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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schmugglernest am Rande Bremens

11.08.2012

HASBERGEN Wer Hasbergen kennenlernen will, muss Roland Buschmeyer kennenlernen. Der 72-Jährige, Vorsitzender des Vereins „Dörfergemeinschaft Hasbergen“, ist ein wandelndes heimatkundliches Lexikon. Köstlich, wenn er etwa über die Schmugglerzeit berichtet, die der Gastronomie in dem Dorf im Norden Delmenhorsts nie geahnte Umsätze bescherte. Nach Gründung des Zollvereins 1834 blühte an der Grenze zu Bremen der Schmuggel. Butter, Tabak, Kaffee, Zucker und Salz, Woll- und Seidenstoffe brachten die Schmuggler aus Bremen – die Hansestadt war dem Zollverein nicht beigetreten – über Ochtum und Varreler Bäke ins Kirchspiel Hasbergen. Ihren Gewinn setzten sie in den Dorfkneipen um.

Heute ist von den ehemals sieben Gaststätten nur noch eine übergeblieben, der „Alt-Hasberger Krug“. In den 60-er und 70-er Jahren wurde dort ein Nachtclub betrieben. Leicht bekleidete Damen tanzten mit einer Python auf der Bühne. Und diese Python bekam in Alleinhaltung Nachwuchs. „Damit wurde Hasbergen weltbekannt“, erzählt Buschmeyer. 1974 wurde die bis dahin selbstständige Dörfergemeinschaft zu einem Ortsteil der Stadt Delmenhorst. „Die alten Hasberger sind aber immer noch keine Delmenhorster geworden“, weiß Buschmeyer. Immerhin drohen sie ihnen heute keine Prügel mehr an. Das war früher gang und gäbe.

Warum die Mühle klappert

Bekannt ist Hasbergen seit jeher durch seine am Flüsschen Delme gelegene Wassermühle. Das Besondere an dieser Mühle ist ihr vollständig erhaltenes Innenleben. Im Jahr 1991 hat die Dörfergemeinschaft in der Mühle ein Museum eingerichtet. Roland Buschmeyer erwartet die Mühlenmuseums-Besucher sonnabends von 14 bis 16 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr (April bis September) bzw. von 14 bis 16 Uhr (Oktober bis März). Die intakte und betriebsbereite Kornmühle mit zwei Mahlgängen ist in ihrer Originalausstattung mit Elevatoren, Mischer, Aspirateur, Trieur, Beizanlage und Transmission zu besichtigen. Zahlreiche Arbeitsgeräte und Werkzeuge geben Auskunft über die täglichen Arbeitsabläufe in der Mühle und den Arbeitsplatz des Müllers. Lohnenswert ist auch die Besichtigung der umfangreichen Handmühlensammlung. Diese reicht von der steinzeitlichen Reibmühle über die Oldenburger Grütz- und Schrotmühle bis hin zur Bauernmühle, dem Mühlenmodell der Kornmühle sowie der ehemaligen Walk- und Sägemühle. Eine Besonderheit ist die Waagen-, Gewichte- und Scheffelsammlung aus metrischer und vormetrischer Zeit, die einen ganzen Raum in Beschlag nimmt. Wer Fragen zu Hasbergen im Allgemeinen und zur Mühle im Besonderen hat, etwa wissen will, warum die Mühle klappert, ist bei Buschmeyer an der richtigen Adresse.

Erstmals 1450 erwähnt

Die Hasberger Mühle wurde im Jahre 1450 erstmals erwähnt und wurde noch bis 1986 von der örtlichen Raiffeisen-Warengenossenschaft betrieben. In einem Inventar von 1800 wird erwähnt, dass die Mühle aus zwei Gebäuden bestand, nämlich der Kornmühle und der heute nicht mehr erhaltenen Säge- und Walkmühle am anderen Ufer der Delme. Am Kornmühlengebäude erhalten ist ein farbig gefasster Wappenstein mit der Jahreszahl 1547. Von 1687 bis 1854 befand sich die Mühle im Besitz der Huder Familie von Witzleben. Eigentümer der Mühle ist heute der Ochtumverband. Der Verband hat sie an die Stadt Delmenhorst verpachtet. Früher wurde sie von einem unterschlächtigen Mühlenrad angetrieben. 1939 wurde das Mühlenrad unbrauchbar und demontiert. Erst in der Nachkriegszeit, im Jahr 1950, wurde eine neue Stau- und Kraftanlage in Betrieb genommen. Das ehemalige Mühlenrad wurde durch eine Francis-Turbine ersetzt. Leider ist die Turbine wegen Verschlammung seit zehn Jahren nicht mehr funktionsfähig, bedauert Buschmeyer. Obwohl es eigentlich eine Kleinigkeit wäre, sie wieder zum Laufen zu bringen, hat er bei der Stadt für sein Anliegen (noch) kein Gehör gefunden.

Einen Besuch wert ist auch die 1380 dem Heiligen Laurentius geweihte Hasberger Kirche. Eine in die Chorwand eingemauerte Kanonenkugel erinnert an die Beschießung der Kirche durch Bremer Kanonen im 17. Jahrhundert. Wer Flohmärkte liebt, sollte sich den 26. August vormerken. Dann findet der 1992 zur 850-Jahr-Feier Hasbergens erstmals veranstaltete Hökermarkt statt. Der Flohmarkt der Superlative erstreckt sich über die Dorfstraße und verzeichnet 20 000 Besucher.

„Proppensnieden“

Hasbergen, 1142 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, liegt am Rande von Heide- und Moorlandschaften der Vorgeest und in der Marschenniederung an der Delme, die hier in die Ochtum mündet. Hasbergen war laut Gerhard Kaldewei von der Arbeitsgruppe Regional- und Landesgeschichte der Oldenburgischen Landschaft seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis um 1850 deutschlandweit Hauptort der Korkverarbeitung („Proppensnieden“), d.h. der Pfropfenherstellung in Heimarbeit und proto-industrieller Produktion. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte ein starker Zustrom von Heimatvertriebenen (1955 ca. 30 Prozent der Einwohner von Hasbergen).

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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