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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schickes Appartement statt Chaosbude

24.06.2015

Bremerhaven /Oldenburg Wenn Gabriel Lichtenstein morgens aufwacht und an seine Zimmerdecke schaut, sieht er stilvollen Stuck in Blumenform. Die Verzierung ist vergoldet – und das ist nicht der einzige Luxus in der Wohngemeinschaft (WG) des 21-jährigen Studenten. Zusammen mit zwei Kommilitonen bewohnt er in Bremerhaven eine helle 102 Quadratmeter große Wohnung in einem renovierten Haus aus der Gründerzeit in bester Innenstadtlage mit Balkon, gemütlicher Wohnküche, 3,85 Meter hohen Decken und einem Park vor der Haustür. Die komplette Wohnung kostet 500 Euro kalt. „In München wäre so eine Wohnung unbezahlbar“, ist Gabriel sich sicher.

Seine WG ist kein Einzelfall. Während in beliebten Studentenstädten wie Göttingen oder München günstiger Wohnraum mehr als knapp ist und Studienanfänger zum Teil im Zeltlager und auf Feldbetten ins Semester starten, können Bremerhavener Studenten aus einem großen Angebot wählen. „Wenn man sich ein bisschen umguckt, dann findet man eine richtig coole Bude“, sagt Gabriel, der Maritime Technologien an der Hochschule Bremerhaven studiert. Von Freunden, die in anderen Städten studieren, weiß er, dass das nicht normal ist. „Meine beste Freundin zahlt in Göttingen für ihr Zimmer 350 Euro, und die Wohnung ist absolut nicht mit unserer vergleichbar.“

In Oldenburg ist die Lage auf dem studentischen Wohnungsmarkt nicht so angespannt wie in Göttingen oder München, aber eben bei weitem auch nicht so entspannt wie in Bremerhaven, Wilhelmshaven oder auch in Emden. Zu dieser Einschätzung kommt Ted Thurner, Geschäftsführer des Oldenburger Studentenwerks.

In Oldenburg etwas enger

„Zum Wintersemester hin wird es schon mal etwas knapp, aber letztlich kommen in Oldenburg alle Studenten unter“, betont Thurner, der über das Studentenwerk etwa zehn Prozent des Wohnraumes der insgesamt rund 15 000 Oldenburger Studenten (13 000 Uni/2000 Jade Hochschule) verwaltet. Sollte es mal ganz eng werden, halte das Studentenwerk in einer Unterkunft Notbetten bereit. „Davon war aber in den vergangenen Jahren kein einziges belegt“, betont Thurner, der in den vergangenen Jahren unter Studierenden einen eindeutigen Trend ausgemacht hat: „Unsere Einzelappartements in unmittelbarer Nähe zum Campus für etwa 340 Euro Warmmiete sind am meisten gefragt.“

Das Interesse am mit 180 Euro Warmmiete deutlich günstigeren gemeinschaftlichen Wohnen ist Thurners Erfahrungen zufolge rückläufig. Daher gebe es seitens des Studentenwerks auch Überlegungen, an das Angebot an Einzelappartements auszuweiten. „Das Problem dabei ist aber, dass das Bauen nach heutigen Standards so teuer geworden ist, dass es ohne substanzielle öffentliche Förderung kaum geht“, gibt Thurner zu bedenken.

Dass Mieter in Bremerhaven für wenig Geld viel Wohnqualität bekommen, hat auch der 21-jährige Fotograf Tim Müller-Zitzke schnell gemerkt. „Die Stadt ist als Studienort ein absoluter Geheimtipp“, sagt der Student der Digitalen Medienproduktion, der in einer WG mit eindrucksvollem Blick auf die Wesermündung wohnt. Als er bei Besuchen und auf Partys merkte, dass viele ähnlich toll lebten wie er, kam ihm die Idee zu der Fotoserie „Live like Kings“ (Leben wie Könige): Er fotografierte seine Kommilitonen in ihren eigenen – für studentische Verhältnisse – luxuriösen vier Wänden.

Laut Internetportal wohnungsboerse.de liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Bremerhaven bei 4,92 Euro – in Oldenburg bei 7,81 Euro, in Münster bei 10,19 Euro, in Freiburg bei 13,06 Euro. Der Grund ist die Entwicklung der Seestadt: Bremerhaven gilt wirtschaftlich als Sorgenkind, während 1974 noch über 144 000 Menschen hier lebten, waren es im vergangenen Jahr knapp 29 000 weniger.

Viel Platz in Bremerhaven

„Es gibt reichlich Wohnraum“, sagt Nina Freistedt vom Allgemeinen Studenten-Ausschuss (AStA), die selbst fußläufig zur Hochschule mit ihrem Freund auf 75 Quadratmetern für 560 Euro warm lebt. Wer kein Zimmer in einer WG finde, gründe einfach selbst eine, sagt die 24-jährige Studentin.

Nina Freistedt genießt aber nicht nur die Wohnqualität, sondern auch das attraktive Studentenleben in Bremerhaven. Die Hochschule biete ihren Studierenden so einiges, betont Rektor Josef Stockemer: Einen autofreien Campus direkt am Wasser, eine Theaterflatrate, mit der Studenten umsonst Vorstellungen besuchen können, eine Kooperation mit einem Segelverein, bei dem günstig Segelscheine und Törns gemacht werden können und nicht zuletzt Hörsäle, in denen jeder Platz findet.

Zwar habe Bremerhaven immer noch mit Imageproblemen etwa wegen der hohen Armutsquote zu kämpfen. Und wer aus einer Großstadt komme, vermisse eine quirlige Kneipen- und Diskoszene. „Aber die Stadt hat sich hervorragend entwickelt“, sagt Stockemer. Und das liege auch an den Studenten. „Sie bringen Leben in die Stadt.“ Waren an der Hochschule im Jahr 2000 knapp 1200 Studenten eingeschrieben, sind es heute 3200.

Gabriel, gebürtig aus Göttingen, und sein Mitbewohner Moritz Alber, gebürtiger Stuttgarter, studieren nicht wegen der guten Infrastruktur in Bremerhaven. Sie kamen wegen des Studienfachs, das nur dort angeboten wird. „Ich wusste nicht, dass Bremerhaven so ein schlechtes Image hat“, sagt Gabriel. Er kam unvoreingenommen und findet: „Bremerhaven ist eine superschöne Stadt, vor allem zum Studieren.“

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Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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