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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Skandale, Affären und Personalkarussell

04.02.2017

Oldenburg Immer wieder ist die EWE in den vergangenen Jahren in Affären und Skandale verwickelt gewesen. Auch drehte sich das Personalkarussell in der Führungsspitze in den vergangenen beiden Jahren in hohem Tempo. Hier ein Überblick über die Turbulenzen.

Der ehemalige EWE-Chef Dr. Werner Brinker (Mitte) 2010 zu Besuch bei der Agentur „Prevent“. (Bild: Torsten von Reeken/Archiv)

Die Sign-Affäre

Die sogenannte Sign-Affäre ist der wohl größte Aufreger in der jüngeren EWE-Geschichte: Bis 2011 fließen mehrere Millionen Euro der EWE an die Oldenburger Agentur „Prevent“, die seit 2000 an Schulen im Nordwesten das Präventionsprogramm „Sign“ gegen Sucht und Gewalt anbietet. Wie sich herausstellt, übersteigt das finanzielle Engagement der EWE bei Weitem die Kosten des Projekts. Viele angekündigte Veranstaltungen an Schulen finden erst gar nicht statt. Der Energieversorger überweist jährlich bis zu 3,5 Millionen Euro für das „Sign“-Projekt, häufig auf direkte Anweisung von EWE-Chef Dr. Werner Brinker. Laut Staatsanwaltschaft Oldenburg erwirtschaftet die Agentur durch die Zahlungen des Energieversorgers erhebliche Gewinne, die der Geschäftsführerin der Agentur zugute kommen. EWE und Prevent bekriegen sich mit gegenseitigen Strafanzeigen. Wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt zeitweise auch die Staatsanwaltschaft gegen den EWE-Chef und die Agentur-Geschäftsführerin. Der Verdacht erhärtet sich nicht, die Ermittlungen werden eingestellt.

Interessantes Detail am Rande: Weil im Zuge der Sign-Affäre die Diskussion um die Sponsoring- und Spenden-Praxis des Konzerns hochkocht, beschließt die EWE Ende 2011, die Förderung neu zu regeln. „Handwerkliche Fehler“ wie in der Sign-Affäre sollten künftig vermieden werden. Nur fünfeinhalb Jahre gibt es eine neue Spenden-Diskussion: die Klitschko-Affäre.

Lesen Sie hier mehr zur Sign-Affäre:

NWZ, 30.11.2011: „Das war eine riesige PR-Maschine“

NWZ, 19.03.2013: Ermittlungen gegen EWE-Chef Brinker eingestellt

Die Eberswalde-Affäre

Das Verfahren in der Eberswalde-Affäre gegen EWE-Chef Brinker wurde schließlich eingestellt. (Bild: EWE/Archiv)

Gleich zweimal überweist die EWE Geld an die Stadt Eberswalde in Brandenburg, wo das Oldenburger Unternehmen ebenfalls stark vertreten ist: 2002 sind es 307.000 Euro, 2005 noch einmal 200.000 Euro – insgesamt also 507.000 Euro. Das Geld soll der Jugendsport-Förderung in Eberswalde zugutekommen. Das Brisante an der Geschichte: Zu beiden Zeitpunkten verhandelt die EWE mit der Stadt Eberswalde über den Ankauf von Anteilen an den Stadtwerken. Der Bürgermeister von Eberswalde wird wegen mehrerer Fälle von Vorteilsnahme zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ein Verfahren gegen EWE-Chef Brinker wird eingestellt, sein Vorstandskollege Waschmann muss eine fünfstellige Geldauflage zahlen. Gegen die EWE wird eine Firmen-Geldbuße von 400.000 Euro verhängt.

Lesen Sie hier mehr zur Eberswalde-Affäre:

NWZ, 02.11.2011: 507.000 Euro für Eberswalde

Stolperte als Personalchefs über seine Vergangenheit: Nikolaus Behr (Foto: Archiv)

Die Spitzel-Affäre

Überraschend beurlaubt die EWE Anfang September 2016 ihren Personal- und IT-Vorstand Nikolaus Behr. Erst nach einigen Tagen dringen mehr Details an die Öffentlichkeit: Es gab ein Ermittlungsverfahren gegen eine Detektei, die einen Ex-Mitarbeiter der Tochterfirma EWE Netz bespitzelt haben soll. Die Frage ist: Wer hatte den Detektiv auf den früheren Mitarbeiter angesetzt – und warum? Behr als ehemaliger Vorstand der EWE Netz wird von seiner Vergangenheit eingeholt: Über eine private E-Mail-Adresse soll er einer Kanzlei geschrieben haben, die wiederum eine Detektei beauftragte. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt deshalb gegen zwei Anwälte. Ende September 2016 verlässt Behr mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Hintergrund der Affäre ist ein langwieriger Prozess vor Arbeitsgerichten. Die EWE Netz hatte versucht, dem Mitarbeiter wegen seines angeblich autoritären Führungsstils und abgeblichen abfälligen Äußerungen über die Geschäftsführung zu kündigen. Dieser klagte gegen die Kündigungen und war in mehreren Instanzen erfolgreich. Daraufhin ließ Behr den Ex-Mitarbeiter – auf Rechnung der EWE – von Detektiven bespitzeln. Das Unternehmen prüft eine Klage gegen seinen Ex-Vorstand. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen Behr wegen des Ausspähens von Daten und gegen eine ehemalige leitende Mitarbeiterin wegen des Verdachts auf Untreue.

Lesen Sie hier mehr zur Spitzel-Affäre

NWZ, 24.09.: EWE prüft Klage gegen Ex-Vorstand Nikolaus Behr

NWZ, 20.09.16: Rätsel um Motive von EWE-Personalchef Nikolaus Behr

Die Pizzeria-Affäre

Wieder steht EWE-Chef Werner Brinker im Kreuzfeuer. Ein Rasteder Restaurantbesitzer steht 2008 bei der EWE mit rund 4500 Euro in der Kreide. Als Stammgast soll Brinker für den Wirt bürgen und schließlich dessen offene Stromkosten bezahlen. Dass die Rechnung nicht beglichen ist, fällt 2011 bei einer internen Prüfung auf. Daraufhin soll Brinker gezahlt haben.

Die „Klöter“-Affäre

In dieser Sache geht es um ein ehemals beliebtes Oldenburger Delikatessen-Geschäft: „Klöter“ im Herbartgang. Ansonsten ist der Fall ähnlich gelagert wie die Pizzeria-Affäre: Nach einem Schlaganfall muss Feinkosthändler Klöter sein Geschäft schließen. Energiekosten von rund 5000 Euro bleiben unbezahlt. Die EWE betrachtet es als aussichtslos, das Geld einzutreiben, bucht den Vorgang 2013 aus – und gerät in die Kritik. Als Reaktion darauf prüft das Unternehmen seine internen Abläufe.

NWZ, 27.07.2013: Stromrechnung mit Nachspiel

Wegen 253.000 Euro an die Klitschko-Stiftung gerät Matthias Brückmanns (rechts) Stuhl ins Wackeln. Rechts: Wladimir Klitschko. (Fotos: dpa/Vennenbernd/Jaspersen)

Die Klitschko-Affäre

Vorstandschef Matthias Brückmann gerät Anfang Februar 2017 wegen einer hohen Spende unter Druck. Es wird öffentlich, dass die EWE 253.000 Euro an die Stiftung der Klitschko-Brüder überwiesen hat. Als Gegenleistung sei ein PR-Besuch von Boxer Wladimir Klitschko in Oldenburg vereinbart worden. Dazu kommt es aber nie. Als Reaktion auf die öffentliche Kritik übernimmt Brückmann die Spende schließlich aus eigener Tasche. Die Staatsanwaltschaft prüft wegen des möglichen Verdachts der Untreue die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Ein Gutachten im Auftrag des EWE-Aufsichtsrates soll Aufschluss über mögliches Fehlverhalten von Brückmann geben. Bei einer Sitzung empfiehlt das Präsidium des Aufsichtsrates einstimmig die Ablösung des 54-Jährigen. Damit steht Brückmann vor dem Aus. Endgültig soll der gesamte Aufsichtsrat in einer Sitzung am 22. Februar über seine Zukunft entscheiden. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Brückmann und seinen Vorstandskollegen Michael Heidkamp wegen des Verdachts der Untreue.

Lesen Sie hier mehr zur Klitschko-Affäre:

NWZ, 14.02.17: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

NWZ, 08.02.17: EWE-Chef geht K.O. nach Klitschko-Affäre

NWZ, 02.02.17: Klitschko weist „Deal“ mit EWE zurück

NWZ, 03.02.17: EWE-Chef zahlt Klitschko-Spende jetzt aus eigener Tasche

Personalkarussell: Wer ging – wer kam seit 2015?

 September 2015: Finanzvorstand Dr. Heiko Sanders scheidet „auf eigenen Wunsch“, wie es in einer Mitteilung heißt, aus dem Unternehmen aus.

 Oktober 2015: Nach 17 Jahren an der Vorstandsspitze geht EWE-Chef Dr. Werner Brinker in den Ruhestand.

 Oktober 2015: Matthias Brückmann übernimmt den Vorstandsvorsitz von Dr. Werner Brinker, der in den Ruhestand verabschiedet wurde.

 September 2016: Personalchef Nikolaus Behr verlässt die EWE mit sofortiger Wirkung. Kurz zuvor wurde er als Konsequenz aus der Spitzel-Affäre beurlaubt. Behr war seit Juli 2012 Vorstand für Personal und IT.

 Dezember 2016: Es wird bekannt, dass Vorstandsmitglied Ines Kolmsee die EWE bis Jahresende verlässt. Im Mai 2015 hatte die Managerin das Technikressort übernommen. Interne Querelen im Vorstand sind offenbar der Grund.

 Januar 2017: Aufsichtsratschef Stephan-Andreas Kaulvers verlässt die EWE im Mai 2017, ein Jahr früher als eigentlich vorgesehen.

Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2155
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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