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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schlick und Sand stoppen Schiffe

19.07.2016

Juist /Norderney /Norddeich Schlick ohne Ende: Von der Ems bis zur Elbe zieht sich an der Nordseeküste die zähe Masse – und bietet besonders im Wattenmeer Nahrung für Millionen von Lebewesen. Was der Natur nützt, bereitet allerdings in vielen Häfen Probleme. Derzeit hat es die Insel Juist besonders getroffen. Fährschiffe haben dort bei Niedrigwasser kein Wasser mehr unterm Kiel. Es müsste eigentlich wieder gebaggert werden – zum zweiten Mal in diesem Jahr, denn schon im April holte ein Arbeitsschiff tonnenweise Schlick aus dem Hafenbecken. Das kostet die kleine Inselkommune bis zu 70 000 Euro – „kein Pappenstiel“, ärgert sich Bürgermeister Dietmar Patron (parteilos).

Schlick im Hafen

Seit drei bis vier Jahren sammelt sich zunehmend Schlick in dem kleinen Hafen, der vor acht Jahren aufwendig modernisiert wurde. Besonderheit auf Juist mit seinen 1700 Einwohnern: Kein anderer Inselhafen liegt so nahe am Hauptort wie hier. Das macht auch den direkt angrenzenden Jachthafen für Segler und Motorbootfahrer interessant. Nur fünf Minuten Fußweg sind es von hier zum Hauptbadestrand, noch schneller sind Restaurants, Cafés, Kneipen und Geschäfte zu erreichen.

Doch auch der Jachthafen verschlickt und beschert dem Segel-Klub regelmäßig hohe Kosten. 30 000 Euro haben im Frühjahr die Räumarbeiten mit einem Spezialschiff gekostet. Der Verein hatte zuvor die Schließung der Steganlage für rund 160 Boote angedroht, weil die Gemeinde den Einsatz des Räumbootes verbieten wollte: Es hätte Sedimente aufgewirbelt und in den Gemeindehafen gespült.

Flächen knapp geworden

„Früher wurde mehr gebaggert, weil es mehr Flächen gab“, erinnert sich Olaf Weers vom Segelverein an vergangene Zeiten. Damals konnte Baggergut auf See verklappt oder auf Insel-Spülfelder geleitet werden. Mit den Schutzgebieten im Nationalpark Wattenmeer seien diese Flächen jedoch knapp geworden. Zudem könne das kleine Baggerschiff die Klappstelle auf See nicht mehr erreichen, und Spülflächen am Festland seien recht teuer.

Gemeinde und Segelhafen müssen neben dem weichen Schlick auch mit dem darunter liegenden Sand klar kommen. Bürgermeister Patron kann Schäden für größere Fährschiff nicht ausschließen, wenn diese bei Niedrigwasser schief auf hartem Sandboden liegen und sich die Rümpfe verbiegen. „Der Schlick muss regelmäßig weg, und alle paar Jahre eigentlich auch der Sand“, warnt Weers.

Das Schlick- und Sandproblem sorgt auch an anderen Küstenorten für Probleme, etwa im Sielhafen Fedderwardersiel im Kreis Wesermarsch. Extreme Verhältnisse herrschen schließlich an der immer wieder ausgebaggerten Ems: Dort wird mit der Flut mehr Schlick hinein als mit der Ebbe wieder heraus transportiert. Das Land arbeitet an einem Masterplan zu Sanierung des Flusses.

Mehrere Zwischenfälle

Dass Fähren zu den ostfriesischen Inseln sich festfahren, kommt immer wieder mal vor. An Himmelfahrt im Mai dieses Jahres gab es bei der Rückfahrt von Norderney Probleme. Etliche Tagesausflügler mussten darum bangen, ihren Anschlusszug in Norddeich noch zu erreichen, weil die Fähre feststeckte.

Im Januar dieses Jahres saßen 650 Urlauber sogar elf Stunden lang fest. Die Fähre Frisia II hatte sich festgefahren – auf dem Weg nach Norddeich und von Juist kommend.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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