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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schullandheim plant großen Wurf

12.10.2013

Wangerooge /Jever /Oldenburg „Was passiert denn da?“ Neugierig drängen sich die Jugendlichen um Thomas Märkisch. Auf den Plänen, die der Hausleiter in der Hand hält, lässt sich nicht viel erkennen. „Hier“, sagt Märkisch, „das alles wird neu“.

Die Jugendlichen der Musikschule Lohne zählen zu den Stammgästen des Schullandheims Wangerooge. Sie nutzen das Haus für eine Musikfreizeit und gehören zu den jährlich 4500 Jugendlichen, die in der Einrichtung des Oldenburgischen Jugenderholungswerks (OJE) Freizeitspaß und Erholung suchen.

Doch die drei Gebäude des Schullandheims – mit über 200 Betten eines der größten in Deutschland – sind in die Jahre gekommen. Die sanitäre Einrichtung ist veraltet, die Energiebilanz schlecht, und die Acht-Betten-Zimmer erfüllen nicht mehr die Erwartungen. „Wir haben in der Vergangenheit regelmäßig ins Haus investiert“, berichtet OJE-Vorsitzender Dieter Boll. „Doch Reparaturen reichen jetzt nicht mehr.“

Richtfest vor Heiligabend

Ende des Monats ziehen die Handwerker ein in die Unterkunft, wenige Meter vom kleinen Wangerooger Flugplatz entfernt. Der ehrgeizige Fahrplan: Noch vor Weihnachten wollen sie zusammen mit den OJE-Verantwortlichen Richtfest feiern für die Sanierung der Häuser 1 und 2. Boll ist optimistisch – nicht nur weil die Arbeiter auf der Insel wie auf Montage arbeiten. „Die Verpflegung hier hat einen hervorragenden Ruf“, verrät der OJE-Chef.

Neue Dächer, eine Sanierung der Außenwände und eine zeitgemäße Zimmeraufteilung haben die Architekten des Oldenburger Büros Bauwerk 12, die als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen sind, geplant. Beide Häuser erhalten zusätzlich ein Dachgeschoss; „eines wird direkt ausgebaut, das andere errichten wir als Ausbaureserve“, erläutert Boll.

Statt der Acht- und Sechs-Bett-Zimmer erwarten die Gäste Vier-Bett-Zimmer, die bei Bedarf um einen Schlafplatz erweitert werden können. Jedes Haus verliert zwar durch den Umbau 20 Schlafplätze – doch die dann noch vorhandenen 45 Plätze pro Haus entsprechen nach den Erfahrungen der Hausleitung dem Bedarf.

1,6 Millionen Euro darf die Sanierung kosten. Gut eine Million Euro bringt das OJE auf. Ein Teil des weitläufigen Grundstücks wurde für diesen Zweck verkauft. Auf dem begehrten Bauland entstehen Wohnhäuser. Zuschüsse kommen vom Land sowie „ermutigende Signale“ aus den Landkreisen Friesland und Cloppenburg und der Stadt Oldenburg, die zu den OJE-Gesellschaftern gehören. Weitere Sponsoren sind willkommen.

Eine Edelsanierung lehnt Boll nicht nur aus Kostengründen ab. Solide und funktionsfähig soll das Schullandheim sein. Pro Tag zahlt jedes Kind rund 25 Euro. Im Mittelpunkt stehe nicht möglichst großer Komfort, sondern das Miteinander. „Das macht den Charme unseres Jugenderholungswerkes aus.“ Boll beobachtet, dass für viele Jugendliche ein fester Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten nicht selbstverständlich ist. „Ich halte es für wichtig, dass die Gruppen Gelegenheit haben, soziales Verhalten zu trainieren.“

Hungernde Kinder

Der 70-Jährige, der als Kind selbst das Heim besuchte, erinnert an die bescheidenen Anfänge der Nachkriegszeit. Hungernden und unterernährten Kindern wollten der erste Oldenburgische Verwaltungspräsident, August Wegmann, und der Oldenburgische Kultusminister Fritz Kaestner („Urvater des Schullandheims“), helfen. Unterstützt von der britischen Militärregierung, konnten 1949 die ersten Kinder in die Jade-Kaserne einziehen. Unter abenteuerlichen Bedingungen – Vereinsmitglieder holten Kohle zum Heizen mühsam aus dem Ruhrgebiet heran – entwickelte sich ein reges Freizeitleben.

Einen Einschnitt bedeutete 1958 die Rückgabe der Kaserne an die Bundeswehr. Für zwei Jahre ruhte der Betrieb, bis 1960 Richtfest am heutigen Standort gefeiert wurde. 1993 übernahm Boll – bis zur Auflösung der Bezirksregierung Weser-Ems Ende 2004 Vize-Regierungspräsident in Oldenburg – den Vorstandsvorsitz des OJE. Den laufenden Betrieb organisiert die Geschäftsstelle mit der ehrenamtlichen Geschäftsführerin Johanna Abbas, die bis zur Pensionierung Mitarbeiterin im Landratsamt Jever war.

Bolls Blick geht schon über die beschlossene Sanierung hinaus. „Wir haben nicht nur zwei Häuser – das dritte ist als nächstes dran.“ Der Vereinsvorstand regt den Beitritt der Kommunen an, die noch nicht Mitglied des OJE sind: die Landkreise Ammerland, Oldenburg, Vechta und Wesermarsch. „Wenn jeder zum Einstand 200 000 Euro mitbringt, ist die Sanierung von Haus 3 bezahlt – und wir hätten etwas Tolles für die Jugend im gesamten Oldenburger Land erreicht.“


Mehr Infos unter   www.oje-wangerooge.de 
Christoph Kiefer Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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