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Laster umgekippt – Sperrung der A1 bis zum Nachmittag
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Aktualisiert vor 4 Minuten.

Unfall Bei Vechta
Laster umgekippt – Sperrung der A1 bis zum Nachmittag

NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schlechte Chancen für Piraten

08.11.2013

An Bord Der Niedersachsen Es ist Spätnachmittag, als das verdächtige Schiff geortet wird. Die Äquatorsonne steht nicht mehr so hoch, die Dünung des indischen Ozeans vor der Küste Somalias ist gemäßigt, ein sanfter Wind sorgt für angenehme Temperaturen.

Auf der Kommandobrücke der Wilhelmshavener Fregatte „Niedersachsen“ haben sich zusätzlich zum normalen Personal eine Handvoll Menschen um den Kommandanten versammelt, um die aktuelle Lage zu besprechen. Nahe am Strand von Somalia dümpelt eine Fischer-Dhau, die möglicherweise in der Hand von Piraten ist. Aus dem Bordhubschrauber der Fregatte wurden Zeichen gesichtet, die ein versteckter Hilferuf sein könnten.

Fregattenkapitän Kurt Leonards hat als Kommandant der „Niedersachsen“ seine wichtigsten Berater zusammengerufen: Der Schiffseinsatz-Offizier und der Leiter der Spezialkräfte gehören ebenso dazu wie eine Rechtsberaterin, ein Feldjäger, ein Spezialist vom Nachrichtendienst und zwei Übersetzer – ergänzt durch den Nautischen Offizier und den Ersten Offizier als Stellvertreter des Kommandanten.

„Huddle“ (Haufen) wird die kurze Lagebesprechung im Fachjargon genannt, bei der jeder gefragt ist. Die Entscheidung fasst anschließend der Kommandant zusammen: Da es eine unklare Lage gibt, wird die Fischer-Dhau mit größter Achtsamkeit untersucht. Abgesichert durch einen der beiden Bordhubschrauber und einen Scharfschützen an Bord der Fregatte machen sich die Spezialisten des Boarding-Teams auf den Weg.

In dem schnellen Beiboot der Fregatte umkreisen sie zunächst das verdächtige Schiff, nehmen dann Kontakt mit der Besatzung auf, gehen an Bord und geben schon bald Entwarnung: Die Lage ist entspannt, die Besatzung kooperativ, die Gesprächsaufklärung beginnt. Woher kommt ihr? Was macht ihr? Wohin wollt ihr? Gibt es ein eigenes Sicherheitsteam an Bord? Woher stammt das? Wie hoch ist das Honorar? – Eine Menge Fragen, die anschließend – mit entsprechenden Fotos – in einem Einsatz-Report zusammengefasst und in einer zentralen Datei gespeichert werden.

Zahlreiche Nationen sind in dem riesigen Seegebiet östlich der afrikanischen Küste im Einsatz: Neben dem Geschwader der EU-Atalanta-Mission, die derzeit unter dem Befehl eines niederländischen Admirals steht, sind unter anderem Kriegsschiffe aus den USA, Australien, Indien, Pakistan, Korea, Japan und China unterwegs, um für die Sicherheit der Handelswege zu sorgen.

Der Erfolg ist sichtbar: Die Versuche, Schiffe zu kapern und auf diese Weise Lösegeld zu erpressen, haben drastisch nachgelassen. Und gelegentlich gelingt es auch, Piratenangriffe schon kurz nach dem Start zu unterbinden. So am Dienstag, als ein Bordhubschrauber der Niedersachsen ein verdächtiges Boot entdeckt, das offenbar gerade zu einer Kaperfahrt startet. Als sich das Boardingteam nähert, werfen die Piraten Leitern und andere Utensilien über Bord, einige springen ins Wasser und schwimmen zum nahen Ufer, wo sie in einer Menschenmenge verschwinden.

Um keine unbeteiligten Menschen zu gefährden, beenden die deutschen Marinesoldaten daraufhin ihren Einsatz – zufrieden, weil sie wissen, dass sie mit ihrem Einsatz dafür sorgen, dass immer mehr Fischer in dem einst gemiedenen Seegebiet wieder ihrem Gewerbe nachgehen können. Immer wieder bekommt die „Niedersachsen“-Besatzung dies von den Fischern voller Dank zu hören: „Wenn ihr hier seid, gibt es keine Piraten.“

Und bei den Kontrollen haben die deutschen Soldaten nicht nur frisches Wasser als Gastgeschenk dabei, sondern bei Bedarf wird auch der Schiffsarzt geholt, wenn es auf den Fischerbooten Verletzte oder Kranke gibt. Auf diese Weise wird versucht, auch die Herzen der Menschen zu erobern – wissend, dass es für das eigentliche Problem der Piraterie auf See keine Lösung gibt.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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