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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Steinhoff-Chef tritt zurück – Wurden Bilanzen gefälscht?

07.12.2017

Stellenbosch /Amsterdam /Westerstede So etwas hatten auch leiderprobte Börsianer noch nicht erlebt: Der Aktienkurs von Steinhoff, einem von Südafrika aus geführten Möbelkonzern mit Wurzeln in Westerstede, stürzte zu Handelsbeginn an der Frankfurter Börse ab. Am Mittwochabend ergab sich bei der Aktie ein Minus von mehr als 60 Prozent auf etwa 1,10 Euro.

Was war geschehen? Der Möbel-Konzern trennt sich wegen Unregelmäßigkeiten in den Büchern am operativen Sitz in Südafrika von seinem Chef Markus Jooste – und verschiebt die Vorlage seiner Jahreszahlen. Auch der Chef der Afrika-Tochter Star musste gehen. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft zudem möglichen Insiderhandel.

Bereits in der Nacht zu Mittwoch hatte sich Steinhoff mit sofortiger Wirkung von Jooste getrennt. Aufsichtsratschef und Großaktionär Christo Wiese soll den Konzern nun übergangsweise führen.

Als Grund nannte man neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden. Die Prüfgesellschaft PwC soll eine unabhängige Untersuchung durchführen.

Die geprüften Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen nun erst veröffentlichen, sobald es dazu in der Lage ist, wie es hieß. Eigentlich war die Zahlenvorlage für Mittwoch vorgesehen.

Lesen Sie auch: Vorwurf falscher Bilanzen – Artikel der Nordwest-Zeitung vom 5. Dezember 2015
Lesen Sie auch: Artikel über die andauernden Ermittlungen vom 25. August 2017

Steinhoff ist in Deutschland vor allem durch seinen Möbeldiscounter Poco bekannt. Der in großen Schritten gewachsene Konzern war nach einer Neuorganisation seit 1998 in Südafrika an der Börse. Heute hat er einen Rechtssitz in Amsterdam. Die Börsennotierung wurde 2015 nach Frankfurt verlegt.

In jenem Jahr waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen des Verdachts der Bilanzfälschung bekanntgeworden, über die diese Zeitung als erste berichtete. Es gab Durchsuchungen von Geschäfts- und Privathäusern in der Region. Steinhoff hat seine Europa-Zentrale in Westerstede.

Jetzt gibt es erneut Spekulationen zum Thema Bilanzen. Zudem schwelt ein Rechtsstreit zwischen Steinhoff und einem ehemaligen Joint-Venture-Partner.

Ein Sprecher der Oldenburger Staatsanwaltschaft sagte am Mittwoch auf Anfrage, „es werde nach wie vor gegen vier aktuelle und ehemalige Verantwortliche eines Konzerns" ermittelt. Es gehe um möglicherweise „überhöhte Umsatzerlöse“ in Bilanzen. Es könne aber nicht beurteilt werden, ob die aktuellen Entwicklungen auch im Zusammenhang mit diesem hiesigen Verfahren stünden. Ein Abschluss sei noch nicht abzusehen. Eine Ermittlungsgruppe bei der Zentralen Kriminalinspektion Oldenburg werte „mit Hochdruck“ Unterlagen aus.

Wurzel des Steinhoff-Konzerns ist eine Handelsvertretung von Bruno Steinhoff in Westerstede in den 60er-Jahren. Steinhoff (80), dem noch ein Anteil von unter fünf Prozent zugerechnet wird, ist Mitglied im Aufsichtsrat.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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