU-Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp aus Emstek (Landkreis Cloppenburg). Auf ihrer Homepage wirbt AWL mit einem Zitat von Amschel Meyer Rothschild: „Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Steuerzahlen. Die Kenntnis aber häufig.“

AWL kannte laut Boom die Schwebo-Pläne. AWL kannte laut Boom auch sein Kaufgebot von 2,5 Millionen Euro. Laut Boom habe man seinerzeit gemeinsam (erfolglos) nach Finanzpartnern gesucht – unter anderem in Bremen.

Im Handelsregister finden sich unter „Palais am Meer“ neben den Namen Thiele und Schmidt die Namen von drei weiteren Gesellschaftern: die der Kaufleute Erich Wilhelm und Bernd Möllerhaus aus Emstek sowie des Kaufmanns Arnold Bornhorn aus Cappeln, vier Kilometer von Emstek entfernt. Gemeinsam brachten die fünf Gesellschafter eine Million Euro als Gründungskapital ein.

Ein Firmen-Geflecht

Um die „Palais-am-Meer“-Gesellschafter rankt sich ein Firmengeflecht mit interessanten Querverbindungen. Einige Beispiele: Bernd Möllerhaus, AWL-Geschäftsführer Hans Antons und dessen Frau Mechthild hatten gemeinsam einen Millionenbetrag in eine Schifffahrtsgesellschaft investiert. Mechthild Antons arbeitete in der Cloppenburger CDU mit Anton Krömer zusammen, Ex-Chef der Futtermittelfirma GS Agri aus Schneiderkrug (Gemeinde Emstek), von dem wiederum eine Firmenlinie über die A-W Invest Beteiligungs-GmbH zu einem weiteren AWL-Mann führt, Michael Böhmann aus Emstek.

A-W Beteiligungs-GmbH und A-W Grundstücks-GmbH heißen indes zwei Firmen, hinter denen die Gesellschafter Bernd Möllerhaus und Erich Wilhelm stehen. Und Möllerhaus ist wiederum mit Anton Krömer an der Inter-Agrar Beteiligungs GmbH & Co. KG beteiligt. Nach Bremen kommt man dann über Erich Wilhelm, der mit John Thiele die Duhner Domizil Beteiligungs GmbH betreibt. Die Liste ließe sich fortsetzen. „Die kennen sich alle sehr gut“, heißt es in Südoldenburg. Alles bloß Zufall?

Und warum interessieren sich die Beteiligungs-Profis für das Gelände am Meer?

Fehlende Klauseln

Im Vertrag der Bima mit der „Palais am Meer“ fehlt nach NWZ -Informationen nicht nur die Sechs-Millionen-Euro-Klausel – es fehlt auch der Paragraf 4, den Jürgen Boom Ende 2011 noch in seinem Kaufvertragsentwurf fand: „Nachzahlung bei höherwertiger Nutzung“. Die Nutzungsmöglichkeiten des Geländes sind an ein Eckwertepapier der Gemeinde gekoppelt, das unter anderem eine Wohnbebauung ausschließt. Eine Wertabschöpfungsklausel wie in Paragraf 4 des Boom-Vertrags legt deshalb fest, dass der Käufer an die Bima einen Differenzbetrag nachzahlen muss, wenn die Gemeinde die Planungsvorgaben innerhalb von zehn Jahren zu seinen Gunsten ändert. Für die „Palais am Meer“ gilt diese Klausel nicht.

Weil zuletzt wenig Neues von der „Palais am Meer“ zu hören war, rumort es im Kurort. Mit Blick auf die Rechercheergebnisse der NWZ  vermuten etwa Inga Brettschneider und Edgar Autenrieb von der Bürgerinitiative Bad Zwischenahn, die sich für den Erhalt der Landschaft am Meer einsetzt: „Hinter der ,Palais am Meer‘ stecken kühle Geschäftemacher.“ Sie fürchten, dass die Käufer nicht Hotel und Ferienwohnungen im Sinne des Eckwertepapiers bauen wollen, sondern auf eine Nutzungsänderung spekulieren. Der Wert des Quadratmeters, für den „Palais am Meer“ 6,60 Euro bezahlt, könnte dann auf mehrere hundert Euro steigern. „Letztlich wird dort ein Wohngebiet für wohlhabende ältere Menschen entstehen“, vermuten Brettschneider und Autenrieb, die für die Grünen im Gemeinderat sitzen. Sie fragen: „Woher wussten die Gesellschafter von den geänderten Vertragsbedingungen? Wurde hier von langer Hand gekungelt? Hat jemand von außen Druck auf die Bima ausgeübt?“

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Wera Buhr von der Bima erklärte auf Nachfrage der NWZ , dass es keine politische Einflussnahme auf das Verkaufsteam gegeben habe. Zu Vertragsinhalten könne sie „aus Gründen des Vertrauenschutzes“ keine Auskünfte geben.

John Thiele von „Palais am Meer“ beantwortete die Fragen der NWZ  nicht. Am Telefon kritisierte er lediglich deren „Niveau“ und kündigte an, man werde in Kürze detaillierte Pläne vorstellen.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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