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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Gigant der Meere schickt schöne Grüße nach Hamburg

03.07.2017

Wilhelmshaven So voll war es am Nordseedeich vor Wilhelmshaven selten. Überall, wo es auch nur ein wenig Platz gab, parkten – teilweise in Dreierreihe – Autos aus dem gesamten Nordwesten, drängten sich Schaulustige mit Ferngläsern und Kameras und suchten den Horizont im Norden nach ersten Anzeichen des erwarteten Fotomotivs ab.

„Was ist denn hier los? Gibt’s da einen goldenen Seehund?“ fragte ein Tourist aus Wolfsburg, der zuvor auf dem nahen Campingplatz in Hooksiel zu einer Radtour entlang der Küstenlinie gestartet war. Nein – ein goldener Seehund war nicht gesichtet worden, aber nach einiger Zeit des geduldigen Wartens zeigten sich die Umrisse eines grauen Containerschiffes.

Nun ist das eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch das Schiff, dass sich am Sonntagnachmittag langsam dem Wilhelmshavener Containerhafen Jade-Weser-Port näherte, wurde mit dem Näherkommen immer größer und größer – bis es sich mit seiner stolzen Länge von 400 Metern so nah präsentierte, dass nur noch diejenigen gute Bilder machen konnten, die über ein Weitwinkelobjektiv verfügten.

Die „OOCL Hong Kong“ ist mit ihren exakt 399,87 Metern Länge und 60 Metern Breite das größte Containerschiff der Welt. Mehr als 21 000 Standardcontainer kann der Riese transportieren, der auf seiner Jungfernfahrt aus Danzig kommend in Wilhelmshaven festmachte.

So geduldig wie draußen am Deich zahlreiche Besucher auf das mächtige Schiff gewartet hatten, musste an der Kaikante des Jade-Weser-Ports auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) auf die Ankunft des schlagzeilenträchtigen Schiffes warten. Begleitet von einigen Reedereivertretern und Hafenmanagern fiel Lies das Warten nicht schwer. Im Gegenteil – es war für den Minister ein sichtbarer Genuss, seine Botschaft in jede anwesende Fernsehkamera zu sprechen und den schreibenden Medienvertretern in die Notizbücher zu diktieren. „Schaut alle her“, wird Lies nicht müde zu erklären, „das größte Schiff der Welt läuft jetzt regelmäßig Wilhelmshaven an – und zwar als einzigen Hafen in Deutschland.“ Stolz fügt er hinzu: „Wenn wir das vor einigen Jahren angekündigt hätten, wären wir dafür kräftig ausgelacht worden.“

Doch inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Der Umschlag steigt im Jade-Weser-Port, der vor inzwischen fünf Jahren in Betrieb genommen wurde und nur schleppend in die Gänge kam. Inzwischen hat es sich in der Logistikbranche herumgesprochen, dass es sich um einen bemerkenswert leistungsfähigen Hafen handelt, der nicht nur über allerbeste nautische Bedingungen verfügt, sondern außerdem mit einem reibungslosen Straßen- und Bahnschluss mit dem Binnenland verbunden ist.

„Schöne Grüße nach Hamburg“ könnten die Lies-Äußerungen überschrieben sein, denn dort wird es für die wirklich großen Containerschiffe immer schwieriger. Dabei geht es bei Weitem nicht nur um die geforderte Elbvertiefung. Genauso problematisch ist für die 400-m-Schiffe der geschlängelte Flussverlauf, der einen Begegnungsverkehr nahezu unmöglich macht, und das Nadelöhr der Köhlbrandbrücke, die eine natürliche Grenze für die teilweise bis zu 60 Meter aus dem Wasser ragenden Containerriesen darstellt.

Die Stärken des Wilhelmshavener Containerhafens sind in der Vergangenheit immer dann deutlich geworden, wenn es galt, Probleme in anderen Häfen auszugleichen. Dabei machten alle Beteiligten dann die Erfahrung, wie problemlos sich die Geschäfte in dem neuen Hafen abwickeln lassen – mit der Folge, dass inzwischen insgesamt acht Reedereien den Jade-Weser-Port in ihr Standard-Programm aufgenommen haben.

Und bevor die „OOCL Hong Kong“ am Montag Wilhelmshaven wieder verlässt, kann sie auf einem Nachbarliegeplatz mit der „Margarete Maersk“ einen weiteren Riesenfrachter begrüßen.

Das direkt aus China kommende Schiff hatte eigentlich Rotterdam ansteuern sollen, wurde jedoch nach Wilhelmshaven umgeleitet, weil es im eigentlichen Zielhafen computertechnische Abfertigungsprobleme gibt. Lakonischer Kommentar des Wilhelmshavener Hafenmanagers Mikkel Andersen: „Wir helfen gern.“

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