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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Ständiger Regenbogen über der Hunte

15.11.2013

Goldenstedt Seit einigen Wochen verfügt Goldenstedt (Landkreis Vechta), eine verkehrsgünstig mitten im Dreieck Oldenburg, Bremen und Osnabrück gelegene Gemeinde, über ein ganz besonderes Wahrzeichen: Ein mächtiger Regenbogen aus Stahl überspannt die Hunte.

Hier am Ortseingang misst das Flussbett der Hunte 25 Meter in der Breite. Der 189 Kilometer lange Nebenfluss der Weser fließt auf seinem Weg von der Quelle südlich des Wiehengebirges bis zur Einmündung in die Weser bei Elsfleth an der 10 000 Einwohner zählenden Gemeinde Goldenstedt vorbei.

Die Straßenbrücke, die hier über die Hunte führt, nennt der Volksmund „Goldene Brücke“. Nicht, weil hier einst offiziell große Summen an Zöllen und Steuern von durchreisenden Kaufleuten eingezogen wurden, sondern wegen einer Sage, die von wertvollen Goldtalern berichtet. Seit einigen Wochen nun überspannt ein bunt lackiertes Kunstwerk aus Eisen den Fluss von Ufer zu Ufer. Es erinnert an die Sage und an einen mutmaßlichen historischen Vorfall mit weitreichenden Folgen.

Werbliche Effekte

Bürgermeister von Goldenstedt ist Willibald Meyer (66). Der CDU-Politiker hat einen Sinn für die Geschichte seiner Heimatgemeinde. Die ist ihm nicht nur aus sentimentalen Gründen wichtig. Meyer denkt da eher an ökonomische, touristische oder werbliche Effekte. So verhielt es sich auch im Umgang mit der Sage und ihren Goldtalern.

Weil nach der Überlieferung 1000 Jahre vergangen waren, nachdem im Jahre 1011 die Sage erstmals erwähnt worden sein soll, schritten Meyer und sein Gemeinderat zur Tat. Sie forderten fünf Künstler aus der Region auf, sich an einem Wettbewerb für die Errichtung eines Kunstwerkes zu beteiligen. Es soll als neues Wahrzeichen Goldenstedts an die Geschichte mit den Goldtalern erinnern.

Und diese Geschichte, die sich in der Zeit zwischen 930 und 1042 ereignet haben soll, ist überliefert: Damals verliebte sich Rudolph Graf von Diepholz am schwedischen Hof in die nordische Prinzessin Marie, heiratete die Adlige und begab sich später mit seiner Gemahlin auf den beschwerlichen Weg in seine eigene Grafschaft. Als die Reisegesellschaft mit ihren Kutschen die Hunte nicht überqueren konnte, da die sonst üblicherweise befahrbare Furt wegen Hochwasser nicht passiert werden konnte, gingen Anwohner den edlen Damen und Herren flugs zur Hand. Sie halfen dem Tross durch die Hunte.

Am anderen Ufer angelangt öffnete Marie angeblich ihre mitgeführte Schatztruhe und warf aus Dankbarkeit den ärmlich erscheinenden Siedlern aus dem Fenster ihrer Kutschentür mehrere Hände voller Goldmünzen entgegen. Mit Hilfe der Taler sollte es ihnen gelingen, eine Brücke über den Fluss zu errichten, empfahl die Gräfin den Einheimischen.

Der Sage nach wurde deshalb die später erbaute Brücke über die Hunte auch „Goldene Brücke“ genannt. So heißt sie bis heute. Und der Hügel am Flussufer, von wo die Prinzessin um Hilfe gerufen haben soll, heißt seitdem „Goldener Berg“, die stetig größer werdende Ansammlung von Hütten und Häusern erhielt den Namen „Goldene Stette“ oder „Goldenstedt“.

Künstler aus Friesoythe

Als Bürgermeister Meyer, sein Gemeinderat und die örtlichen Heimatvereine die Entwürfe der Künstler auf dem Tisch liegen hatten, entschieden sie sich für die Idee des Schmiedekünstlers Alfred Bullermann (52) aus Friesoythe (Landkreis Cloppenburg). Bullermann hat sich längst einen Namen gemacht. Seine großformatigen Werke aus Eisen schmücken öffentliche Gebäude und Anlagen ebenso wie zahlreiche Privathäuser und Gärten.

„Ich wollte das Werfen des Goldes darstellen und deutlich machen, dass eine Brücke ein verbindendes Element ist. Sie stiftet Identität“, sagt der Künstler zu seinem Entwurf für Goldenstedt. Sein Modell wurde schließlich von dem Stahlbauunternehmer Heinrich Lüers aus dem Goldenstedter Ortsteil Lutten handwerklich umgesetzt. Die Fundamente gab es bereits. Es waren Blöcke aus Beton, die einst einem Stauwehr im Fluss Standfestigkeit verliehen hatten. Darauf wurde die Stahlkonstruktion verankert.

Der Haushalt der Goldenstedter Gemeindekasse kann die Aufwendungen für das neue Wahrzeichen verkraften, meint der Bürgermeister. Er rechne mit etwa 25 000 Euro, „vielleicht etwas mehr“, die für das Kunstwerk insgesamt aufzubringen seien. Die Hälfte des Geldes müsse die Gemeinde aus Steuermitteln bezahlen, für die andere Hälfte kämen Sponsoren aus dem Ort auf. Nicht ausgeschlossen, dass die Gemeinde später Merchandising-Einnahmen gegenrechnen kann, wenn der Hunte-Regenbogen aus Goldenstedt erst Kaffeetassen, Bonbondosen und anderen Schnickschnack schmückt.

Dass die langen und gebogenen Eisenstangen seines Werkes in den Farben des Regenbogens lackiert wurden, sieht Alfred Bullermann eher pragmatisch: „Ein Regenbogen ist eben auch ein verbindendes Teil. Er vermittelt Harmonie und Zufriedenheit.“ Das Objekt habe eine „dynamische Form“ erhalten, ergänzt Willibald Meyer.

In der Mitte hoch über dem Wasser der Hunte hängen nun an den Stahlsträngen des Regenbogens Ketten mit Goldtalern. Sie sind aus Aluminium und wurden vergoldet. Die Taler sollen sich im Wind bewegen und zugleich Symbol sein für das, was sich der Sage nach vor gut 1000 Jahren in Goldenstedt ereignet hat. Der Bürgermeister ist mit der Arbeit des Schmiedekünstlers sehr zufrieden. Willibald Meyer: „Wir wollten ein Wahrzeichen für die Gemeinde Goldenstedt schaffen. Das ist uns gelungen.“

Theaterstück geplant

Doch damit nicht genug. Meyer will die Sage und das neue Kunstwerk über den Fluss für kommunale Marketingzwecke einsetzen. Er will „das Thema stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung“ rücken. Mit Buchautor und Heimatschriftsteller Bernd Kessens aus Damme (Landkreis Vechta) hat er bereits über ein Theaterstück gesprochen, das die Sage auf die Bühne bringt.

Dass er dabei erneut behördliche Hürden bewältigen muss, wie im Fall des stählernen Regenbogens, vermutet Meyer übrigens nicht. So hatte der Landkreis Vechta im September 2013 ganz offiziell und schriftlich gegenüber der Gemeinde moniert, dass sie auf einer landkreiseigenen Naturschutzfläche Elemente für die geplante Skulptur abgelagert habe. Damit sei das Landschaftsschutzgebiet „Mittlere Hunte“ beeinträchtigt worden.

Im März des Jahres 2011 hatte der Bürgermeister ordnungsgemäß beim Landkreis in Vechta die Baugenehmigung für das Kunstwerk über die „Hunte“ beantragt. Die Kreisverwaltung erteilte die Baugenehmigung erst vor wenigen Tagen. Sie traf am 25. Oktober 2013 im Rathaus von Goldenstedt ein. Da war der Regenbogen über die Hunte längst gebaut und eingeweiht.

Heinz-Josef Laing
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2900

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