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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen Schlachthof in Stade

14.04.2019

Stade /Oldenburg Die Videos zeigen brutale Szenen. Auf Bauernhöfen werden kranke Kühe mit Seilwinden in einen Lastwagen gezerrt. Die hilflosen Tiere bekommen Tritte ab, Stiche mit der Forke. Dann werden sie in einem Schlachthof genauso grausam aufgehängt und getötet. Aktivisten der Organisation Soko Tierschutz haben diese Bilder nach eigenen Angaben über Wochen in einem Schlachtbetrieb in Düdenbüttel im Landkreis Stade gedreht – mit versteckten Kameras. Jetzt hat auch der Landkreis Stade Anzeige erstattet – und die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft ebenfalls die Aufnahme.

Seit sie den Fall in der ersten Aprilwoche öffentlich machten, ist die Schlachterei geschlossen. Die Soko Tierschutz wie auch das Agrarministerium von Niedersachsen haben Anzeige erstattet. Die Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt. Nun tobt der Streit, ob es um einen Einzelfall geht oder um System: Kranke Rinder, deren Fleisch eigentlich nicht verzehrt werden darf, würden in die Verwertung eingeschmuggelt.

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz sieht klar ein System. Düdenbüttel sei allein in Niedersachsen der vierte Schlachtbetrieb, bei dem seine Organisation solche Praktiken aufgedeckt habe – nach Laatzen, Oldenburg und Bad Iburg. Im Fall Düdenbüttel sei es gelungen, die Höfe zu identifizieren, die solche Rinder verkaufen. Zwischen Bauern, Tierhändlern und Schlachtern laufe eine „völlig kaltblütige Kumpanei“, sagte Mülln der Deutschen Presse-Agentur.

„Die Bauern wollen diese Tiere nur loswerden“, sagte er. Und für Betriebe wie in Düdenbüttel sei es ein Geschäftsmodell, kranke Rinder zu schlachten. Mit unter der Decke stecken – so sieht es Mülln – die amtlichen Tierärzte. Sie müssten solche Tiere eigentlich aus dem Verkehr ziehen. Die Soko Tierschutz hat diese Tierärzte ebenso angezeigt wie deren Vorgesetzte im Veterinäramt Stade.

Die Staatsanwälte in Oldenburg prüfen den Verdacht auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. „Insbesondere ist dafür eine umfangreiche Auswertung des Videomaterials erforderlich“, teilte Sprecherin Nicole Nadermann mit. Ermittelt werde bisher nur gegen die Betreiber des Schlachthofs. „Ob sich die Ermittlungen in Zukunft noch auf weitere Personen erstrecken werden, kann derzeit nicht prognostiziert werden“, sagte sie der dpa. Die Dauer der Ermittlungen sei offen.

Beim Landkreis Stade ist man mit der Sichtung der Filme schon weiter. 48 Videos im Umfang von 93 Gigabyte hatten die Tierschützer zur Verfügung gestellt. „Nach unseren Erkenntnissen stimmt ein Teil der Vorwürfe der Tierschutzorganisation“, sagte Landrat Michael Roesberg. Der Kreis hat deshalb ebenfalls Anzeige erstattet – gegen Betreiber und Mitarbeiter des Schlachthofs sowie gegen die Landwirte.

Die zuständige Dezernentin Nicole Streitz dementiert aber Angaben der Tierschützer, der Schlachthof Düdenbüttel sei als Problembetrieb mit langer Vorgeschichte bekannt. Nicht äußern will sich der Landkreis zu den Vorwürfen gegen die amtlichen Tierärzte und das Veterinäramt. Sie werden durch die Anzeige der Soko Tierschutz belastet.

Noch am Tag, als die mutmaßlichen Tierquälereien in Düdenbüttel bekannt wurden, lieferte der Schlachthof Kühlfleisch aus bis in die Niederlande. Dieses Fleisch sei zurückgerufen und beschlagnahmt worden - ebenso wie im Schlachthof gelagerten Vorräte, sagte Streitz. Der Betrieb habe zugesagt, alles Fleisch auf eigene Kosten fachgerecht zu entsorgen.

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