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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Prozess Um Mordversuch In Stade: Bauer schießt auf Tierarzt – Jetzt spricht das Opfer

04.08.2017

Stade Als „ruhig, stoisch, wortkarg, zurückhaltend“ haben Zeugen den 56-jährigen Landwirt beschrieben, der im Februar den Veterinäramtsleiter des Landkreises Cuxhaven mit einem Schuss lebensgefährlich verletze. Selbst der damals angeschossene und inzwischen pensionierte Amtstierarzt kannte den Mann aus dem jahrelangen Streit um dessen Art der Tierhaltung nicht als aggressiv, ausfällig oder beleidigend. Dennoch kam es auf dem Hof in Osterbruch-Norderende zu einem Drama, das für den 65-jährigen Veterinär tödlich hätte enden können. Am Donnerstag sagte er im Prozess gegen den Bauern vor dem Landgericht Stade als Zeuge aus.

„Mir geht es soweit gut. Aber ich muss erhebliche Einschränkungen in meinem Leben hinnehmen“, sagte der Tierarzt, der bei der Amtshandlung am 1. Februar einen Bauchschuss erlitt. Ihm mussten damals eine Niere und ein Teil des Darms entfernt werden. Die Kugel durchschlug auch die Leber. Im Krankenhaus hatten die Ärzte ihn in ein künstliches Koma versetzt. „Ich brach zusammen, ich weiß, dass ich auf den Hofplatz gelegen habe, und dass mir sehr kalt war“, erinnerte sich der Veterinär, der als Nebenkläger an dem Prozess teilnimmt.

Er war am Morgen des 1. Februars 2017 mit Kollegen und Unterstützung zweier Polizisten zum Hof des Bauern gefahren, um dessen Tiere abzuholen. Es ging um rund 100 Schafe, 4 Pferde und 20 bis 25 Rinder. Dem 56-Jährigen war schon mehrmals vorgeworfen worden, die Tiere nicht tierschutz- und artgerecht zu halten. Zu wenig Licht im Stall und keine durchgängige Wasserversorgung - das waren zwei Kritikpunkte. Vor Gericht scheiterte er mit Klagen und Beschwerden gegen ein angeordnetes Tierhalteverbot.

Der Bauer warf den amtlichen Vertretern vor, sie wollten seine Existenz vernichten. Ein Zeuge erinnerte sich am Donnerstag, dass er an die Adresse des Tierarztes gesagt haben soll: „Der will ja Blut sehen.“ Die Überzeugungsversuche des Tierarztes, der Polizisten und auch eines herbeigerufenen Vertreters des Landvolks blieben erfolglos. Der Bauer wollte sich nicht von seinen Tieren trennen, schaute die schriftliche Anordnung nicht mal an.

Gegen 09.30 Uhr fiel dann ein Schuss - plötzlich und „ohne jegliche Vorwarnung“ hatte der Landwirt laut Anklage auf den Veterinär geschossen, der schwer verletzt zusammensackte. Der mutmaßliche Täter und Angeklagte, der seitdem in der JVA Bremervörde sitzt, durfte zwar die aus einem Erbe stammende 9-Millimeter-Pistole der Marke „Star“ besitzen, nicht aber die Munition. Auch das legt ihm die Anklage zur Last.

Ein 48-jähriger Verwaltungsmitarbeiter des Landkreises Cuxhaven, der damals an dem Einsatz beteiligt war, beschrieb den Angeklagten an dem Februartag zwar als „wenig kooperativ“. Er habe aber nicht gedroht. Nach der Tat habe er der Aufforderung der Polizisten Folge geleistet. Er sei dann in Handschellen gelegt und auf dem Boden fixiert worden. Selbst in der Situation habe er noch gefordert, die Stalltür zu schließen, damit den Lämmern nicht zu kalt werde. „Das war schon erstaunlich, wie ruhig der war“, wunderte sich der Zeuge im Rückblick.

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