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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Angst Im Landkreis Vechta: Wer schützt seine Schafe vor dem Wolf?

27.02.2015

Goldenstedt Werner Olschewski ist Schafhalter. Bei diesem Vornamen und Beruf denkt man an einen Herrn im fortgeschrittenen Alter mit langer Kutte, Stock und Hut. Doch Werner Olschewski ist gerade mal 25 Jahre alt – und schon seit neun Jahren intensiv mit dem Thema Schafhaltung und -züchtung befasst. Mit 16 Jahren hatte er seine Ausbildung in Schleswig-Holstein begonnen, seither hat er nach eigenen Worten nahezu jede freie Minute und vor allem jeden Cent in den Aufbau seines eigenen Schafbetriebes auf dem elterlichen Hof in Goldenstedt (Kreis Vechta) gesteckt.

Züchter ist in Sorge

Das Geschäft mit den Schafen sollte das zweite wirtschaftliche Standbein des kleinen landwirtschaftlichen Betriebes werden. Doch nun sieht der junge Schäfer diesen Plan den Bach runtergehen. Grund ist die Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen.

Der Wolf wird sich nach Einschätzung des Umweltministeriums bis Ende des Jahres in ganz Niedersachsen ausgebreitet haben. „Der Wolf kommt viel schneller, als wir alle gedacht haben“, sagte Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz am Donnerstag bei einem Besuch auf Olschewskis Hof in Goldenstedt. Die Grünen-Politikerin sagte, Wölfe seien von Natur aus eher scheu und würden von sich aus keine Menschen angreifen. Anders sei es bei verhaltensauffälligen Wölfen, diese müssten beseitigt werden. Hinweise, dass der Goldenstedter Wolf verhaltensauffällig sei, gebe es aber noch nicht, betonte sie.

Nun hat Werner Olschewski auch keine Angst um sich selbst, sondern um Leib und Leben seiner Schafe. „Der Wolf hat innerhalb von drei Monaten über 70 Schafe gerissen, bei uns als Einzelbetrieb sechs Schafe, davon fünf tragende Mutterschafe. Das bedeutet allein für unseren Betrieb einen wirtschaftlichen Schaden von 3500 bis 4000 Euro. Und wir haben den Wolf erst seit drei Monaten bei uns im Landkreis“, erläuterte Olschewski.

Der Schäfer gab der Staatssekretärin am Donnerstag ganz deutlich und selbstbewusst die Forderung mit auf den Weg, dass das Land die Finanzierung von Schutzzäunen übernehmen müsse. „Uns müssen die Zäune bezahlt werden, die wir auch brauchen. Uns ist nicht damit geholfen, wenn uns gesagt wird, dass wir in drei Jahren pro Betrieb 15 000 Euro Fördermittel bekommen. Das ist für Betriebe wie meinen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Wenn Schafherden künftig mit Netzen vor Wolfsrissen geschützt werden müssten, sei dies auch mit einem erheblichen personellen Mehraufwand verbunden, der vom Land finanziert werden müsse. Gebe es eine solche Unterstützung nicht, bedeute das für seinen Betrieb den wirtschaftlichen Niedergang. „Das hieße dann auch, dass unsere Schafe keine Landschaftspflege mehr betreiben. Also das, was die rot-grüne Landesregierung will, nämlich, dass Schafe draußen gehalten werden und Landschaftspflege betreiben, würde damit kaputt gemacht“, befürchtet Olschewski.

Staatssekretärin Kottwitz riet dem jungen Mann während ihres Besuchs auf seinem Hof, umgehend einen Förderantrag beim Land zu stellen. Sie werde zügig prüfen lassen, inwieweit eine schnelle finanzielle Unterstützung möglich ist.

Verband hat Hoffnung

„Für uns Schafhalter ist es essenziell, dass eine schnelle Lösung gefunden wird“, erläutert auch Joachim Rehse, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, den Ernst der Lage. Die Schafzüchter kämpfen nach seinen Worten schon seit langer Zeit um Gehör in Sachen Wolf.

„Doch wir sind eine kleine Gruppe ohne große Wirtschaftskraft“, nennt Rehse eine Vermutung, weshalb die Notrufe der Schafzüchter bisher weitgehend ins Leere liefen. Nun, da das Problem aber konkret und die Bedrohung durch den Wolf größer werde, seien auch andere Tierhalter wie etwa Pferde- und Viehhalter betroffen. Das macht Rehse Hoffnung, dass nun doch „endlich“ Bewegung in die Sache kommt.

Diese Absicht jedenfalls verfolgt Kottwitz, die am Donnerstag auf Einladung von Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer in dem 9000-Einwohner-Ort zu Gast war. Meyer forderte Maßnahmen gegen das Raubtier, das sich seit einigen Jahren wieder von Osteuropa in Richtung Westen ausbreitet. „Der Wolf gehört hier nicht hin“, machte er seine Position deutlich.

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Der Bürgermeister hatte Kottwitz eingeladen, nachdem kürzlich ein Wolf unmittelbar neben dem Waldkindergarten gesichtet worden war (NWZ  berichtete). Kottwitz sagte, sie könne nicht für die Sicherheit der Kinder garantieren. Sie gehe aber davon aus, dass der Wolf von einem Zaun mit im Wind wehenden Lappen abgehalten werde, das Gelände zu betreten.

Zudem kündigte die Staatssekretärin an, bei dem Thema weiter am Ball zu bleiben. „Der Wolf kam viel, viel schneller, als wir alle gedacht haben. Vor einem Jahr hatten wir noch lange nicht diese Probleme. Und das geht weiter. Und wir müssen gucken, dass wir jetzt gemeinsam Wege finden, die wir bislang in Niedersachsen noch nicht brauchten.“

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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