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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Natur: Seehundjäger auf Sylt rechtfertigt sich

22.04.2014

List Ans Aufhören hat Thomas Diedrichsen nur ganz am Anfang gedacht. In seinem ersten Jahr als Seehundjäger ist er angezeigt worden. Ein blutendes Tier hatte er am Strand gefunden, und eine Passantin bestand darauf, dass er einen Arzt holt. Da die Lage des todkranken Tieres eindeutig war, wies Diedrichsen das zurück. Die Frau rief ihren Anwalt an, der drohte Diedrichsen mit einer Anzeige. Der Sylter Seehundjäger ließ sich nicht einschüchtern und erschoss das kranke Tier. „Es wurde in Büsum seziert, und die Sektion ergab, meine Einschätzung war richtig“, erinnert sich der 47-Jährige.

Es ist kein glamouröser Job, den Diedrichsen, der auf Sylt Ferienwohnungen vermietet, ehrenamtlich ausübt. Seit 1998 wohnt er im Naturschutzgebiet Ellenbogen zwischen Meer, Dünen und Schafen. Damals gab es zwei Seehundjäger auf Sylt, die ihn oft baten, schon mal nachzugucken, wenn es Meldungen über gestrandete Seehunde gab. 2000 machte Diedrichsen seinen Jagdschein, 2006 wurde er vom Land Schleswig-Holstein zum Seehundjäger bestellt. Drei gibt es inzwischen auf Sylt, 40 im ganzen Bundesland.

Jährlich vertiefen Diedrichsen und seine Kollegen ihr Wissen in Arbeitskreisen und bei Fortbildungen. „Wir lernen bei der Arbeit am toten oder lebenden Tier“, erläutert Diedrichsen. In Büsum am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung etwa werden die Seehundjäger von Tierärzten geschult.

Wird Diedrichsen ein Fundtier gemeldet, etwa von der Polizei oder der Kurverwaltung, macht er sich mit einer Wanne und, wenn das Tier noch lebt, mit einer Pistole auf den Weg. Dann untersucht der 47-Jährige das Tier: Ist es apathisch, abgemagert, kommt Blut aus der Nase, ist es eitrig oder schaumig, hat das Tier Durchfall oder Schwellungen? Manche Kriterien sind ausschlaggebend für die Entscheidung, ob das Tier getötet wird. „Die Kriterien haben Fachleute festgelegt“, betont der Sylter, „Meeresbiologen und Tierärzte“.

Die Betonung liegt ihm in diesem Jahr besonders am Herzen. Kritik an Seehundjägern gebe es immer wieder, erzählt er, doch die Debatte, die sich im Winter entwickelte, sei die schärfste gewesen, die er bislang erlebt habe. Tierschützer drohten mit einem Sylt-Boykott, Seehundjäger wurden im Internet als Mörder tituliert. Kritiker forderten, dass Tierärzte die Entscheidung übernehmen, ob ein Tier gerettet werden kann oder getötet werden soll. Auch aus der Liste jagbarer Arten sollten Seehunde gestrichen werden, hieß es.

Umweltminister Robert Habeck stellte sich vor die Jäger. Er sprach davon, dass Argumente „häufig hoch emotional, unsachlich und mit ungerechtfertigter Polemik vorgetragen werden“.

„Es ist nicht neu, dass es Leute gibt, die meinen, die Tiere müssen einem Tierarzt vorgestellt werden“, sagt Diedrichsen. „Das trifft uns auch als Familie“, sagt Diedrichsens Frau Conni. Der 47-Jährige sieht sich zu Unrecht angegriffen. Er erinnert sich an ein Tier, das zur Seehundauffangstation gebracht wurde und noch während der Eingangsuntersuchung starb - „es hat unendlich gelitten“.

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Auch manche Tiere, die mühevoll aufgepäppelt würden, „werden nie wieder 100 Prozent der Lungenleistung haben, sondern kränklich und schwächlich bleiben“. Es sei wichtig, dass kranke und schwache Tiere nicht leiden müssen. Wenn es darum gehe, jedes Tier unbedingt zu retten, müsse man auch fragen, was mit allen anderen Wildtieren geschehen solle. „Dann müssten wir auch Kaninchen einsammeln - und was ist mit den Wildschweinen?“, sagt der Jäger.

Den Vorwurf, die Seehundjäger verdienten sich eine goldene Nase an den „Kopfprämien“, weist Diedrichsen zurück. 45 Euro brutto bekommt er für ein Tier - auch für bereits verendete. Alle Aufwendungen, etwa Fahrtkosten, trägt er selbst. Diedrichsen wird seinen Job weitermachen, den, wie er sagt, ja einer machen muss.

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