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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Große Sommerserie: Schon Nonnen liebten diesen Ort

03.08.2012

BLANKENBURG Wenn doch bloß die Motorgeräusche nicht wären – dann wäre Blankenburg der wahrscheinlich ruhigste Ortsteil der Stadt Oldenburg. Doch dem ist nicht so, die Autobahn 29 durchzieht diesen Bereich im Osten der Stadt, macht mit der riesigen Huntebrücke auch optisch auf sich aufmerksam. Die monotone Lärmkulisse ist allerdings das einzige, das hier noch stören kann: Seit der Aufgabe der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber Kloster Blankenburg Ende Juni 2011 geht der Publikumsverkehr an diesem Uferstück der Hunte an den meisten Tagen gegen Null.

Womit man der Gegend eigentlich Unrecht tut: Blankenburg hat schließlich nicht nur den Aufstieg auf die südliche Seite der Autobahnbrücke zu bieten, sondern auch das Blankenburger Holz, ein Waldgebiet, das unter Landschaftsschutz steht. Und nicht zu vergessen den 19 Hektar großen Blankenburger See.

Offiziell kein Badegewässer, wird doch vor allem das Süd- und das Westufer gern von Sonnenanbetern genutzt – allerdings in geringerem Maße, seit die Buslinie 316 den Bereich nicht mehr bedient. Oldenburger Individualisten, die Blankenburg und seinen leicht morastigen See gern bevorzugen, finden trotzdem Mittel und Wege, das Gewässer zu besuchen.

1933 zu Oldenburg

Zu ihnen gehören auch die Mitglieder des Vereins Oldenburger Delphine Tauchsport, die sich von der geringen Sichtweite unter Wasser (im Schnitt ein bis vier Meter) nicht den Spaß am Schnorcheln verderben lassen wollen. Inmitten des wild sprießenden Grases und in direktem Kontakt zu Natur und Autobahn lässt sich eben besonders im Sommer die freie Zeit wunderbar verbringen – gestört wird man in Blankenburg eher selten.

Der Stadtrand-Bereich gehört erst seit 1933 zu Oldenburg, war vorher Teil der Bauerschaft der Gemeinde Holle; ein weiteres Teilstück war bis 1922 zudem der – damals noch eigenständigen – Gemeinde Osternburg zugeschlagen. Bis dahin hatte man aber schon reichlich Geschichte geschrieben in Blankenburg.

1294 kauften fünf östlich der Unterweser ansässige oder aber zur stiftsbremischen Ministerialität gehörige Adlige dem Graf Johann II. von Oldenburg den Besitz in Skapen („Scapen“), einer Flur auf dem rechten Hunteufer wenige Kilometer unterhalb von Oldenburg, zur Gründung eines Dominikanerinnenklosters ab. Treibende Kraft waren wohl die seit 1225 in Bremen ansässigen Dominikaner. Im Dezember desselben Jahres 1294 erklärte der Bremer Erzbischof Giselbert sein Einverständnis und nahm die neue Stiftung in seinen Schutz; in diesem Zusammenhang erscheint der neue Name Blankenburg („Blankenborch“).

Fünf Jahre später erhielt das Kloster Pfarrrechte. 1335 erfolgte die Weihe des neuen Chors der Klosterkirche durch den Erzbischof von Bremen. 1499 wurde das Kloster durch die „Schwarze Garde“, einem Landsknechtshaufen, verwüstet. Eine Priorisse (Alheidis) wird letztmals 1557 erwähnt. Das Kloster wurde säkularisiert und ging in die Hände der Oldenburger Grafen über.

Graf Anton Günther stiftete 1632 das „Armen- und Waisenhaus Kloster Blankenburg“, das seit 1684 auch zur Unterbringung von geistig Behinderten genutzt wurde. Anton Günther hatte 1659 auch in Hofswürden im Butjadinger Kirchspiel Eckwarden ein Hospital bzw. Armenhaus für das Amt Ovelgönne mit 24 Insassen gestiftet. Als es 1685 wegen Überschwemmungen aufgehoben wurde, vereinigte man seinen Güterbesitz mit Blankenburg. Dafür bekamen die Butjadinger in der Pflegeanstalt Kloster Blankenburg 24 kostenlose Armenplätze.

1860 erhielt Blankenburg den „Status der Bewahr- und Pflegeanstalt“, der bis 1935 bestand. Dann erfolgten vielfältige Umnutzungen durch das NS-Regime: Verlegung der Insassen nach Wehnen und Nutzung durch die SA, 1937 Verlegung der Insassen des Gertrudenheims in Oldenburg nach Blankenburg. 1941 wurden die 253 Insassen im Rahmen der „Euthanasie“-Befehle verlegt und vermutlich alle ermordet. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurden die Gebäude zur Unterbringung von Patienten bombengeschädigter Bremer Krankenhäuser, anschließend als Tuberkulose-Krankenhaus und Psychiatrische Klinik genutzt.

Ab 1989 befand sich in dem ehemaligen Kloster die Zentrale Anlaufstelle für Zuwanderer nichtdeutscher Nationalität. Die Zentrale Aufnahme- und Ausländerbehörde in Blankenburg, die seit 2009 nur noch Außenstelle von Braunschweig war und in der im Februar 2010 570 Flüchtlinge untergebracht waren, sollte mit Ablauf des Mietvertrags 2011 geschlossen werden.

Während der Gebäudekomplex des Klosters eine bewegte Geschichte durchlief, vielfach umgebaut wurde und 1868 nach Abbruch der alten eine neue Kirche erhielt, blieb die Klostermark weitgehend unbeeinträchtigt. Die Oldenburger Grafen sorgten dafür, dass die geringwertigen, landwirtschaftlich genutzten Klostergüter durch Kolonisation in fruchtbares, steuerpflichtiges Land verwandelt wurden. Dies gelang durch die Anlage des so genannten Neuen Weges (heute Neuenwege in der Stadt Oldenburg und Holler Neuenwege in der Gemeinde Hude), der von Drielake nach Iprump an der Hunte führte, und durch die Verpachtung von Siedlungsland. Die bäuerliche Landschaftsstruktur, die sich so entwickelte, blieb bis heute weitgehend erhalten.

115 Einwohner 1855

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1933 wurde das Kloster mit dem restlichen Gebiet westlich der Tweelbäke bis Iprump in die Stadt Oldenburg eingemeindet. Der östliche Teil der ehemaligen Klostermark verblieb bei der Gemeinde Holle. Diese gehörte seit 1933 zur Gemeinde Hude und wurde 1948 wieder selbstständig, aber schon 1949 in Wüsting umbenannt. Mit der aufgelösten Gemeinde Wüsting kam der östliche Teil von Blankenburg im Jahr 1972 erneut zur Gemeinde Hude.

1815 war Kloster Blankenburg eine eigene Bauerschaft mit fünf Feuerstellen und 61 Einwohnern. Es hatte 1855 115 Einwohner; hinzu kam die Blankenburger Windmühle mit neun Bewohnern. 1910 findet man unter Neuenwege das Kloster Blankenburg („Irren-Bewahranstalt“) mit zwei Wohnhäusern, zwei Haushalten und 149 Einwohnern.

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